Das Kunstmuseum Liechtenstein feierte 2025 sein 25-jähriges Bestehen. Mit vier Ausstellungen sowie Performances, Projekten und Festen lud es dazu ein, Kunst auf vielfältige Weise zu erleben.
Die gemeinsame Plattform „Cloud Castle” von Kunsthaus Bregenz, Bündner Kunstmuseum Chur, Kunstmuseum St. Gallen und Kunstmuseum Liechtenstein präsentierte am 11. Januar 2025 mit „Carmen in den Bergen” im Klanghaus Toggenburg das erste Kunstprojekt. Inspiriert von Bizets Oper und der Schweizer Berglandschaft begeisterte die US-amerikanische Künstlerin Wu Tsang das Publikum mit einem Klangerlebnis aus Musik und Tanz. In Zusammenarbeit mit Enrique Fuenteblanca und Moved by the Motion.
Ausstellungen
Den feierlichen Auftakt im Ausstellungsjahr 2025 bildete die Präsentation „Silber steht dir. 25 Jahre Liebe zur Kunst” (28. Februar – 9. Juni 2025) mit Arbeiten aus 25 Jahren Sammlungstätigkeit und drei „Wunschwerken”, die eine Vision für die Zukunft entwarfen. Im Fokus der Ausstellung standen die Geschichten der Werke, des Museums und des Publikums. Eliane Schädler und Adam Vogt illustrierten eine Auswahl von Geschichten aus dem Land, die so Teil der Ausstellung wurden.
Zur Eröffnung von „Silber steht Dir” präsentierte sich auch der Eingangsbereich des Kunstmuseums in neuer Gestaltung: Die Künstlerin Hanna Roeckle ließ die Garderobe und das Treppenhaus unter dem Titel „A Silver Lining” erstrahlen.
Die Gruppenausstellung „Auf der Strasse” (11. April bis 31. August 2025) untersuchte den öffentlichen Raum als Inspirationsquelle für künstlerisches Arbeiten und als Ort für radikale und poetische Aktionen. Werke aus der Sammlung und Interventionen internationaler Künstler:innen wie Francis Alÿs, Klara Lidén oder Agnès Varda beleuchteten die vielfältigen Beziehungen zwischen Kunst und öffentlichem Raum.
Salon Liz (Anna Hilti, Stefanie Thöny, Anita Zumbühl) entwickelte das Projekt „Rumor”: In einem offenen Atelier sammelte das Künstlerinnenkollektiv Gerüchte und verwandelte diese in textile Objekte und Kostüme. Unter Mitwirkung der Besucher inszenierten sie damit im und um das Museum performative Momente.
In der Ausstellung „Demons Are Tearing Me Apart“ (27. Juni 2025 – 18. Januar 2026) eröffnete der dänische Künstler Henrik Olesen einen Dialog mit Werken des Lettrismus-Gründers Isidore Isou aus der Sammlung des Kunstmuseums. Für die Ausstellung realisierte Henrik Olesen neue Werke, in denen er zentrale Motive des Lettrismus – insbesondere Sprache und Stimme – aufgreift.
Noch bis zum 1. März 2026 bringt Tony Cokes mit seiner einzigartigen Form des Videoessays eine neue Perspektive in die Sammlung. Wie ein DJ sampelt und mixt er in seiner Ausstellung „Let Yourself Be Free” Fragmente aus Popkultur und Medien, um deren herrschende Codes zu unterlaufen.
Veranstaltungen – Fokus auf Performance
Manuel Pelmuș griff in Zusammenarbeit mit dem Tänzer Anton Skaaning in der Performance „Untitled” am 16. Februar 2025 den Sinn für das Geheimnisvolle und die poetische Sensibilität im Schaffen der rumänischen Künstlerin Ana Lupas auf.
Die Künstlerin Martina Morger läutete mit ihrer Performance „Ceremony” (Einläuten/Ausläuten) die Ausstellung „Auf der Strasse ein” (18. März 2025) ein und aus (31. August 2025). In einem mit Glocken besetzten Kleid führte sie das Publikum wie in einer Prozession durch das Vaduzer Städtle. Kooperation mit der Stage Bregenz.
