Remise Bludenz: 9. Vorarlberger Zeitgeschichtetag, Erinnern an NS-Opfer in der Region Bludenz verorten, Buchpräsentation „Mich kriegt ihr nicht!“

Die Veranstaltung zum österreichischen Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus findet auch 2026 wieder in Bludenz statt.

Erinnern an NS-Opfer in der Region Bludenz
In Bludenz erinnern drei sogenannte „Grenzsteine” an Menschen, die von den Nationalsozialist:innen verfolgt wurden, über Vorarlberg in die Schweiz flüchteten oder die NS-Zeit und den Krieg unter falscher Identität in Bludenz überlebten. Einer dieser Grenzsteine, der 2022 im Rahmen des Projekts „Über die Grenze“ des Jüdischen Museums Hohenems errichtet wurde, würdigt Józef Wiśnicki und erzählt seine Geschichte.
Die Anzahl der Gedenkzeichen für die Opfer des Nationalsozialismus und die Orte des NS-Terrors ist in den letzten Jahren auch in Vorarlberg deutlich gestiegen. In der Erinnerungslandschaft fehlen jedoch einige Verfolgtengruppen bzw. sind deutlich unterrepräsentiert. Auch auf diese Leerstellen macht „Derla – Digitale Erinnerungslandschaft Österreich“ aufmerksam. Seit 2021 werden sämtliche Erinnerungsorte und -zeichen auf der Website gams.uni-graz.at/context:derla dokumentiert.
Der Kurzvortrag stellt „Derla Vorarlberg“ sowie einige Gedenkorte in der Region Bludenz vor und benennt Lücken in der Erinnerungslandschaft.

Buchpräsentation: „Mich kriegt ihr nicht!“
Józef Wiśnicki wurde 1916 in Częstochowa (Tschenstochau) als Jude geboren. Als im September 1939 das Deutsche Reich und die UdSSR Polen überfielen, verteidigte er sein Land zunächst als Soldat. Als Überlebenskünstler entkam er den NS-Verfolgern immer wieder. Er sprang aus dem in das Todeslager Treblinka fahrenden Zug. Im April 1943 kam er mit gefälschten Papieren als polnischer Christ getarnt nach Vorarlberg. Er arbeitete bei der Gärtnerei Schaub (heute Schallert), wo er auch mit Vorarlbergern, die dem Nationalsozialismus ablehnend gegenüberstanden, bekannt wurde. Die Gestapo hatte ihn im Visier. Er wurde mehrfach verhaftet und zuletzt ins KZ Reichenau überstellt, aus dem er im Mai 1945 befreit wurde. Ein gutes Jahr später heiratete er in Innsbruck Leokadia Justman. Ihre Überlebensgeschichte ist 2025 unter dem Titel „Brechen wir aus!” erschienen. Nun wurde auch Józef Wisnickis ganz anders geschriebener „Kampf ums Überleben” übersetzt und mit vielen neuen Quellen zu den darin genannten Personen und Ereignissen ergänzt.

Bei der Buchpräsentation, zu der auch sein Sohn Jeffrey Wisnicki kommt, geben die Herausgeber Dominik Markl und Niko Hofinger Einblicke in seine außergewöhnliche Überlebensgeschichte.

9. Vorarlberger Zeitgeschichtetag
Donnerstag, 7. Mai, 19:00 Uhr

Programm
Begrüßung (Stefan Stachniß, MA)
Erinnern an NS-Opfer in der Region Bludenz verorten (Dr.in Victoria Kumar)

Buchpräsentation
„Mich kriegt ihr nicht!“ (Niko Hofinger und Univ.-Prof. Dr. Dominik Markl SJ)
Niko Hofinger und Dominik Markl im Gespräch mit Jeffrey Wisnicki

Eintritt frei
Veranstalter: Geschichtsverein Region Bludenz und Stadtlabor Bludenz