KunstVorarlberg präsentiert in der Feldkircher Villa Claudia mit Sabine Morgenstern und Hermann Präg zwei fotografische Positionen.
In der Ausstellung treffen gegensätzliche und parallele Bildproduktionen aufeinander. In den Schwarzweißfotografien kollidiert Naturhaftes mit Konstruiertem, spektakuläre Felsformationen mit glatter Architekturästhetik. Innerhalb dieser Gegensätze finden Auseinandersetzungen mit Grenzen statt. Morgensterns Bildzyklus „bord du mer”, der eine naturhafte Grenze zum endlosen Meer zeigt, trifft auf Prägs geradlinige Horizonte, die den Übergang zu imaginären Räumen darstellen.
Morgensterns Fotografien zeigen die wild zerklüfteten Felsformationen der Alabasterküste in der Normandie. Besonders gewaltige Spuren hinterlassen die Gezeiten in der Gegend um das Fischerdorf Étretat im Nordwesten Frankreichs. Die bis zu 100 Meter hohen Falaises, diese atemberaubenden Felsen, versetzen Morgenstern in einen fotografischen Rauschzustand, der durch das Meeresrauschen im Hintergrund noch verstärkt wird.
Ganz anders wirken die Architekturfragmente in Prägs Fotografien: still, schweigend und zeitlos. Sie stammen aus Berlin, Frankfurt, Paris, Krakau und Wien und zeigen den Kontrast von Materiellem und Imaginärem. Letzteres ist eine Leere, eine Auflösung jeder Erzählung, Definition und Konstruktion. Die Architekturfragmente dienen als Leitsystem ins Außersprachliche, das als anziehendes Vakuum wahrgenommen wird.
Das Aufeinandertreffen von Wasser und Land hat Schriftsteller und Maler seit jeher fasziniert. Eugène Boudin beispielsweise hatte in seiner Malerei neben der Küste der Normandie auch das offene Meer im Visier. Gustave Le Gray gelang es erstmals, die atemberaubende Weite des Meeres in der Normandie mit einem Negativverfahren und Doppelbelichtungen zu fotografieren. Eine Fortsetzung dieser Tradition finden wir beim japanischen Fotografen Hiroshi Sugimoto. Mit seiner Arbeit „Etretat” aus dem Jahr 1989, die ausschließlich den Horizont des Meeres zeigt, vermittelt er die anhaltende Faszination für diesen Ort und taucht gleichzeitig in eine gegenstandslose Meditation ein.
Ob Küste oder Horizont, Morgenstern und Präg verbindet eine Grenzerfahrung, die einem rauschähnlichen Zustand nahekommt.
Schwarz-Weiss
Sabine Morgenstern
Hermann Präg
13. September bis 5. Oktober 2025
Eröffnung: Freitag 12. September 2025, 19 Uhr
Begrüßung: Hanno Metzler, Vizepräsident KunstVorarlberg
Einführung: Erhard Witzel, QuadrART, Dornbirn
Öffnungszeiten:
Fr 16 bis 18 Uhr | Sa 15 bis 18 Uhr
So 10 bis 12 und 15 bis 18 Uhr