27. August 2019 - 5:35 / Ausstellung / Malerei 
8. September 2019 8. Dezember 2019

Viel hat die Langmatt in ihrer Museumsgeschichte schon gesehen, aber so etwas noch nicht: Riesenhaft gross ragen Bilder bis fast an die Decke der historischen Räume. Freistehend wie Wände verändern sie präzise aufeinander bezogen die architektonischen Proportionen. Kleinere Formate vernetzen die Riesen, schaffen Bezüge und Blickpunkte, während sie locker auf dem Boden stehen, an die Wände gelehnt. Ein magisches Labyrinth, ein transitorisches Bilderlager, eine malerische Installation? Einmal mehr begegnen sich die Epochen: Jahrhundertwende und Gegenwart treten in überraschende Dialoge, die an der Macht unserer Sehgewohnheiten und Vorstellungen von Malerei gründlich rütteln.

Für ihre Einzelausstellung im Museum Langmatt – nach 2008 die erste, grosse Präsentation Renée Levis in der Schweiz – sind fast alle Bilder neu entstanden. Auf den Leinwänden zeigen sich dynamische Kringel oder grosse farbige Flächen, die mit einem Wischmopp in rascher Folge aufgetragen wurden. Durch sorgfältige Verzahnungen der Leinwände mit dem historischen Esszimmer, der Bibliothek und der Gemäldegalerie erweitert die visuelle Energie mit geradezu symphonischer Präsenz das Potential von Malerei. Im Park setzt Renée Levi ein grossformatiges Bild den Kräften von Wind und Wetter aus und übergibt somit der Natur die Autorschaft daran weiterzuarbeiten.

Seit den späten 1990er-Jahren hinterfragt Renée Levi unerschrocken das Medium Malerei und unterzieht die vielfach totgesagte Disziplin lustvollen wie kritischen Überprüfungen. In raumgreifenden Installationen erweitert sie die Wirkungen von Farbe und Form und führt sie zu verblüffenden Grenzüberschreitungen. Subtile Dialoge zwischen Malerei und Architektur fördern unverbrauchte Möglichkeiten des Mediums zutage. Dabei setzt Renée Levi auf ebenso radikale wie präzise Interventionen. Spielerisch leicht nehmen Farbe und Form gewaltige Dimensionen an, ohne dass sie bei all ihrer sinnlichen Wucht an Fragilität verlieren.

Renée Levi (* 1960 in Istanbul, lebt in Basel) zählt zu den wichtigsten Schweizer Künstlerinnen im Bereich Malerei und Installation. Seit mehr als 20 Jahren wird ihre Arbeit international präsentiert und ist in bedeutenden öffentlichen und privaten Sammlungen im In- und Ausland vertreten. 2018 wurde die Künstlerin mit dem renommierten Kunstpreis der Société des Arts de Genève ausgezeichnet, der mit CHF 50‘000 dotiert ist. Aktuell ist sie mit fulminanten malerischen Interventionen an der Biennale Lyon vertreten. Renée Levi studierte Architektur an der HTL Muttenz/Basel und Bildende Kunst an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich. Seit 2001 ist sie als Professorin für Malerei an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel tätig.

Zeitgleich präsentiert die Ausstellung Wenn Bilder sprechen könnten… – Impressionistische Meisterwerke erzählen Ihre Geschichte ausgewählte Werke der Sammlung. Das neu erschlossene Archiv bietet die Möglichkeit, die Erwerbungsumstände der Bilder in Paris vor und während des Ersten Weltkriegs sowie deren Wirkungsgeschichte in frühen Ausstellungen zu beleuchten.

Markus Stegmann, 14.8.2019

Renée Levi – Rhabarber
8. September bis 8. Dezember 2019

Museum Langmatt
Römerstrasse 30
CH - 5401 Baden

T: 0041 (0)56 200 8670
F: 0041 (0)56 200 8679
E: info@langmatt.ch
W: http://www.langmatt.ch/

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  •  8. September 2019 8. Dezember 2019 /
Renée Levi, Barba 1, 2019, 340 x 340 cm, Acryl auf Leinwand
Renée Levi, Barba 1, 2019, 340 x 340 cm, Acryl auf Leinwand
Renée Levi, Nora, 2018, Acryl auf Baumwolle, 400 x 320 cm  © Nico Valsangiaco
Renée Levi, Nora, 2018, Acryl auf Baumwolle, 400 x 320 cm © Nico Valsangiaco
Renée Levi, Simona, 2019, 190 x 340 cm, Acryl auf Baumwolle (© Giulio Boem)
Renée Levi, Simona, 2019, 190 x 340 cm, Acryl auf Baumwolle (© Giulio Boem)
Renée Levi, Yuko 1, 2019, 230 x 280 cm, Acryl auf Baumwolle
Renée Levi, Yuko 1, 2019, 230 x 280 cm, Acryl auf Baumwolle