17. Februar 2018 - 4:29 / Ausstellung 
4. März 2018 22. Juli 2018

"Das Jahr der Studentenunruhen fand ohne mich statt", so resümiert der deutsche Fotograf, Bildjournalist und Sammler Robert Lebeck (1929–2014) in den "Erinnerungen eines Fotoreporters" seine Erfahrung des Jahres 1968: "Als in Paris die Barrikaden brannten, arbeitete ich in Florida an einer Serie über zwei ermordete Studentinnen; während Studenten vor dem Springer-Hochhaus demonstrierten, fotografierte ich die Taufe von Hildegard Knefs Kind; und als die Russen in Prag einmarschierten, begleitete ich gerade den Papst nach Bogotá."

Bei genauerer Betrachtung der Kontaktbogen, Fotoabzüge sowie Reportagen von Robert Lebeck, die in eben diesem epochemachenden Jahr für den "Stern", eine der damals auflagenstärksten Illustrierten Deutschlands, entstanden sind und in dieser Ausstellung erstmals umfassend präsentiert werden, zeigt sich allerdings, wie sehr sich entgegen der Einschätzung des Fotografen die gesellschaftlichen Veränderungen in seinen pointierten Aufnahmen spiegeln.

In der Ausstellung "Robert Lebeck. 1968" werden – fünfzig Jahre später – die im mythisierenden Rückblick bislang nicht immer wahrnehmbaren roten Fäden des Jahres zwischen Aufbruch, Protest, Beharren und Scheitern anhand beispielhafter Fotografie-Serien sichtbar, die Robert Lebeck in New York, Bogotá, Kassel, Belfast oder Wolfsburg erstellt hat. Viele von ihnen sind – das macht den besonderen Reiz der Ausstellung aus – nie gedruckt worden und der Öffentlichkeit bislang komplett unbekannt. Ob "Geschiedene Frauen", Rudi Dutschke in Prag, Robert F. Kennedys Beerdigung oder Joseph Beuys auf der documenta: Stets trifft in Robert Lebecks Arbeiten verdichtete Zeitgeschichte auf starke Bildreportage sowie Fotokunst.

Die Schau beginnt suggestiv mit einem raumhohen All-Over der Fotografie Robert Lebecks und Originaltondokumenten von 1968. Nach einem Saal zu "1968", der die unterschiedlichsten Aktionsfelder des Fotojournalisten in diesem Jahr sichtbar macht, folgen dann die zentralen acht Ausstellungskapitel und Fotoreportagen in chronologischer Reihenfolge vom Prager Frühling bis zum nordirischen Winter. Medienstationen und Großprojektionen bilden die zeitgeschichtliche Folie, auf der die Bedeutsamkeit der Fotoreportagen Robert Lebecks umso deutlicher wird. Original-Kontaktbogen und "Stern"-Hefte geben den Besuchern zudem vertieften Einblick in die fotografische Arbeit Lebecks und die bildredaktionelle Praxis jener Jahre.


Das Buch zur Ausstellung, herausgegeben von Ralf Beil und Alexander Kraus, gestaltet von Cordula Lebeck, erscheint im Steidl Verlag, Göttingen, und vereint Essays zur Zeitgeschichte, Bildreportage und Fotokunst von Ralf Beil, Michael Glasmeier, Fabian Köster, Alexander Kraus, Aleksandar Nedelkovski, Stefanie Pilzweger-Steiner, Stephan Ruderer, Annette Vowinckel, Martina Winkler und Ulf Erdmann Ziegler, eine umfangreiche Auswahl bislang unveröffentlichter Fotografien und Kontaktbogen sowie die wichtigsten Reportagen des Jahres 1968. Hardcover, 320 Seiten, 226 Abbildungen, 22,5 x 30 cm, deutsche und englische Ausgabe, EUR 48 im Museumshop, EUR 58 im Buchhandel.

Robert Lebeck. 1968
4. März bis 22 Juli .2018
Eröffnung: Sa 3. März 18, 19 Uhr

Kunstmuseum Wolfsburg
Hollerplatz 1
D - 38440 Wolfsburg

T: 0049 (0)5361 26690
F: 0049 (0)5361 266966
E: info@kunstmuseum-wolfsburg.de
W: http://www.kunstmuseum-wolfsburg.de/

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Fotomodell im Kofferraum eines VW 411, Wolfsburg, 31. Juli 1968; © Archiv Robert Lebeck
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Jackie Kennedy und ihre Schwester Lee Radziwill in der St. Patrick?s Cathedral, New York, 7./8. Juni 1968; © Archiv Robert Lebeck
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Papst Paul VI. im Flugzeug auf dem Weg nach Bogotá, Kolumbien, 22. August 1968; © Archiv Robert Lebeck
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Richard Nixon während des Vorwahlkampfs zur Wahl des 46. Präsidenten der USA, Manchester, New Hampshire, 16. Februar 1968; © Archiv Robert Lebeck
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Diana Rigg und Curd Jürgens während der Dreharbeiten zum Spielfilm«Mörder GmbH», Venedig, 28. April 1968; © Archiv Robert Lebeck