22. Dezember 2008 - 4:05 / Walter Gasperi / Zoom

Keine Liebesgeschichten, sondern Freundschaften – meist unter Männern – stehen im Mittelpunkt der Buddy-Movies. Manchmal sind die Protagonisten schon von Anfang an eingeschworene Freunde, oft sind sie aber auch konträre Figuren, die, durch äußere Zwänge zusammengespannt, erst langsam lernen müssen sich gegenseitig zu respektieren und sich so zusammenraufen.

Laut Thomas Koebner (Reclams Sachlexikon des Films, 2002, S. 86) wird der Begriff seit Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre verwendet und auf Filme bezogen wie "Asphalt-Cowboy" (John Schlesinger 1969; mit Dustin Hoffman, John Voight), "Zwei Banditen" (George Roy Hill, 1969: mit Paul Newan, Robert Redford) und "Der Clou" (George Roy Hill, 1973; mit Paul Newman, Robert Redford). Das ungleiche Paar gibt es im Kino allerdings schon seit der Stummfilmzeit wie beispielsweise "Laurel & Hardy", ein Duo, an das in den 70er Jahren Bud Spencer und Terrence Hill anknüpfen.

Ursprünglich wohl aus kommerziellen Überlegungen in der Hoffnung geschaffen, dass zwei Stars mehr Zuschauer ins Kino locken als einer, offenbarte sich bald auch das erzählerische Potenzial dieses Subgenres, dessen Name sich von "Buddy", dem englischen Wort für "Kumpel, Freund" ableitet. Die Reibungen zwischen dem Duo, ihre verbalen Schlagabtausche und die Entwicklung der Charaktere sind oft wichtiger als die eigentliche Geschichte.

Oft unterscheiden sich die Protagonisten durch Statur, Weltanschauung, Herkunft und Temperament, sodass am Beginn Spannungen stehen. Zusammengespannt werden sie durch äußere Umstände oder einen Auftraggeber. Aneinandergekettet sind beispielsweise der schwarze Sidney Poitier und der weiße Tony Curtis in Stanley Kramers "Flucht in Ketten" (1958), gemeinsam ein Verbrechen auklären müssen der von Gene Hackman gespielte ältere FBI-Agent und sein von Willem Dafoe verkörperter junger Kollege in Alan Parkers "Mississippi Burning" (1988), der weiße Nick Nolte und der schwarze Eddie Murphy in "Nur 48 Stunden" (Walter Hill, 1982), der weiße Bruce Willis und der schwarze Samuel L. Jackson in "Stirb Langsam – Jetzt erst recht" (John McTierman, 1995) oder der weiße Mel Gibson und der schwarze Danny Glover in der "Lethal Weapon"-Reihe (Richard Donner, 1987 - 1998). Und ein legendäres Paar, das ab den 60er Jahren immer wieder – vor allem in Filmen von Billy Wilder - gemeinsam auftrat, waren Jack Lemmon und Walter Matthau. Aber auch die norwegische Tragikomödie "Elling" (2001), in der Peter Naess von der schwierigen Wohngemeinschaft von zwei psychisch kranken Männern erzählt, ist zu den Buddy-Movies zu zählen.

Die Männerfreundschaft erscheint in diesen Filmen – vielfach Komödien oder Polizistenfilme - immer wieder stärker als die üblichen bürgerlichen Bindungen wie die Ehe. Durch Dick und Dünn geht die eingeschworene Gemeinschaft vielleicht nicht zuletzt deshalb, weil sie sich meist aus einer Notlage entwickelt hat. Filme mit ähnlich gelagerten Frauenfreundschaften gibt es dagegen nur wenige, berühmtestes Beispiel ist wohl Ridley Scotts "Thelma & Louise" (1991; mit Susan Sarandon, Geena Davis).

Für Koebner drückt sich in den Buddy-Movies die Sehnsucht nach einer "Bruder- oder Schwesternschaft, die durch unbedingtes gegenseitiges Vertrauen gesegnet ist und von den Verlockungen der Erotik gleich welcher Spielart auch immer dauerhaft gefeit zu sein scheint, da Sexualität nur in Episoden eine Rolle spielt – eine puritanische Sozialidylle von beinahe konservativem Zuschnitt in einer offenbar moralisch deregulierten Welt" (Thomas Koebner, Reclams Sachlexikon des Films, 2002, S.87).



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Zwei Banditen (Butch Cassidy and the Sundance Kid; George Roy Hill, 1969)
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Extrablatt (The Front Page; Billy Wilder, 1974)
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Lethal Weapon 1-4 (Richard Donner, 1987 - 1998)