16. Februar 2020 - 17:25 / Ausstellung / Malerei  / Reminder
16. Februar 2020 16. August 2020

Im Obergeschoss des Neubaus zeigt das Arp Museum Bahnhof Rolandseck hochkarätige und internationale Leihgaben von Werken der beiden Künstler Salvador Dalí und Hans Arp. In dialogischer Präsentation werden charakteristische Werkgruppen zu den Themen "Objekt", "Schnurrbart", "Körper", "Genie", "Form", "Bureau surréaliste" und "Sprache" gebildet. Sie zeigen, wie sehr sich Dalí und Arp in ihrer Formensprache ähneln. Das kuratorische Konzept verfolgt zugleich die beiden Künstlerpersönlichkeiten, ihre Rolle im Surrealismus und die Überschneidung ihrer Biografien.

Hans Arps und Salvador Dalís Wege kreuzen sich 1929 in Paris, als Dalí in den Künstlerkreis der Surrealisten aufgenommen wird. Zu diesem Zeitpunkt ist Arp bereits etabliertes Mitglied der surrealistischen Bewegung um André Breton. Hans Arp, der sich zuvor als einer der führenden kreativen Köpfe des Dadaismus in verschiedensten Techniken des Zufalls und der Intuition ausprobierte, konnte sich schnell mit den Ideen des Surrealismus identifizieren. Seine Texte und Werke werden in den wichtigsten Publikationen des Surrealismus abgedruckt und Arps Reliefs für ihre objektsprachliche Neuartigkeit gefeiert. Dalí ist daher schon vor 1929 mit dem Werk von Hans Arp bekannt und wesentlich von diesem Pionier der abstrakten Kunst beeinflusst. Davon zeugen Gemälde Dalís wie die "Spektralkuh" aus dem Jahr 1928, die eindeutige Bezüge auf die biomorph- organischen Strukturen von Hans Arps Reliefs erkennen lassen.

In der Ausstellung treffen spektakuläre Arbeiten Salvador Dalís wie u. a. "Traum verursacht durch den Flug einer Biene um einen Granatapfel vor dem Erwachen" (1944) oder auch "Die Metamorphose des Narziss" (1937) mit bisher nur selten gezeigten surrealistischen Holzreliefs von Hans Arp wie zum Beispiel "Blatt einer Frau" (1935) oder Bronzen wie "Die kleine Sphinx" (1942) aufeinander.

Die Begegnung der ausgestellten Werke verdeutlicht, wie sehr Dalís Arbeiten um 1928 von abstrakt-organischen Formen geprägt sind, die ähnlich wuchern, wachsen und sich wandeln, wie es für die Kunst Hans Arps typisch ist. Die weich fließenden und organischen Strukturen der Arpʼschen Skulptur scheinen geradewegs einem Gemälde Dalís zu entspringen und andersherum. Auch die Lyrik Arps bildet eine weitere Schnittmenge mit einigen von Dalís Werken. Dabei werden zahlreiche Entsprechungen ihrer unbewussten Vorstellungswelten und verrätselten Visionen anschaulich. Dieses surrealistische Vokabular ist bei Dalí bildlich und bei Arp schriftlich in seiner Dichtkunst bis ins Spätwerk nachzuvollziehen.

Wie für den Surrealismus typisch, finden wir sowohl bei Dalí als auch bei Arp traumartige und unerklärliche Bilder und Sequenzen: Uhren zerfließen oder haben Schnurrbärte, Körper haben Schubladen und Telefonhörer werden zu Hummern. Angelehnt an den Pavillon "Dream of Venus" – den Dalí für die Weltausstellung in New York 1939 entwarf – bietet sich im Kabinett die Möglichkeit in eines der ersten Environments der Kunstgeschichte einzutauchen und damit auch in die surreale Welt Salvador Dalís. Für die richtige Atmosphäre sorgt dabei vor allem die Aufnahme des Originaltons aus eben diesem Pavillon, der mit aufwändigen Kulissen und bizarr gekleideten Akteurinnen und Akteuren inszeniert war. Zum allerersten Mal seit jener Zeit ist die verführerische Stimme der "Venus" und der Chor ihrer VerehrerInnen nun wieder zu hören.

Trotz der vielen Parallelen in den Werken der beiden Künstler verfolgen sie dennoch ihre eigenen Wege innerhalb des Surrealismus. So ist Salvador Dalí mit seinem akademischen Pinselstrich einer der wichtigsten Vertreter des veristischen Surrealismus, während Hans Arp mit seiner organischen Formensprache für den abstrakten Surrealismus steht.

Salvador Dalí und Hans Arp
Die Geburt der Erinnerung
16. Februar bis 16. August 2020

Arp Museum Bahnhof Rolandseck
Hans-Arp-Allee 1
D - 53424 Remagen

T: 0049 (0)2228 9425-12
F: 0049 (0)2228 9425-21
E: info@arpmuseum.org
W: http://www.arpmuseum.org/

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  •  16. Februar 2020 16. August 2020 /
Der Traum der Venus, Salvador Dalí, 1939, Hiroshima Prefectural Art Museum © Fundació Gala-Salvador Dalí, Figueres/ VG Bild-Kunst, Bonn 2020
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Traum verursacht durch den Flug einer Biene um einen Granatapfel vor dem Erwachen, Salvador Dalí, 1944, Museo Nacional Thyssen-Bornemisza, Madrid © Fundació Gala-Salvador Dalí, Figueres/ VG Bild-Kunst, Bonn 2020
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Blatt einer Frau, Hans Arp, 1935 Kunstmuseum Bonn, Leihgabe der Professor Dr. med. Wilfried und Gisela Fitting Stiftung © VG Bild-Kunst, Bonn 2020
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Hans Arp mit Nabelmonokel, Unbekannter Fotograf, 1926 © VG Bild-Kunst, Bonn 2020
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