Do, 28.09.2017 / Ausstellung 
Di, 17.10.2017 So, 21.01.2018

Peter Paul Rubens (1577 Siegen - 1640 Antwerpen) war seinerzeit ein Star – und ist es bis heute! Sein Name steht für die Malerei einer ganzen Epoche, die Zeit des Barock. Doch kommt auch die Kunst der Gegenwart oft nicht an ihm vorbei. Das gewaltige Lebenswerk dieses Genies umfasst großformatige Altarbilder, die an Dynamik und Farbgewaltigkeit alles übertreffen, was seine Zeitgenossen gewöhnt waren.

Aber auch sinnliche Akte und dramatische Bilderzählungen gehören dazu. Ebenso verbindet man Rubens mit intimen und privaten Gemälden. Zu den berühmtesten zählt etwa Das Pelzchen im Kunsthistorischen Museum. Die Darstellung ist eine regelrechte Liebeserklärung des Malers an seine zweite Gemahlin, die junge wie schöne Hélène Fourment. Großartig und voller Lebendigkeit ist auch die Gewitterlandschaft, die Rubens wohl aus persönlichem Interesse an Problemen der Landschaftsdarstellung beginnt und zeitlebens verwandelt.

Die Sonderausstellung ermöglicht erstmals, diese und viele andere Wiener Meisterwerke im Kontext von Rubens’ Vorzeichnungen, Ölskizzen, Tafelbildern und Leinwänden neu zu erleben. Die Werkauswahl, darunter etwa 70 Leihgaben aus den großen Sammlungen der Welt – dem Prado in Madrid, der Eremitage in St. Petersburg oder der National Gallery of Art in Washington D.C. – ist dabei so getroffen, dass Gegenüberstellungen verdeutlichen, wie Rubens arbeitet, wie ihm seine eindringlichen, überlegt komponierten Kunstwerke gelingen. Es ist damit der spannendste Aspekt seines Schaffens thematisiert: die Auseinandersetzung des Malers mit Quellen und Vorbildern.

Die Ausstellung möchte anhand einiger Beispiele zeigen, wie Rubens bei anderen Künstlern – in Werken seiner Zeitgenossen ebenso wie in Gemälden bedeutender Renaissancemaler – Inspiration findet. Zugleich tritt er zeitlebens mit der Bildhauerkunst aus Antike und Renaissance in Dialog. Aus diesen fremden Formeln entstehen somit eigene Ideen, die in rasch ausgeführte, erstaunlich modern anmutende Federzeichnungen einfließen und dann durch Ölskizzen ausgearbeitet werden. Damit eignet sich Rubens Schritt für Schritt die Kunst der Anderen in teils unerwarteter Weise an und machte sie zu seiner eigenen.

Es entsteht ein riesiges Repertoire, aus dem er beständig Neues schöpft. Im ausgeführten Gemälde können daher Aussehen und Haltung eines antiken Kentauren, den Rubens in Rom studieren konnte, zur Vorlage einer Christusdarstellung werden. Unerhört ist, wie die Gestalt des Erlösers hier mit jener des von Begierde getriebenen Mischwesens zu einem erotischen Körper verschmelzen kann. Solche spannungsreichen Verbindungen machen die Überzeugungskraft der Werke aus.

Die Quellen und Umformungsprozesse sind allerdings oft geschickt verborgen und erst auf den zweiten Blick ersichtlich: Die Ausstellung lädt nun zum Entdecken jener künstlerischen Zitate von Rubens ein. Im direkten Vergleich von Modell und Neuerfindung können die Besucher erfahren, dass Rubens" Meisterschaft in seiner Wandlungskraft besteht. Nach Wien wird die Ausstellung von 8. Februar 2018 – 21. Mai 2018 im Städel Museum in Frankfurt zu sehen sein.


Rubens. Kraft der Verwandlung
17. Oktober 2017 bis 21. Januar 2018

Kunsthistorisches Museum
Maria Theresien-Platz
A - 1010 Wien

T: 0043 (0)1 525 24-0
F: 0043 (0)1 525 24-503
E: info@khm.at
W: http://www.khm.at/

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  •  Di, 17.10.2017 So, 21.01.2018 /
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Die vier Paradiesflüsse, um 1615. Öl auf Leinwand, 208 × 283 cm; Wien, Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie, Inv. GG 526. © KHM-Museumsverband
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Haupt der Medusa, 1617/18, Öl auf Leinwand, 68,5 × 118 cm; Wien, Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie, Inv. GG 3834. © KHM-Museumsverband
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Die Beweinung Christi, 1614. Öl auf Eichenholz, 40,5 × 52,5 cm; Wien, Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie, Inv. GG 515. © KHM-Museumsverband
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Ecce Homo, nicht später als 1612. Öl auf Holz, 125,7 × 96 cm; St. Petersburg, Staatliche Eremitage, Inv. GE 3778. © The State Hermitage Museum, St. Petersburg 2017
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Selbstporträt, um 1638. Öl auf Leinwand, 110 × 85,5 cm; Wien, Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie, Inv. GG 527. © KHM-Museumsverband