Zum Auftakt des 50-jährigen Jubiläums wurde das Programm der ersten Schubertiade rekonstruiert, das Bariton Hermann Prey – der gemeinsam mit Gerd Nachbauer dieses Festival gründete – zusammenstellte. Das hochkarätige Konzert mit Benjamin Lack und dem Kammerchor Feldkirch fand sogar am selben Ort statt. In der Pfarrkirche St. Karl Hohenems.
Mit fünf Liederabenden, zwei Kammerkonzerten, einem Klavierabend sowie diesem Chorkonzert entspricht die Reihenfolge genau jenem „Strauß berühmter und bekannter Werke Schuberts“ mit dem die Schubertiade Hohenems 1976 erstmals der Öffentlichkeit „ein Festival für Franz Schubert“ präsentierte, um ihm den gebührenden Platz neben Mozart und Beethoven einzuräumen. Am Programm stand Franz Schuberts geistliche Chormusik, chronologisch vom Kyrie in B-Dur des erst Sechzehnjährigen, über das Deutsche Requiem und den selten zu hörenden Sechs Antiphonen zum Palmsonntag, bis zu den Highlights aus den letzten beiden Lebensjahren des Komponisten, wie dem 92. Psalm für Bariton-Solo und gemischten Chor, gesungen in hebräischer Sprache.
Schubert hat dieses Stück vermutlich für Salomon Sulzer geschrieben, den berühmten Kantor der Wiener jüdischen Gemeinde, der 1804 in Hohenems geboren wurde. Er sang das Werk jedenfalls 24jährig bei der Uraufführung. Über seine Qualitäten war in der Neuen Freien Presse 1866 zu lesen: „Die Mächtigkeit der Stimme in Sulzer´s bester Zeit war so gewaltig, daß, wenn man sich nahe im Bereich des Stromes derselben befand, man auch die physische Wirkung derselben fühlte.“ Selbstverständlich übernahm Hermann Prey 1976 diesen Part und im Programmheft stand: „Der Psalm ist genau nach Schuberts Art geschrieben: ein Wechsel von Tutti und Soli zu Beginn – so als stünden einander Prieser und Gemeinde gegenüber …“. Seinen Vorgängern wurde der stimmgewaltige Bariton Konstantin Krimmel gewiss gerecht, und er war nicht nur mit diesem kurzen, sehr bewegenden Psalm, sondern auch in einem bejubelten Liederabend in Hohenems zu hören.
Die bekannte Deutsche Messe – aus der Gloria, Sanctus etc. im geläufigen Repertoire von Gottesdiensten zu finden ist – bildete den Abschluss, und die 15 Musiker:innen des Symphonieorchesters Vorarlberg erweiterten den Wohlklang mit Bläsern, Pauken und Kontrabass. Ein solch konditionell forderndes Programm mit unablässig folgenden kurzen Stücken wie vor 50 Jahren würde man heute wohl nicht mehr zusammenstellen. Chapeau dem Feldkircher Kammerchor und Benjamin Lack, die so ausführlich und hörbar an Klang und Textverständlichkeit gearbeitet haben. Ein etwas anstrengender, dennoch wunderbarer Konzertabend. Franz Schubert lebe hoch!
Schubertiade Chorkonzert
Pfarrkirche St. Karl, Hohenems
Kammerchor Feldkirch
Konstantin Krimmel, Bariton
Mitglieder des Symphonieorchesters Vorarlberg
Johannes Hämmerle, Orgel
Leitung: Benjamin Lack