Einer der Schätze des Kunstmuseums Bern ist der bedeutende Bestand an älteren Kunstwerken. Mit der Ausstellung „Das volle Leben. Alte Meister von Duccio bis Liotard” rückt das Kunstmuseum Bern diesen Teil seiner Sammlung ins Zentrum.
Zu sehen sind neben Meistern der Frühen Neuzeit Werke der Florentiner und Sieneser Malerei des Tre- und Quattrocento sowie barocke Meisterwerke. Eine Ausstellung, die das Leben in seiner ganzen Spannbreite widerspiegelt: Martyrium trifft auf Selbstdarstellung, Askese auf Opulenz, Moral auf Wollust.
Kunstvolle Altartafeln von Niklaus Manuel und den Berner Nelkenmeistern stehen intimen Andachtsbildern der mittelalterlichen Florentiner und Sieneser Malerei des 13. bis 15. Jahrhunderts gegenüber. Vornehme Porträts und üppige Stillleben von Joseph Heintz, Johannes Dünz, Albrecht Kauw oder Jean-Etienne Liotard ergänzen die Ausstellung. Joseph Werners allegorische Darstellungen von Tugend, Gerechtigkeit und Heilkunst treffen auf dramatische Erzählungen aus der griechischen Mythologie. Mit rund 70 Gemälden und einigen Arbeiten auf Pergament zeichnet die Ausstellung ein eindrückliches Bild der kontrastreichen und vielfältigen Motivwelt vom Spätmittelalter bis zum Barock.
Die in der Schau präsentierten Werke umfassen Arbeiten aus dem 13. bis 18. Jahrhundert, darunter Duccio di Buoninsegnas „Maestà”, das älteste Gemälde der Sammlung des Kunstmuseums Bern. Dazu kommen wichtige Bestände von Berner Künstlern, aber auch einige Positionen aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden. Einen Schwerpunkt bilden die kunstvollen Altartafeln der zwischen 1480 und 1510 tätigen Berner Nelkenmeister sowie der bedeutende Bestand an Werken des um 1484 geborenen Niklaus Manuel. Ihm, der nicht nur Maler, Dichter und Grafiker, sondern auch Reformator, Reisläufer und Ratsherr der Stadt Bern war, sowie den Berner Nelkenmeistern ist der Hauptsaal der Ausstellung gewidmet. Zahlreiche, teilweise freistehend präsentierte Altartafeln zeigen aufwendige und detailreiche Szenen aus dem Leben von Heiligen und laden zur vertieften Auseinandersetzung ein.
Bern gehörte im Barock zu den mächtigen Stadtstaaten und zumindest die wohlhabendere Bevölkerung genoss Jahrzehnte lang wirtschaftlichen Wohlstand. Opulente Stillleben, in denen unter anderem die reichen Erträge der Landgüter zur Schau gestellt wurden, sowie eine umfassende Auswahl repräsentativer Porträts spiegeln diese „material culture” und die Üppigkeit des bürgerlichen Lebens wider.
Gleichzeitig wurden in der Malerei auch Konzepte einer guten und tugendhaften Lebensführung verhandelt. Davon zeugen unter anderem allegorische Gemälde von Joseph Werner und die berühmte Berner Kebes-Tafel von Joseph Plepp. Das über drei Meter breite und mit rund 200 Figuren besetzte monumentale Gemälde zeigt die Irrungen und Wirrungen des Menschen auf seinem Weg zum Heil.
Ein besonderes Highlight der Ausstellung ist eine Auswahl von Werken aus dem Legat des Künstlers Adolf von Stürler (1802–1881). Der Maler vermachte dem Kunstmuseum Bern knapp 170 Werke, die im Jahr 1902 in die Sammlung aufgenommen wurden. Darunter befinden sich Arbeiten italienischer Meister des Tre- und Quattrocento aus Florenz und Siena wie Bernardo Daddi, Fra Angelico und aus der Werkstatt von Sandro Botticelli. Sie sind in der Schweiz einzigartig und gehören zu den ältesten und wertvollsten Gemälden der Sammlung des Kunstmuseums Bern. Teil des Bestands ist auch die ebenso kostbare wie berühmte „Maestà” von Duccio di Buoninsegna. Sie ist neben weiteren Altarretabeln und Fragmenten in einem Kabinett der Ausstellung zu sehen.
Den Kontrapunkt zu den zahlreichen biblischen Szenen bilden in einem weiteren Kabinett mythologische Darstellungen von Berner, französischen und niederländischen Künstlern. Die kleine, aber feine Auswahl zeigt die Schicksale griechischer Götter und Nymphen vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Als Besonderheit werden dort zudem Miniaturen von Joseph Werner präsentiert. Die kleinen, sehr filigranen Werke auf Pergament sind aufgrund ihrer Lichtempfindlichkeit nur selten ausgestellt.
Das volle Leben. Alte Meister von Duccio bis Liotard
bis 27.09.2026