5. Februar 2020 - 5:03 / Ausstellung / Malerei 
6. Februar 2020 3. Mai 2020

Wie kein anderer Künstler seiner Zeit hat sich Richard Jackson der radikalen Erweiterung der Malerei verschrieben. Der US-amerikanische Künstler sprengt die formalen Grenzen des Malerischen und schafft Situationen, in denen er den Farbauftrag durch den Einsatz von Maschinen mit dem Prozesshaften verbindet.

Die Schirn Kunsthalle Frankfurt präsentiert erstmals in einer Ausstellung fünf der insgesamt zwölf existierenden, charakteristischen Rooms von Richard Jackson – Rauminstallationen, die auf dem Prinzip der automatisierten Malerei basieren. Jackson kombiniert kritische Kommentare zur Malerei mit sozialen Kontexten, paart sie mit provokativem Witz und Doppeldeutigkeiten sowie Referenzen auf ikonische Werke von Künstlern wie Marcel Duchamp, Robert Rauschenberg oder Jasper Johns. In den Räumen werden comicartige Figuren, Tiere oder Gegenstände zu Akteuren eines einmaligen Prozesses: Luftkompressoren und Pumpen lassen satte Farbe durch Schläuche und Trichter, durch Ohren, Münder und andere Körperöffnungen fließen, um sie jeweils auf Boden, Wänden, Einrichtung und den Protagonisten selbst zu verteilen. Die thematischen Zimmer dokumentieren eine vom Künstler losgelöste Malerei, die ins Räumliche expandiert. Wenn das Publikum die Fläche betritt, ist schon alles vorüber. Es wird zum Ermittler des vorausgegangenen spektakulären Malakts und zum Voyeur skurriler Szenarien.

Richard Jackson entwickelte seine Arbeitsweise, die dem sogenannten "expanded painting" (erweiterte Malerei) zugeordnet wird, vor dem Hintergrund des US-amerikanischen Kunstdiskurses der 1960er-Jahre, der durch den abstrakten Expressionismus und die konzeptuelle Minimal Art geprägt wurde. In den 1970er- und 1980er-Jahren stellte er die konkrete Herstellung eines Gemäldes aus Keilrahmen, darüber gespannter Leinwand und Farbe in den Vordergrund. Seine "Wall Paintings" malte der Künstler mit der noch nassen Bildfläche der Leinwand direkt auf die Museumswand und ließ diese dort mit dem Rücken zum Betrachter als Referenz auf den Entstehungsprozess hängen. Oder er stapelte Hunderte Leinwände zu dreidimensionalen Körpern und begehbaren Skulpturen im Raum, so dass nur noch die seitlich herausquellende Farbe auf die bemalten Flächen hindeutete. Damit reflektierte und kritisierte er gleichzeitig die institutionellen Konventionen und Sehgewohnheiten der Kunstwelt. Durch den Einsatz von eigens präparierten Fahrzeugen oder selbst gebauten Maschinen entwickelte er schließlich eine automatisierte und von der menschlichen Geste unabhängige Malerei, die auch seine Rooms charakterisiert. In diesen Installationen wird per Knopfdruck einmalig Farbe verspritzt, um ein dreidimensionales Gemälde zu schaffen.

Richard Jackson (geboren 1939) lebt und arbeitet bei Los Angeles, Kalifornien, wo er 1989 bis 1994 Skulptur und neue Formen an der University of California (UCLA) unterrichtete. Seine Werke wurden international in zahlreichen Ausstellungen präsentiert. 1997 war er auf der 4. Biennale in Lyon und 1999 auf der 48. Biennale in Venedig vertreten. 2013 widmete ihm das Orange County Museum of Art (OCMA) in Newport Beach, Kalifornien, eine Retrospektive, die anschließend in der Villa Stuck, München, und im Stedelijk Museum voor Actuele Kunst (S.M.A.K.), Gent, gezeigt wurde.

Richard Jackson: Unexpected Unexplained Unaccepted
6. Februar bis 3. Mai 2020

Schirn Kunsthalle
Römerberg
D - 60311 Frankfurt

T: 0049 (0)69 299882-0
F: 0049 (0)69 299882-240
E: welcome@schirn.de
W: http://www.schirn.de/

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  •  6. Februar 2020 3. Mai 2020 /
Richard Jackson, Courtesy Galerie Georges-Philippe & Nathalie Vallois, © Richard Jackson, Foto: Marianne le Metayer
Richard Jackson, Courtesy Galerie Georges-Philippe & Nathalie Vallois, © Richard Jackson, Foto: Marianne le Metayer
Richard Jackson, The War Room, 2006-2007. Courtesy the artist and Hauser & Wirth. Installation view, Richard Jackson: Accidents in Abstract Painting, the Armory, Armory Center for the Arts, Pasadena, 2012. Foto: Joshua White
Richard Jackson, The War Room, 2006-2007. Courtesy the artist and Hauser & Wirth. Installation view, Richard Jackson: Accidents in Abstract Painting, the Armory, Armory Center for the Arts, Pasadena, 2012. Foto: Joshua White
Richard Jackson, The Dining Room, 2006-2007, Courtesy the artist, Galerie Georges-Philippe & Nathalie Vallois, and Hauser & Wirth. Foto: Guillaume Grasset
Richard Jackson, The Dining Room, 2006-2007, Courtesy the artist, Galerie Georges-Philippe & Nathalie Vallois, and Hauser & Wirth. Foto: Guillaume Grasset
Richard Jackson, The Dining Room (Detail), 2006-2007, Courtesy the artist, Galerie Georges-Philippe & Nathalie Vallois, and Hauser & Wirth. Foto: Guillaume Grasset
Richard Jackson, The Dining Room (Detail), 2006-2007, Courtesy the artist, Galerie Georges-Philippe & Nathalie Vallois, and Hauser & Wirth. Foto: Guillaume Grasset