Im Rahmen des „Mittwoch XL” bot der Schichtwechsel am 4. Juni 2025 mit der sitespezifischen Performance „Circadian” von Gabriela Lesmes López und Nina Frommelt eindrucksvolle Momente.
Am 6. Juli wurde Vaduz zur Bühne für den performativen Spaziergang „A Deluded State of Mind” von Liesbet Hermans. Verbunden über Kopfhörer folgten die Teilnehmenden den Performer:innen auf ihrem ungewöhnlichen Weg durch den Ort.
In Zusammenarbeit mit dem Liechtensteinischen Landesmuseum brachte das Kunstmuseum zudem die Aktion „Borderline Knitting” des Künstlers Noam Holdengreber auf die Straße.
2025 wurde natürlich auch gefeiert: Am 28. Juni fand das gemeinsame Sommerfest mit der Hilti Art Foundation statt und am 11. November klang das Jubiläumsjahr bei der Geburtstagsfeier des Kunstmuseums mit Musik, Tanz und Kuchen stimmungsvoll aus.
Kunstvermittlung
Zu allen Ausstellungen erarbeitete das Team der Kunstvermittlung öffentliche Führungen und Veranstaltungen sowie spezifische Rundgänge und Workshops für Schulklassen aller Stufen. Ein Schwerpunkt waren performative Ansätze, beispielsweise zu „Auf der Strasse”. Drinnen und draußen untersuchten Schüler:innen damit Räume und das Verhalten von Menschen darin. Sie erfanden Formen alternativer Nutzung und kreativer Meinungsäußerung. Anfang 2026 erscheinen die neuen Hefte zur Kunstvermittlung, die im Jubiläumsjahr erarbeitet wurden. Sie enthalten Dokumentationen und Reflexionen zu aktuellen und vergangenen Projekten, wie dem Kollabor und der Arbeit mit Jugendlichen. Neu gestartet wurde zudem die Kooperation mit Studierenden der BMS Berufsmaturitätsschule Liechtenstein. Bei mehreren Besuchen lernten sie verschiedene Ausstellungen kennen und hatten die Möglichkeit, hinter die Kulissen zu blicken. Beim Aufbau von Ausstellungen und in den Büros lernten sie Museumsberufe kennen. Im Rahmen ihres Unterrichts gestalteten sie Kommunikationsmittel für das Kunstmuseum und seine Arbeit mit Lernenden aus Betrieben.
Kooperationen
Das Kunstmuseum Liechtenstein freut sich, wenn Ausstellungen oder Produktionen, die hier ihren Ausgangspunkt hatten, auch international in Kooperation mit anderen Häusern gezeigt werden.
Christiane Meyer-Stoll kuratierte die erste posthume Retrospektive des bahnbrechenden Prozesskünstlers Barry Le Va. Nach dem Auftakt im Kunstmuseum Liechtenstein und einer Station in der Fruitmarket Gallery in Edinburgh wanderte die Ausstellung weiter ins Museum Kurhaus Kleve (30. März bis 22. Juni 2025).
Georgia Sagri realisierte 2024 die Performance City, die als Teil ihrer Einzelausstellung in Vaduz uraufgeführt wurde. In diesem Jahr wurde die Arbeit im Rahmen der 13. Göteborg International Biennial for Contemporary Art (20. September – 30. November 2025) in der Röda Sten Konsthall präsentiert.
Martina Morgers Performance „Ceremony” war am 26. September 2025 im Migros Museum für Gegenwartskunst in Zürich zu erleben.
Das Haus der Kunst in München zeigt noch bis zum 1. Februar 2026 die Ausstellung „Für Kinder. Kunstgeschichten seit 1968”. Darin ist die Arbeit „Der Name der Angst / Vaduz (Enge Räume/Maskierte Menschen)” von Rivane Neuenschwander aus der Sammlung des Museums prominent vertreten: Capes, die Schutz vor Ängsten bieten und auf Kinderzeichnungen basieren, die in kollaborativen Workshops mit Schulklassen aus Liechtenstein und der Schweiz entstanden sind.
Im Jahr 2025 wurden darüber hinaus zahlreiche Publikationen zu den Ausstellungen veröffentlicht und bedeutende Ankäufe für das Museum getätigt.