Schnittpunkte – Marxx Bosch, Miriam Boztepe-Rhomberg und Tuncay Boztepe

Werner Marxx Bosch, Miriam Boztepe-Rhomberg und Tuncay Boztepe kennen sich bereits seit den 1980er Jahren, als sie gemeinsam an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien studiert hatten. Jetzt, rund vierzig Jahre später, sind sie erstmals in einer gemeinsamen Ausstellung vertreten. Ob und welche Schnittpunkte es im Schaffen der drei gibt, kann man ab 3. Oktober in der Lustenauer Galerie Villa Marxx nachprüfen, wo die Schau anlässlich der Langen Nacht der Museen eröffnet wird und von 18.00 bis 24.00 Uhr geöffnet hat.

Die 1964 in Lustenau geborene und heute in Wien und Bezau lebende Künstlerin Miriam Boztepe-Rhomberg arbeitet primär in den Bereichen der textilen Kunst, der Objektkunst sowie in den digitalen Medien. Bekannt ist sie vor allem für ihre feinen textilen Arbeiten. Für diese nutzt sie selbst eingefärbte Baumwollstoffe in reduzierter Farbgebung. Gerade Linien und Übergänge spielen hier eine wesentliche Rolle. Applikationen aus Seide, Leinen und anderen Stoffen näht sie von Hand, und mit den damit einhergehenden Unregelmäßigkeiten bricht sie die formale Strenge und geometrischen Reduktionen auf, wodurch ihre Werke einen teils organischen Charakter erhalten. Neben solchen Werkbeispielen präsentiert Boztepe-Rhomberg in der Galerie Villa Marxx auch Stickereien, für die Motive aus ihrem persönlichen Umfeld den inhaltlichen Ausgangspunkt darstellen. Sujets können etwa Landschaftsausschnitte oder auch Buchstaben, die auf Monogramme verweisen, sein. Die Künstlerin jongliert in gewissem Sinne mit heimatlichen Versatzstücken und Erinnerungsräumen und experimentiert solcherart handwerklich mit Text, Dinglichkeit und Orten des Alltäglichen.

Tuncay Boztepe, Jahrgang 1960, zeigt zum einen neuere Arbeiten, bei denen unterschiedliche Medientechniken miteinander verschmelzen. Ausgangspunkt für die Werke sind fotografische Selbstporträts. Es sind Aufnahmen von Wasseroberflächen, auf denen sich sein eigener Schatten spiegelt. Die Fotografien werden am Computer überarbeitet und anschließend auf Transparentfolie gedruckt. In einem weiteren Arbeitsschritt überlagert er diese Schattenporträts mit Transparentpapier, das er mit figurativen Elementen überzeichnet, die teils an seine eigene Persönlichkeit erinnern. Der aus dem türkischen Akyazi stammende Künstler zu seinen Arbeiten: „Die visuelle Essenz der Bildobjekte basiert auf einem Wechselspiel aus Transparenz, Fragilität und struktureller Dichte. Durch das bewusste Schichten von Bildelementen und den Einsatz von transparenten Schleiern entsteht ein virtueller Raum. Innerhalb dieser scheinbaren Schwerelosigkeit verorten sich konkrete, feine, zeichnerische Fragmente, die sich im Zustand des Auflösens oder des Entstehens zu befinden scheinen. Sie holen den Blick des Betrachters in eine haptische, reale Dimension zurück.“

Diesen Mixed-Media-Collagen gegenübergestellt sind Gemälde aus den 1990er Jahren, in denen ornamentale Ordnungen und deren Ableitungen aus der Natur offenkundig werden.

Resümierend lässt sich sagen, dass es Boztepe in seinem Schaffen immer wieder um die Auslotung von digitalen und analogen Medien geht. Wobei bei den neueren Arbeiten das Zeichnerische eine zusehends stärkere Betonung erfährt.

Werner Marxx Bosch richtet sein Augenmerk in der jüngeren Vergangenheit verstärkt Objekte, die er mittels 3D-Druck realisiert. Er entwickelt 3D-Multiples, die in direktem Kontext zur Zeitgeschichte, respektive zu aktuellen gesellschaftspolitischen Abläufen, stehen. Auch Motive aus der Kunstgeschichte werden vom Künstler immer wieder zitiert. Das Multiple „E.V.O.L.“ zum Beispiel, das eine Hand ohne Mittelfinger zeigt, ist eine Persiflage auf die von Maurizio Cattelan geschaffene Skulptur „L.O.V.E.“. Diese zeigt eine menschliche Hand aus weißem Carrara-Marmor, bei der alle Finger bis auf den Mittelfinger abgebrochen sind. Der Name ist ein Akronym für die italienischen Wörter Libertà, Odio, Vendetta, Eternità (Freiheit, Hass, Rache, Ewigkeit) und hat, im Unterschied etwa zu der von Robert Indiana 1970 geschaffenen Arbeit „LOVE“, also nichts mit Liebe zu tun. Der ausgestreckte Mittelfinger ist ein „Stinkefinger“, der sich direkt an das Banken- und Finanzzentrum und damit gegen den Kapitalismus richtet. Zudem hat sie eine historische Komponente: Die Hand ähnelt dem faschistischen „römischen Gruß“ der Mussolini-Ära.

Andererseits setzt sich Max Bosch weiterhin mit den Möglichkeiten digitaler Malerei auseinander. Dabei verbannt er jegliche formale Konstellationen, die auf Gegenstände hinweisen könnten, von der Leinwand. Der reine Sehprozess steht im Mittelpunkt seiner experimentellen Malerei. Farbe, Form, Struktur und reines Sehen ohne Ablenkung symbolischer Formkonstellationen im Bild sind Gegenstand der Bildkonstruktionen. Ihm gehe es nicht zuletzt um die Befreiung der Malerei von allen symbolischen, politischen oder literarischen Inhalten, sagt der Künstler. Basis seiner digitalen Muster und Farbräume sind vielfach algorithmisch erzeugte Fraktale.

Marxx Bosch, Miriam Boztepe-Rhomberg, Tuncay Boztepe
Malerei, Multiples, Mixed Media, Textiles
03.10.2026 - 03.01.2027
Eröffnung: 03.10., 20.00 Uhr. Worte: Karlheinz Pichler
Fr. u. Sa. 14-18