Salzburg Museum restituiert Rundschild

Seit 2011 betreibt das Museum systematische Provenienzforschung in Bezug auf seine Sammlungen, recherchiert die Erben bzw. Rechtsnachfolger der rechtmäßigen Eigentümer von Objekten, die während der NS-Herrschaft in die Sammlung gelangten, und organisiert deren Naturalrestitution. Für Objekte aus den Sammlungen Bondy, Rothschild, Pollak und Taussig konnte dies bereits erfolgreich umgesetzt werden. Darüber hinaus setzt sich das Salzburg Museum auch in Ausstellungsprojekten kontinuierlich mit der Geschichte und dem Gebaren des eigenen Hauses während der NS-Zeit auseinander, etwa in der Sonderausstellung „Anschluss, Krieg und Trümmer“ (2018) und zuletzt mit „The Museum of (Non)Restitution“ als Gastspiel im Salzburger Kunstverein.

Nach mehrjähriger intensiver Recherche konnte nun die Herkunft eines kunstvoll verarbeiteten Rundschilds eindeutig der Sammlung Louis Rothschild zugeordnet und an eine Vertrauensperson der Erb:innen übergeben werden. Der vermutlich um 1600 in Oberitalien gefertigte Rundschild konnte anhand der aus der NS-Zeit stammenden Etiketten mit den Aufschriften „LR 673” und „156-40”, die 1941 im Salzburg Museum aufgeklebt wurden, im Abgleich mit hauseigenen und externen Archivalien (z. B. des Bundesdenkmalamts) eindeutig als gesuchtes Objekt aus der entzogenen Sammlung Louis Rothschild identifiziert werden. Am 28. Mai 2019 beschloss das Kuratorium des Salzburg Museums auf Basis des hausinternen Dossiers die Einleitung der Naturalrestitution. Die Suche und Feststellung der Rechtsnachfolger:innen von Louis Rothschild erfolgte auf Ersuchen des Salzburg Museums dankenswerterweise durch die Kommission für Provenienzforschung und die Finanzprokuratur der Republik Österreich. Vor wenigen Tagen konnte nun die physische Restitution des Rundschilds erfolgen.

Der Bankier, Unternehmer und bedeutende Kunstsammler Louis Rothschild (geboren am 5. März 1882 in Wien, gestorben am 15. Januar 1955 in Montego Bay, Jamaika) wurde als Jude während der NS-Zeit verfolgt und enteignet. Die Gestapo verhaftete ihn am 12. März 1938, dem Tag der nationalsozialistischen Machtübernahme in Österreich. Sein Besitz und sein Vermögen wurden eingezogen und seine Kunstsammlung stellte Hitler mittels des sogenannten „Führervorbehalts“ unter seine persönliche Kontrolle. Die Zentralstelle für Denkmalschutz verwaltete einen Großteil der „arisierten“ Kunstsammlungen, so auch die meisten Objekte der Sammlung Rothschild, die mit fortlaufenden Inventarnummern versehen wurden. Der Rundschild erhielt die Nummer LR 673, die auch auf einem bis heute erhaltenen Etikett auf der Rückseite des Schilds vermerkt wurde.

Das Salzburg Museum (damals Städtisches Museum Salzburg) erhielt den Schild im Januar 1941 auf Anfrage als „Führerspende“, inventarisierte ihn mit der Nummer 156-40 und dem Vermerk „aus der beschlagnahmten Sammlung L. Rothschild in Wien Nr. 673, als Geschenk des Führers“.