6. Mai 2019 - 7:07 / Tobias Chromy / Musik 

Für die im Oktober 2019 stattfindenden "Donaueschinger Musiktage" werden derzeit noch Klavierstücke gesucht. Die Einreichfrist ist noch bis 31. Mai offen. Evaluiert werden die eingereichten Stücke von einer eigens hierfür entwickelten AI-Software (Artificial Intelligence).

Wie jedes Jahr zum dritten Oktoberwochenende finden die "Donaueschinger Musiktage" dieses Jahr zwischen dem 18. und 20. Oktober statt. Wer selbst Lieder, Stücke oder Kompositionen auf dem Klavier schreibt, kann an dieser Stelle hellhörig werden: gesucht werden noch instrumentale Stücke mit einer maximalen Länge von 20 Minuten, ausschließlich für das Klavier. Angenommen werden nur Kompositionen, die nach 2015 geschrieben wurden. Gewinnen können drei Werke – diese werden auf dem Festival vom englischen Konzertpianisten Joseph Houston aufgeführt.

Die eingereichten Bewerbungen werden vom "CurAItor" analysiert und gereiht. Dabei handelt es sich um einen von Nick Collins an der Durham University in England entwickelten Computer, der speziell auf zeitgenössische Klaviermusik seit 1950 spezialisiert ist. Damit dieser die Stücke analysieren kann, muss eine Aufnahme im WAV-Format (44.1kHz, 16-bit) mitgesendet werden. Eingereicht werden können die Dateien und Downloadlinks unter folgender Mail-Adresse: Donaueschingen@swr.de

Die "Donaueschinger Musiktage" zählen zu den wichtigsten Festivals im Kontext zeitgenössischer und Neuer Musik. Seit sie 1921 als Forum avancierter Kammermusik gegründet wurden, bildeten sie einen wichtigen Knotenpunkt im Kontext moderner Musik. Paul Hindemith etwa, oder Protagonisten der Wiener Schule, Arnold Schönberg, Alban Berg und Anton Webern, wurden hier einst uraufgeführt.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Festival in Zusammenarbeit mit dem Südwestfunk, dem heutigen SWR, 1950 neugegründet und um das hauseigene Orchester erweitert. Das SWR-Symphonieorchester, das SWR-Vokalensemble sowie das SWR-Experimentalstudio garantieren Uraufführungen sowie Interpretationen in bester Qualität, und so ist das einstige Kammermusikfestival zusätzlich zum großdimensionierten Orchester- und Vokalfestival avanciert.

Kernbestandteil des Programms ist dabei neben der Neuinterpretation des Bestehenden stets der Fokus auf Uraufführungen – viele Größen der neuen Musik des 20. Jahrhunderts wurden hier entdeckt. Hans Werner Henze, Karlheinz Stockhausen, Luigi Nono, György Ligeti, Mauricio Kagel, John Cage, Helmut Lachenmann, Wolfgang Rihm, Mark Andre oder etwa auch Georg Friedrich Haas fanden hier ihr Standbein. Charakteristisch ist dabei die Bandbreite des Programms: von experimenteller Zufallsmusik, Musikfilmen und Multimediaprojekten reicht der Bogen bis hin zu Klanginstallationen.

Heute sind die „Donaueschinger Musiktage“ weltweit das älteste und traditionsreichste Festival im Bereich der zeitgenössischen und neuen Musik.

Als künstlerischer Leiter zeichnet seit 2015 Björn Gottstein für das Programm verantwortlich. Der SWR hat den Vertrag mit dem SWR2-Redakteur kürzlich um weitere fünf Jahre bis 2025 verlängert. Gottstein: "Die Neue Musik steht vor großen Herausforderungen. Sie muss sich neu in einer sich wandelnden Gesellschaft positionieren. Ich freue mich, diesen Prozess in Donaueschingen mitgestalten zu dürfen."
Tobias Chromy



Leitet die Donaueschinger Musiktage künstlerisch: Bjoern Gottstein (Bild: Donaueschinger Musiktage)
Leitet die Donaueschinger Musiktage künstlerisch: Bjoern Gottstein (Bild: Donaueschinger Musiktage)
Impression vom letzten Jahr: Liping Ting - Water timing Series I (Performance Licht Leuchten, 2018). Foto: Screenshot
Impression vom letzten Jahr: Liping Ting - Water timing Series I (Performance Licht Leuchten, 2018). Foto: Screenshot
Pierre Boulez an den Donaueschinger Musiktagen 2008 (Bild: Donaueschinger Musiktage)
Pierre Boulez an den Donaueschinger Musiktagen 2008 (Bild: Donaueschinger Musiktage)