31. Mai 2019 - 7:30 / Film 
5. Juni 2019 21. Juni 2019

Gäbe es die Filme von Mara Mattuschka nicht, man könnte sie wohl nicht erfinden. Zu verzahnt scheinen ihre Biografie, ihre Persönlichkeit mit ihrem Werk zu sein. In ihren filmischen Arbeiten finden sich die vielen »faces of an antidiva«, wie ein Porträt über sie heißt: Als Performancekünstlerin, Malerin, Autorin, Schauspielerin, Professorin und sogar Sängerin überrascht Mara Mattuschka seit über 30 Jahren ihr Publikum und zählt zu den Aushängeschildern des heimischen Avantgardekinos. Zum runden Geburtstag widmet das Filmarchiv Austria der Künstlerin eine um fassende Retrospektive sowie den sechsten Band der Edition »Film Geschichte Österreich«, der zur Eröffnung präsentiert wird.

1959 wird Mara Mattuschka in Sofia in ein musisches Elternhaus geboren. In ihrer Kindheit, sagt sie, sei sie von alten Operndiven umgeben gewesen: »Ich schwelge im Leben verschiedener Personen, die nicht angepasst sind. Das gefällt mir.« Obwohl sie bereits in jungen Jahren zu malen beginnt und surreale Gedichte und Kurzgeschichten schreibt, scheint ihr Karriereweg wegen ihres mathematischen Talents anders vorgezeichnet. Doch mit 17 entzieht sie sich einem Leben in der Forschung, geht nach Wien und beginnt ein Ethnologie- und Sprachwissenschaftsstudium, bis sie sich 1983 an der Hochschule für angewandte Kunst einschreibt und bei Maria Lassnig die Meisterklasse für Malerei und Trickfilm besucht.

Ab diesem Zeitpunkt entstehen ihre ersten kurzen, sehr politischen und humorvollen Arbeiten, formal angesiedelt im Bereich Performance und Animation. In Nabelfabel (1984) schält sich ihr Kopf langsam unter zig Strumpfhosen hervor – ein »Geburtsfilm«, wie sie ihn nennt, im doppelten und dreifachen Wortsinn, entsteht so ihr künstlerisches Alter Ego Mimi Minus. Christa Blümlinger: »Mara tritt zwar als Mimi Minus in fast jedem Film, sich gleichermaßen selbstporträtierend, in Erscheinung, aber in immer neuen und wechselnden Identitäten, sie scheint nie dieselbe zu sein. Wir wissen, dass wir es immer mit Mara Mattuschka zu tun haben, erfahren aber gleichzeitig bloß die oszillierenden Ränder dieser Identität.« Ihr Abschlussfilm Der Einzug des Rokoko ins Inselreich der Huzzis (1989, gemeinsam mit Hans Werner Poschauko und Andreas Karner), in dem Trickfilm, bildende Kunst, Musik, Sprache und Theater ineinanderfließen, provoziert »aus formalen Gründen« einen kleinen Skandal an der Akademie. Ab Mitte der 1990er-Jahre unterrichtet sie selbst als Professorin an der HBK Braunschweig, später auch in Linz.

So vergeht einige Zeit, bis sie 2012 ihren ersten »richtigen« Langspielfilm dreht, inzwischen als »Enfant terrible des österreichischen Experimentalfilms« über die Landesgrenzen hinaus bekannt und mit zahlreichen Lorbeeren behangen. Insbesondere die Zusammenarbeit mit dem Tanzensemble Liquid Loft und Chris Haring, dessen Stücke sie filmisch adaptiert, macht sie einem neuen Publikum bekannt. 2018 erscheint ihr neuester Spielfilm, Phaidros, eine wilde Reise durch das queere Wiener Nacht und Theaterleben. Die abenteuerliche Unberechenbarkeit, der herrliche Witz und die bedingungslose Zuneigung zu ihren Figuren zeichnen Mara Mattuschkas Werk seit jeher aus, das anspruchsvoll, aber nicht spröde, sinnlich, aber nicht kitschig ist. Ad multos annos!

Filmarchiv Austria
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A - 1010 Wien

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  •  5. Juni 2019 21. Juni 2019 /
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