Reisehighlight Philadelphia Orchestra

Das weltberühmte Philadelphia Orchestra feiert sein 125 Jahre-Jubiläum. Was für ein Glücksfall, dass ich bei meiner alljährlichen USA-Reise rechtzeitig zu einem atemberaubenden Konzert in der Marian Anderson Hall im Kimmel Center komme: „Bolero und Don Juan“ sowie „Contact“ von Kevin Puts unter Marin Alsop – doch nicht nur die Gastdirigentin wurde kürzlich in Österreich bejubelt. Yannick Nézet-Séguin ist seit 2012 Musikdirektor des Philadelphia Orchestra und dirigierte heuer das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker.

Marin Alsop, eine der bedeutendsten Dirigentinnen unserer Zeit, leitet als Principal Guest Conductor in ihrer zweiten Saison das Philadelphia Orchestra und war von 2019 bis 2025 Chefdirigentin des ORF-Sinfonieorchesters Wien (siehe auch Oper Candide). Sie ist bekannt mit ihrem Engagement für zeitgenössische Werke wie – auch in diesem Fall – von Kevin Matthew Puts, einem US-amerikanischen Komponisten (geb. 1972). Und jetzt kommt sogar ein Vorarlberg-Bezug: Puts´„Emily – No Prisoner Be“, ein Auftragswerk der Bregenzer Festspiele, wurde mit dem Trio „Time for Three“ 2025 auf der Werkstattbühne uraufgeführt. „Contact“ hat Kevin Puts eigens für die – alle musikalischen Konventionen überwindenden – Musiker Ranaan Meyer, Nick Kendall und Charles Yang komponiert, und die Aufnahme in dieser Konstellation bei Deutsche Grammophon gewann 2023 einen GRAMMY. 

Nach dem exzellent sonoren Auftakt – in noch nie so gehörtem Streicherklang – mit Joseph Haydns Symphonie Nr. 59 kommen „Time for Three“ – Ranaan Meyer mit Kontrabass und die beiden anderen mit Violine – schwungvoll-locker auf die Bühne. Sie haben sich nicht umgezogen, nach der Einführung eine Stunde vorher, bei der sie uns erzählten, dass es in „Contact“ um eine Begegnung zwischen Galaxien geht, „as a call to intelligent life across the vast distances containing clues to our DNA, to our very nature as Earth people”. Virtuos und mitreißend!

Nach der Pause, Richard Strauss´ symphonische Dichtung für großes Orchester „Don Juan“. Hervorragend gelingt Alsop eine orchestrale Erzählung mit kühnen Gesten und zarten Momenten. Und dann der Bolero von Maurice Ravel – kaum hörbar die ersten Takte der Kleinen Trommel, sich intensiv steigernd die vielen Varianten der eindringlichen Melodie, vielschichtig und präzise ausdetailliert – noch nie so spannend erlebt!

Das Philadelphia Orchestra macht seit über einem Jahrhundert hochkarätige klassische Musik und will „die transformative Kraft der Musik einem breiten Publikum zugänglich machen, die Freude, Verbundenheit, Begeisterung in der Region Philadelphia, im ganzen Land und weltweit wecken“. Im Rahmen des „All-City Music Program“ gibt es eine sehr engagierte Kooperation mit dem Schulbezirk der Stadt. So bereiteten die Musiker von „Time for Three“ noch vor der Pause mit ihrer Zugabe eine Überraschung und jede Menge „Joy“. Sie holten für das von ihnen komponierte Stück die jungen Musiker:innen der KIPP West Philadelphia Preparatory Charter School – eine aus dem Netzwerk von acht öffentlichen Schulen, die Jugendlichen eine kostenlose Schulbildung von der Grundschule bis zum Abitur in anregender Lernumgebung ermöglichen – auf die Bühne. Was für ein ergreifender Moment, wenn diese talentierten jungen Musiker:innen voller Enthusiasmus aufspielen und vom weltbesten Orchester sanft begleitet werden. Goosepumps!

The Philadelphia Orchestra
am 25.04.2026 in der Marian Anderson Hall, Kimmel Center
Dirigentin: Marin Alsop
Time for Three: Ranaan Meyer, Nick Kendall, Charles Yang
Haydn Symphonie Nr 59
Puts „Contact” for string trio and orchestra
Strauss „Don Juan”
Ravel „Bolero”
Zugabe: Time for Three „Joy”