Die Entwicklung und Erweiterung des Skulpturbegriffs seit 1945 ist Thema einer umfassenden Ausstellung im Museum Liaunig.
Kuratorin Alexandra Schantl stellt dabei die Frage in den Mittelpunkt, was Skulptur heute bedeutet, nachdem sich der Begriff seit den 1960er-Jahren grundlegend gewandelt hat. Bereits seit den Readymades von Marcel Duchamp und den theoretischen Überlegungen von Rosalind E. Krauss gilt Skulptur als ein offenes Feld, das längst nicht mehr nur klassische dreidimensionale Objekte, sondern unterschiedlichste Materialien, Medien und Ausdrucksformen umfasst.
Die Ausstellung nähert sich diesem erweiterten Verständnis von Skulptur aus einer entwicklungsgeschichtlichen Perspektive und zeigt über 200 Werke von rund 100 Künstler:innen, darunter Skulpturen, Plastiken und Objekte, aber auch Flächenkünste, insbesondere Zeichnungen. Den Auftakt bilden zentrale Vertreter der österreichischen Skulptur nach 1945, darunter Fritz Wotruba und Künstler:innen aus seinem Umfeld, die sich intensiv mit der menschlichen Figur auseinandersetzten. Ergänzt wird dieser Fokus in der nordseitigen Hälfte der Halle durch Arbeiten, die das Figurative erweitern, hinterfragen oder ganz neue formale Wege einschlagen.
Im weiteren Verlauf treten prägende Einzelpositionen und innovative Ansätze in den Dialog: von körperbezogenen Arbeiten und partizipativen Konzepten bis hin zu skulpturalen Denkmodellen. Auch die Schnittstellen zu Architektur, Performance und Fotografie werden ausgelotet, wodurch die Vielschichtigkeit des Begriffs deutlich wird. Der südseitige Teil der Ausstellung widmet sich verstärkt dem Material und der Auflösung klassischer Gattungsgrenzen. Sprache wird in den Raum übertragen, textile Arbeiten eröffnen neue Perspektiven auf Alltagsmaterialien und Papier, Holz sowie industrielle Werkstoffe werden auf überraschende Weise transformiert. Dabei entstehen Werke, die sich zwischen Skulptur, Malerei und Zeichnung bewegen oder diese Kategorien bewusst unterlaufen.
Im abschließenden Abschnitt rückt das Immaterielle in den Fokus: Linien, Schatten, Spiegelungen und Leerstellen definieren hier das Skulpturale neu und verweisen auf dessen illusionistisches und konzeptuelles Potenzial.
Die Ausstellung „(K)ein Begriff“ zeigt eindrucksvoll die Bandbreite und Offenheit eines künstlerischen Begriffs, der sich kontinuierlich erweitert und sich zugleich einer eindeutigen Definition entzieht.
Gezeigt werden Arbeiten der folgenden Künstler:innen: Joannis Avramidis, ONA B. (Susanne Kibler), Alfredo Barsuglia, Josef Bauer, Wolfgang Becksteiner, Wander Bertoni, Canan Dagdelen, Willi Dorner, Otto Eder, Lorenz Estermann, Gerda Fassel, Judith Fegerl, Johann Feilacher, Jenny Feldmann, Tone Fink, Judith P. Fischer, Herbert Flois, Andreas Fogarasi, Padhi Frieberger, Heinz Gappmayr, Bruno Gironcoli, Roland Göschl, Herbert Golser, Dorothee Golz, Birke Gorm, Franz Graf, Helmuth Gsöllpointner, Alfred Haberpointner, Heidi Harsieber, Fritz Hartlauer, Julia Haugeneder, Julie Hayward, Katharina Heinrich, Rudolf Hoferlehner, Gerhard Kaiser, Michael Kienzer, Katharina Kleibel, Cornelius Kolig, Arthur Kostner, Hubert Kostner, Eric Kressnig, Hans Kupelwieser,Maria Lassnig, Marianne Maderna, Manfred Makra, Valerie Messini, Damjan Minovski, Gerhardt Moswitzer, Matt Mullican, Oswald Oberhuber, Franz Xaver Ölzant, Fritz Panzer, Helga Philipp, Franz Pichler, Walter Pichler, Josef Pillhofer, Klaus Pinter, Ingeborg G. Pluhar, Karl Prantl, Hannes Priesch, Claus Prokop, Lisa Rastl, Christiane Reiter, Erwin Reiter, Werner Reiterer, Frenzi Rigling, Meina Schellander, Eva Schlegel, Walter Schmögner, Manfred Schu, Fabian Seiz, Zbyněk Sekal, Steinbrener/Dempf & Huber, Fritz Steinkellner, Oswald Stimm, Erwin Thorn, Jochen Traar, Andreas Urteil, Walter Vopava, Manfred Wakolbinger, Paul Wallach, Uta Weber, Walter Weer, Lois Weinberger, Clemens Weiss, Franz West, Markus Wilfling, Fritz Wotruba, Reimo Wukounig, Erwin Wurm, Regina Zachhalmel, Tilmann Zahn und Leo Zogmayer.
(K)ein Begriff. Skulpturales aus der Sammlung Liaunig
bis 31. Oktober 2026