Schlatter mal vier in der MAP Kellergalerie

In ihrer aktuellen Ausstellung gibt die MAP Kellergalerie in Schruns unter dem Titel "Eine Familienaus(f)stellung" derzeit Einblicke in die künstlerischen Positionen der miteinander verbrüderten Dietmar, Helmut und Manfred Schlatter sowie Sarah Schlatter, der Tochter von Helmut Schlatter. Zwar erfahren die vier Statements laut Kurator Bruno Winkler in der Galerie eine bewusste räumliche Trennung, "verweisen aber hinsichtlich einer spezifischen familiären Sozialisation auch auf einen inneren Zusammenhang. So steht jede gestalterische Position in hochgradiger Eigenständigkeit für sich, steht aber vor einer erzählerischen Hintergrundfolie, die eine imaginäre Klammer bildet.“

Daher habe er auch keinen durchgehenden inhaltlichen oder gestalterischen Leitfaden vorgegeben. Das brauche es nicht, so der Kurator. Das einzig Verbindende sei der familiäre Zusammenhang. 

Die erste Position in der MAP Kellergalerie ist den Malereien, Aktzeichnungen und Objekten von Helmut Schlatter gewidmet, der vor allem durch den Betrieb des Kulturanbieters Artenne in Nenzing weithin bekannt wurde. Aus zeitlichen Gründen unterlag sein künstlerisches Tun in den vergangenen dreissig Jahren grossen Intensitätsschwankungen. Als er etwa 1996 von der Schule ins Jüdische Museum Hohenems wechselte, fand er kaum noch Zeit zum Malen und Zeichnen. Andererseits sei die kuratorische Tätigkeit in der Artenne ab 2008 von Jahr zu Jahr aufwendiger geworden, sodass im eigentlichen Sinne keine Werkphasen mehr entstanden seien. Er, der 1957 in Bludenz das Licht der Welt erblickte, sehe die Ausstellung in Schruns vor allem als Fenster in seine künstlerische Tätigkeit der letzten 45 Jahre.

So zeigt er etwa Aktzeichnungen, die 1981 und 1987 entstanden sind, als er Aktzeichenkurse bei den Hohenemser Segmenten unter der Leitung des Angewandten-Professors Josip Kaiser und Erich Smodic und später im Bregenzer Atelier von Edgar Leissing mit Walter Kühny, Manfred Egender, Lisi Hämmerle und anderen besuchte. 2024 und 2025 knüpfte er bei der Aktgruppe um Barbara Husar wieder daran an. Mehrere Arbeiten sind auch in der Auseinandersetzung mit der Atomkraftwerk-Katastrophe Tschernobyl (1986) entstanden. Über den Kunstraum Dornbirn lernte er damals auch Dietmar Fend als Lehrmeister schätzen. Aus dieser Zeit sind zwei Landschaftsbilder in Eitempera und Öl der Ausstellung präsent. 

Die fotografische Laufbahn des 1960 in Bludenz geborenen Manfred Schlatter begann 1977, als er sich von seinem ersten Lohn bei der Sparkasse eine analoge Kleinbild-Spiegelreflexkamera kaufte. Über Fotokurse bei Andreas Weidner fand er Mitte der 1990er Jahre zur Großformatfotografie. Er erwarb in der Folge eine 8×10-Zoll-Laufbodenkamera und richtete sich eine eigene Dunkelkammer ein. Bis etwa 2011 habe er seine Fotografien ausschließlich selbst entwickelt und vergrössert, so Manfred Schlatter. Seit 2011 arbeitet er zusätzlich mit digitaler Fototechnik, was ihm insbesondere auf Reisen und Wanderungen neue fotografische Möglichkeiten eröffne. Zentraler Aspekt seiner Arbeit ist die Fokussierung auf Schwarz-Weiß-Fotografie. Inhaltlich widmet er sich mit der Kamera vor allem Landschaften, der Architektur und der Darstellung von Menschen.
Manfred Schlatter zeigt nun in einem eigenen Raum eine Serie seiner „Streetphotographien“, die auf seinen zahlreichen Reisen entstanden sind, etwa nach New York, Sizilien, Portugal oder auch nach Wien und eine Hinwendung zu einer beobachtenden, reduzierten Fotografie markieren. 

Sarah Schlatter, Jahrgang 1982, gibt im Rahmen der „Aus(f)stellung“ in Form einer Art digitaler Collage Einblicke in ihre inhaltliche und formale Arbeitsweise und präsentiert auf komprimierte Art Fotografien, Filme, Installationen, Texte, Publikationen und Szenografien. Im Zentrum des Schaffens von Sarah Schlatter, die auch als Hochschullehrerin, Fachbereich Gestaltung, an der Fachhochschule Vorarlberg tätig ist, steht die Wahrnehmung und Kontextualisierung von Zeitgeschichte, die Verwendung von Archiven und der Diskurs um soziokulturellen Umbrüche in der Stadt- und Regionalentwicklung. Die Künstlerin zu ihrer visuell forschenden Vorgehensmethodik: „Ich untersuche, was ich sehe, und visualisiere, um zu erzählen“. Mit den Ausstellungen „HIER. Gedächtnisorte in Vorarlberg 39–45“ im Jüdischen Museum Hohenems und mit den Ausstellungen „Anschlüsse“ 2017 in der Galerie Hollenstein (jetzt Dock 20) und „Trauma Au“ 2023 im Dock 20 hat die Künstlerin und Lehrende wesentliche Beiträge zur Aufarbeitung von Zeitgeschichte in Vorarlberg beigetragen. 

Dietmar Schlatter, der 1963 in Bludenz geboren wurde und beruflich derzeit an der Mittelschule Schruns-Grüt unterrichtet, ist sozusagen ein Allrounder. Er malt, zeichnet, fabriziert Scherenschnitte, verfasst Bücher, führt des Öfteren Regie bei der Theatergruppe „Treff.Theater Schruns-Tschagguns“ und musiziert. Viele seiner kreativen Tätigkeiten passieren zu Hause im stillen Kämmerlein, weshalb er seinen Beitrag denn auch als „Stubenhockerarbeiten“ bezeichnet. Er richtet seinen Raum in der MAP Kellergalerie gleichsam wie eine Stube ein, in der die Besucher:innen in seinen Texten lesen, Musik hören und seine bildnerischen Werke betrachten können. 


SCHLATTER Sarah, Helmut, Manfred, Dietmar
Eine Familienaus(f)stellung
MAP Kellergalerie, Schruns
Bis 3.5.
Fr, Sa, Sa 17-19
https://www.map-kellergalerie.at