Das "Museum of Modern Art“ (Kunsten) im dänischen Aalborg zeigt noch bis zum 6. September die Ausstellung "Late Picasso“. Sie präsentiert mehr als 60 Werke aus den 1960er- und 1970er-Jahren und ist die umfangreichste nordische Werkschau von Pablo Picassos Spätwerk seit 40 Jahren. Präsentiert werden rund 50 bis 60 Gemälde und Papierarbeiten aus Picassos letztem Lebensjahrzehnt (ca. 1963–1972). Die Schau beleuchtet eine Phase unbändiger, fast dringlicher Schafenskraft im hohen Alter und thematisiert Motive wie etwa das Altern, Begehren, Liebe und Sterblichkeit mit kraftvollen Farben und breiten Pinselstrichen. Die Spätwerke galten nach dem Tod Picassos 1973 lange Zeit als roh und wurden geflissentlich übersehen. Heute jedoch werden sie als wegweisend gefeiert.
Unter den zur Schau gestelten Arbeiten befinden sich auch mehrere Selbstporträts. Grundsätzlich schuf Picasso nur wenige Werke, die er selbst als Selbstporträts bezeichnete. Für ihn war es eine Selbstverständlichkeit und Grundvoraussetzung, dass sein „inneres Selbst“ in seinem Werk stets präsent war – allein schon durch den Akt der Schöpfung. Zwischen 1964 und 1965 produzierte er jedoch eine Reihe männlicher Porträts, die als Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich gedeutet werden können. Sie sind in unterschiedlichsten Stilen gemalt: von Köpfen, die lediglich durch einfache, farbige Linien angedeutet werden, bis hin zu detaillierteren Darstellungen, die bisweilen an Picassos eigenes Erscheinungsbild erinnern – oder an das blau-weiß gestreifte Bretonen-Shirt, das er häufig trug.
Trotz ihrer erkennbaren Züge wirken die Porträts eher wie emotionale Momentaufnahmen. Zugleich zeugen sie von einem Stil, der im letzten Jahrzehnt von Picassos Leben zunehmend expressiver und kompromissloser wurde. Hier verbinden sich zwei unterschiedliche Malweisen: die eine ist rasch und reduziert, aufgebaut aus einfachen Bildelementen; die andere ist kühn und ausdrucksstark, geprägt durch hastig aufgetragene, dicke und flüssige Farbe. Mit schnellen, entschlossenen Pinselstrichen verwandelte Picasso die Malerei in eine Art Bildsprache, die es ihm ermöglichte, komplexe Emotionen und menschliche Befindlichkeiten zu vermitteln. (Kapi)
Dänemark 9000 Aalborg