17. April 2019 - 9:33 / Film 
23. April 2019 1. Mai 2019

Das Filmarchiv Austria nimmt die Premiere von Michael Hanekes Kinoerstling Der Siebente Kontinent vor 30 Jahren auf den Filmfestspielen in Cannes zum Anlass, seine »Trilogie der emotionalen Vergletscherung« erstmals in brandneuen, sorgfältig durchgeführten digitalen Restaurierungen wieder auf der Leinwand zu präsentieren. Mit der Programmschiene Re-Release macht das Filmarchiv Austria eine seiner Kernkompetenzen – das heimische Filmerbe nicht nur zu bewahren, sondern auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen – unmittelbar sicht- und erfahrbar.

Österreich-Premiere der restaurierten Fassungen
Der Siebente Kontinent (A 1989)
DI 23.4.: In Anwesenheit von Michael Haneke

Vor fast exakt 30 Jahren, am 20. Mai 1989, feiert Michael Haneke mit Der Siebente Kontinent sein Kinodebüt in Cannes. Der Film bildet den Auftakt seiner viel diskutier- ten »Trilogie der emotionalen Vergletscherung« der postindustriellen Konsum- und Mediengesellschaft – es folgen Benny’s Video (1992) und 71 Fragmente einer Chronologie des Zufalls (1994). Über den Zeitraum von drei Jahren zeichnet er hier den unspektakulären Alltag einer Linzer Mittelstandsfamilie nach. Bis das Ehepaar beschließt, gemeinsam mit der zehnjährigen Tochter in den Tod zu gehen, und die Tat auf brachiale Weise vollzieht. Ein zutiefst verstörendes Traktat über das »Grauen der Wirklichkeit«, von einer bis dahin im österreichischen (Erzähl-)Kino ungekannten stilistischen Klarheit und Präzision.

Benny’s Video (A/CH 1992)

Szenen einer Hausschlachtung. Der Bolzenschussapparat wird angesetzt, das Schwein ringt mit dem Tod. Rewind. Benny, ein wohlstandsverwahrloster Sohn aus gutem Hause, thront zwischen Monitoren und Abspielgeräten. Verschanzt in seinem Ein-Zimmer-Reich, ediert er seine eigenen Erfahrungen, kehrt immer wieder zur Szenerie der familiären Schlachtun gzurück. Als er vor einer Videothek einem Mädchen begegnet, führt dies nicht zur pubertär-sexuellen Erfahrung, sondern zum Mord. Der Tod in Slow Motion, als Wirklichkeitstest.

71 Fragmente einer Chronologie des Zufalls (A/D 1994)

Am Vorweihnachtstag eröffnet ein Student in einer Bank willkürlich das Feuer, tötet mehrere Menschen und sich selbst. Wie in "Der Siebente Kontinent" und "Benny’s Video" bildet eine Gewalttat ohne offensichtliches Motiv den Kern der Handlung. Nach den Längsschnitten von zwei Familiengeschichten folgt der Querschnitt durch die Gesellschaft. Haneke erstellt ein Protokoll der existenziellen Überforderung und gliedert es in 71, durch Schwarzfilm voneinander getrennte Alltagsszenen: Die mediale Wirklichkeit ist ein komplexes, manipulatives Konstrukt. Großes Kino der Beunruhigung.

Re-Release: Michael Haneke »Trilogie der emotionalen Vergelsterung«
23. April bis 1. Mai 2019 im Metro Kinokulturhaus

Filmarchiv Austria
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Fragmente einer Chronologie des Zufalls (A/D 1994)
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Benny’s Video (A/CH 1992)
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Der Siebente Kontinent (A 1989)
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