18. Dezember 2019 - 5:34 / Ausstellung 
15. November 2019 19. Juli 2020

Sex! Manchmal braucht es wenig, um Hemmungen hervorzurufen. Die Ausstellung zeigt jedoch ein differenzierteres Bild unseres stetigen Wegbegleiters: wie Hemmungen uns prägen, ärgern und schützen. Ein durch und durch menschliches Thema. Die Ausstellung schafft es, Hemmungen direkt erlebbar zu machen und so ein ungewohnt intensives Erlebnis zu kreieren.

Schweissperlen nachmittags bei den Lohnverhandlungen mit der Chefin, feuchte Hände abends an der Bar, wenn ich ein attraktives Gegenüber ansprechen möchte – Hemmungen stehen mir fortlaufend vor dem Glück. Sie verhindern, dass sich mein bestes Ich entfalten kann. Sie verhindern, dass ich reich und berühmt werde. Und sie verhindern, dass ich meinen Traumpartner finde. Hemmungen begleiten uns – quer durchs Leben, ohne dass wir uns das gewünscht haben. Warum kann ich nicht frei über Sex sprechen? Wie viel einfacher wäre es doch, ohne diesen Klotz am Bein! Denken wir an Hemmungen, kommen sofort Gefühle von Ärger und Frustration auf. Nein, ein Freund fürs Leben sind sie den wenigsten.

Doch diesen Mythos bricht Schweinehunde und Spielverderber – Die Ausstellung über Hemmungen auf. Hemmungen, innere Bremse und Baustelle für uns alle, sind kein Problemfall. Plötzlich taucht da auch eine wertvolle Schutzfunktion auf. "In einer Gesellschaft ohne Hemmungen möchte ich nicht leben. Eher früher als später gäbe es Verletzte – und Tote", weiss Ausstellungskurator Ulrich Schenk. Ein Zusammenleben als Gesellschaft ist ohne Hemmungen undenkbar. Und gerade, wenn man denkt, es sei also alles gar nicht so schlimm, steht man in Schweinehunde und Spielverderber selbst auf der Bühne – der Mund wird trocken, die Ohren heiss. Will ich jetzt wirklich ins Scheinwerferlicht stehen und vor einem Publikum auftreten?

Eine Ausstellung als Erlebnis

Das Besondere an dieser Ausstellung ist, dass sie intensive Erlebnisse schafft (Szenografie: Rob & Rose, Zürich). Keine theoretische Abhandlung - die Besuchenden erleben Hemmungen am eigenen Leib und erhalten direkten Einblick in das Leben anderer. Da lauschen wir beispielsweise Aufnahmen von Menschen, die hemmungslos über ihr Sexleben erzählen. Oder stehen vor einem Sammelsurium von Objekten, mit denen wir unseren Körper aufmöbeln. Das berührt und wühlt auf. Vor allem aber zieht es die Besucherinnen und Besucher in den Bann des Themas und führt sie im Handumdrehen zu grossen Fragen des Lebens: Identität, Selbstverwirklichung, meine Beziehung zu anderen Menschen – alles ist tief geprägt von Hemmungen. Hier laufen die Fäden zusammen, von Nacktheit und Sexualität über Hemmungslosigkeit im Internet bis zu Tabuthemen wie Tod und Krankheit. Und so machen wir uns in dieser Ausstellung letztlich auf die Suche nach uns selbst. Und kommen – auch dank einigen nützlichen Bewältigungsstrategien – am Ende sogar etwas entspannter wieder heraus.

Einen Fokus legen die Ausstellungsmacherinnen und Ausstellungsmacher auf die Inklusion. Integriert in die Ausstellung sind Texte in einfacher und Leichter Sprache, die in Zusammenarbeit mit Pro Infirmis verfasst wurden. Das inklusive Angebot macht die Ausstellung auch Personen zugänglich, die mit gängigen Texten Mühe bekunden. Davon profitieren vor allem Menschen mit sprachlichen Beeinträchtigungen oder Migrationshintergrund. Das Museum für Kommunikation in Bern gewann im April dieses Jahres den international renommierten "Council of Europe Museum Prize".

Schweinehunde und Spielverderber – Die Ausstellung über Hemmungen
15. November 2019 bis 19. Juli 2020

Museum für Kommunikation
Helvetiastrasse 16
CH - 3000 Bern

T: 0041 (0)31 357 55 11
F: 0041 (0)31 357 55 99
E: communication@mfk.ch
W: http://www.mfk.ch/

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© digitalemassarbeit
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