19. Mai 2021 - 11:13 / Ausstellung / Retrospektive 
21. Mai 2021 15. August 2021

Zum Zeichner, Komponisten und Schriftsteller wurde Adolf Wölfli (1864–1930) in der "psychiatrischen Heilanstalt Waldau" in Bern, an die er 1895, 31 Jahre alt, mit der Diagnose Schizophrenie überwiesen wurde. Bis zu seinem Tod 1930 erschuf er dort ein ausuferndes Œuvre, ein Universum auf über 25‘000 Seiten, das er selber als "Skt. Adolf Riesen=Schöpfung" bezeichnete. Sein Werk ist in der Kunst des 20. Jahrhunderts einzigartig. Im Zentrum Paul Klee stehen erstmals Wölflis Schriften im Fokus einer gross angelegten Schau. Das Kindermuseum Creaviva knüpft mit der interaktiven Ausstellung Kleines Universum an die Inhalte an.

Dass Adolf Wölfli jemals eine künstlerische Karriere machen würde, war durch seine Herkunft keineswegs gegeben. Seine Familie stammte aus armen Verhältnissen. Er wurde als "Losbube" verdingt und diente später als Tagelöhner in unterschiedlichen Tätigkeiten. Als Autodidakt hat Wölfli ein Werk geschaffen, das bis heute durch seine visionäre Bildkraft fasziniert.

Wölfli selber betrachtete sein schriftstellerisches Œuvre, an dem er mit wenigen Unterbrüchen von 1908 bis zu seinem Tod 1930 gearbeitet hat, als sein Hauptwerk. Es beinhaltet eine idealisierte Lebensgeschichte, die ihn und seine Getreuen durch Länder und Kontinente imaginierter Welten reisen lässt. Es sind fantastische Kopfreisen, die gar in den Weltraum ausgreifen und in einem bemerkenswerten Kontrast zu seiner Verwahrung in der Waldau stehen. In einem Akt der Selbstermächtigung erfand er sich in diesen Schriften seine Lebensverhältnisse neu. Gebunden sind diese Geschichten in prächtige Folianten, die mit Tonstücken, Gedichten und Illustrationen durchsetzt sind. Die Hefte hat Wölfli als Reinschriften verstanden, welche im Sinne einer überlegten Mise-en-page Druckvorlagen für eine Veröffentlichung darstellen. Die Ausstellung im Zentrum Paul Klee folgt der Präferenz des Künstlers und stellt eine Auswahl der Hefte, welche aus konservatorischen Gründen sonst nicht ausgeliehen werden, erstmals in den Mittelpunkt einer Präsentation. Die Ausstellung bringt Wölflis Zeichnungen in einen Zusammenhang mit den Heften und bietet somit eine besondere Gelegenheit, diesem aussergewöhnlichen Schaffen neu zu begegnen. Mit über 150 Arbeiten aus dem Schaffen des Künstlers gibt die Schau einen umfassenden Einblick in den Bestand der Adolf Wölfli Stiftung. Nebst den Heften und den dazugehörigen Zeichnungen werden eine Auswahl aus der sogenannten "Brotkunst", den Bleistiftzeichnungen aus dem Frühwerk des Künstlers, sowie dokumentarisches Material aus dem Anstaltsalltag gezeigt.

"Wölflis Œuvre entwickelt sich entlang der Abgründe. Über den Bruchstücken einer problematischen Existenz schafft er durch die Kraft der Kunst ein Werk von grosser poetischer Kraft, das uns bis heute berührt. Diese Ausstellung setzt gleichzeitig ein Statement für das Unangepasste und Aussergewöhnliche, das in einer immer stärker normierten Welt kaum mehr Platz findet." Hilar Stadler, Kurator der Ausstellung

Riesen=Schöpfung. Die Welt von Adolf Wölfli
21. Mai bis 15. August 2021

Kunstmuseum Bern
Hodlerstrasse 8-12
CH - 3000 Bern

W: http://www.kunstmuseumbern.ch/

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  •  21. Mai 2021 15. August 2021 /
Adolf Wölfli in seiner Zelle neben einem Stapel seiner Schriften, 1921 © Adolf Wölfli-Stiftung, Kunstmuseum Bern
Adolf Wölfli in seiner Zelle neben einem Stapel seiner Schriften, 1921 © Adolf Wölfli-Stiftung, Kunstmuseum Bern
Adolf Wölfli, "Sonnen=Ring", 1904, Bleistrift, Farbstift und Collage auf Papier, 99,2 x 74,3 cm © Adolf Wölfli-Stiftung, Kunstmuseum Bern
Adolf Wölfli, "Sonnen=Ring", 1904, Bleistrift, Farbstift und Collage auf Papier, 99,2 x 74,3 cm © Adolf Wölfli-Stiftung, Kunstmuseum Bern
Adolf Wölfli, "Riesen=Stadt, Band=Wald=Hall", 1911, Aus: Von der  Wiege bis zum Graab (1908-1912), Bleistift und Farbstift auf Zeitungspapier, 99,7 x 71,7 cm © Adolf Wölfli-Stiftung, Kunstmuseum Bern
Adolf Wölfli, "Riesen=Stadt, Band=Wald=Hall", 1911, Aus: Von der Wiege bis zum Graab (1908-1912), Bleistift und Farbstift auf Zeitungspapier, 99,7 x 71,7 cm © Adolf Wölfli-Stiftung, Kunstmuseum Bern
Adolf Wölfli, "Paris=Spinne", 1909/10, Bleistift und Farbstift auf Papier, 100 x 74,5 cm © Adolf Wölfli-Stiftung, Kunstmuseum Bern
Adolf Wölfli, "Paris=Spinne", 1909/10, Bleistift und Farbstift auf Papier, 100 x 74,5 cm © Adolf Wölfli-Stiftung, Kunstmuseum Bern