Die österreichische Kammerschauspielerin und Regisseurin Erni Mangold ist am 5. September 2026 im Alter von 99 Jahren in Wien verstorben. Über sieben Jahrzehnte hinweg prägte sie die deutschsprachige Theater- und Filmlandschaft als eine der profiliertesten Charakterdarstellerinnen der Nachkriegszeit.
Geboren am 26. Jänner 1927 im niederösterreichischen Großweikersdorf als Ernestine Goldmann, absolvierte sie ihre Ausbildung an der Wiener Schauspielschule Krauss. Bereits 1946 folgte ihr Debüt am Wiener Theater in der Josefstadt, dem sie bis 1955 als Ensemblemitglied angehörte. In den darauffolgenden Jahrzehnten spielte Mangold an bedeutenden Bühnen im gesamten deutschsprachigen Raum. Unter der Direktion von Gustaf Gründgens war sie von 1956 bis 1963 am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg engagiert, gefolgt von einer Station am Düsseldorfer Schauspielhaus unter Karlheinz Stroux.
Nach ihrer Rückkehr nach Österreich widmete sich Mangold vermehrt auch der freien Szene und dem alternativen Theater. Bleibende Verdienste erwarb sie sich unter anderem als Entdeckerin des Dramatikers Werner Schwab, in dessen legendärer Uraufführung von "Die Präsidentinnen" sie 1990 am Künstlerhaus-Theater mitwirkte. Ihr breites Repertoire spannte sich von klassischen Rollen – wie der Marthe Schwerdtlein in Goethes "Faust" – bis hin zu zeitgenössischen Inszenierungen und Stücken von Elfriede Jelinek. Für ihre Darstellung im Volkstheater wurde sie 2005 mit dem Nestroy-Theaterpreis ausgezeichnet.
Neben ihrer Bühnentätigkeit war Mangold in weit über 100 Film- und Fernsehproduktionen zu sehen. Ihre Bandbreite reichte von frühen Nachkriegsfilmen wie "Der Engel mit der Posaune" (1948) über internationale Kinoproduktionen wie Richard Linklaters "Before Sunrise" (1995) bis hin zu vielbeachteten Hauptrollen im Spätwerk, darunter das Drama "Anfang 80" (2011) und "Der letzte Tanz" (2014), wofür sie den Österreichischen Filmpreis erhielt.
Als ordentliche Hochschulprofessorin gab sie ihr Wissen von 1984 bis 1995 an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (Max Reinhardt Seminar) an nachfolgende Generationen weiter.
Mangold galt zeitlebens als eine Künstlerin von kompromissloser Haltung, die sich sowohl in ihrer darstellerischen Präsenz als auch in ihren autobiografischen Publikationen durch Direktheit und Unabhängigkeit auszeichnete. Erst im Jahr 2017 verabschiedete sie sich im Alter von 90 Jahren offiziell von der Theaterbühne. Mit ihrem Tod verliert die österreichische Kulturlandschaft eine ihrer prägendsten und wandlungsfähigsten Persönlichkeiten.