Plissierte Textilien, Siebdruck, abstrakte, geometrische Formen in der Tradition der klassischen Moderne und eine Begeisterung für japanisches und afrikanisches Kunsthandwerk machen Ursi Fürtlers künstlerisches Schaffen einzigartig. Das Museum für angewandte Kunst (MAK) in Wien widmet der renommierten und vielfach ausgezeichneten österreichischen Textilkünstlerin erstmals eine eigene Ausstellung. Gezeigt wird ein Querschnitt durch ihr gesamtes Werk: von Textilentwürfen auf Papier aus den 1970er- und 1980er-Jahren über faltbare Paravents bis hin zu Textilien an der Schnittstelle von skulpturalem Objekt und tragbarem Kleidungsstück.
Zu ihren bekanntesten Stücken zählen tragbare Textilobjekte aus synthetischen Fasern, Seide und Wolle, die ab den 1980er Jahren entstanden sind. Häufig spielen sie an den Bugkanten komplexer Faltenarrangements mit bedruckten und unbedruckten Partien. Die Plissees erinnern an die Arbeiten von Mariano Fortuny oder Issey Miyake. Zugleich offenbart die Oberflächengestaltung der Textilien – vor allem in Bewegung – ästhetische Effekte, die an das changierende Federkleid von Paradies- oder Hühnervögeln oder an die schuppigen Musterzeichnungen von Reptilien erinnern.
Die charakteristischen Muster erzielt die Künstlerin im Schablonensiebdruck durch die Kombination von drei bis fünf Schablonen, die mit kleinen Punkten, schmaleren und auch breiteren Streifen abstrakte Formen wie Kreise, Rechtecke und Dreiecke bzw. Zacken generieren. Die schlauchartigen Objekte lassen sich als Puls- oder Schulterwärmer oder auch als Röcke oder Kleider am Körper tragen. Einige rechteckige oder aus symmetrischen Flügeln genähte Stücke sind unterschiedlich verwendbar, etwa als Schals oder Gürtel.
Zu ihrem Œuvre zählen auch Paravents und Teppichentwürfe, die mit geometrischen Mustern und kontrastierenden Primärfarben auf ihre intensive Auseinandersetzung mit der modernistischen Textilkunst des Art déco und des Bauhauses verweisen. Neben den Textilien der Arts-and-Crafts-Bewegung und der Wiener Werkstätte zählen diese zu ihren wichtigsten Inspirationsquellen.
Fürtlers Formenkanon ist auch geprägt von ihrer Beschäftigung mit japanischen Schablonentechniken wie Katazome und Katagami sowie mit traditionellen Symbolen, insbesondere den Familienzeichen „Mon“. Immer wieder nimmt sie auch Anleihen bei den gewebten Kente-Stoffen der Akan- und Ewe Völker, die in Westafrika früher nur wichtigen Persönlichkeiten vorbehalten waren.
Manche der schlauchförmigen Objekte weisen neben den Plissees händisch ausgefranste Enden oder versteifte, rollierte Stege auf, die ihnen schwingende oder krause Effekte verleihen. Sie sind, ebenso wie einzelne Hüte bzw. Kopfschmuck, in Zusammenarbeit mit der Künstlerin und Modistin Walli Jungwirth entstanden.
Nicht alle Textilien von Ursi Fürtler folgen diesem charakteristischen Regelwerk. Manche sind unbedruckt oder faltenfrei, andere sind mit Lochmustern versehen oder aus transparenten Materialien gefertigt. Ihr breites Œuvre zeigt eindrucksvoll, wie wichtig ein experimenteller Umgang mit Material und dessen vielfältigen Möglichkeiten für ihre gesamte gestalterische Praxis ist.
Ursi Fürtler (*1939) studierte Druckgrafik an der Modeschule Hetzendorf und der Akademie für angewandte Kunst. Anschließend war sie ein Jahr lang in Schweden als Porzellandesignerin tätig. In den 1970er Jahren begann sie, Textilmuster zu entwerfen, die in Österreich (Josef Otten, Backhausen, Rueff Textil), Deutschland, der Schweiz, England, den USA sowie in Westafrika produziert und verkauft wurden. Als Frau bot ihr das feminin konnotierte Medium Textil, das zu dieser Zeit eher mit Design als mit Kunst assoziiert wurde, die Chance, mit ihren gestalterischen Fähigkeiten ein Einkommen zu erzielen. Ab 1983 arbeitete sie in Mödling in ihrer eigenen Werkstatt. Neben Schals und Heimtextilien fertigte sie auch Paravents und Kleidungsstücke, die unter anderem im Rahmen der U-Mode-Messe 1986/87 im MAK präsentiert wurden.
Neben ihrer künstlerischen Praxis war Ursi Fürtler auch als Lehrende tätig. In den Jahren 1987 und 1989 war sie österreichische Repräsentantin für Textil am Seminar Bauhaus Dessau. Sie unterrichtete außerdem an der Modeschule Hetzendorf und an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle an der Saale.
Für ihre Arbeit wurde sie 2003 mit dem Bayerischen Staatspreis und 2016 mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet.
Ursi Fürtler
Textil – Abstrakt
bis 14.06.2026