11. Februar 2010 - 2:21 / Bühne / Musiktheater 

Nachdem sie sich 1899 in Berlin-Pankow im Hause des Dichters Richard Dehmel kennengelernt hatten, begegneten sich Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal zu Beginn des neuen Jahrhunderts in Paris. Eine einschneidende Begegnung für beide Seiten, welche bis zum Tode Hofmannsthals zu einer der erfolgreichsten Arbeitsgemeinschaften der Operngeschichte werden sollte.

Im Jahre 1903 besuchte Richard Strauss die Uraufführung von Hofmannsthals Tragödie "Elektra" in Berlin. Die anfänglichen Bedenken von Strauss konnte Hofmannsthal zerstreuen. Die einzigen Ähnlichkeiten der Stücke bestünden darin, so Hofmannsthal, dass sie Einakter seien, einen Frauennamen trügen, im Altertum spielten und in Berlin uraufgeführt wurden. Wünsche von Strauss, einen Stoff aus der Renaissance oder der Französischen Revolution zu verfassen, stießen bei Hofmannsthal auf taube Ohren. Er meinte, dass er in absehbarer Zeit keinen anderen Stoff als den der Elektra hervorbringen könne. Schließlich schrieb Strauss im Juni 1906 an Hofmannsthal: "Ich habe mit der "Elektra" begonnen, es geht aber noch schwer von der Hand."

Diverse Wünsche von Strauss nahm Hofmannsthal auf und änderte das Libretto nach den Wünschen des Komponisten, um die Handlung noch dramatischer zu gestalten. So weitete er die Orest-Szene aus, so dass Strauss ein Zwischenspiel einfügen konnte, während Elektra ihren wieder zurückgekehrten Bruder betrachtet. Dann wiederholt sie Orests Namen noch drei Mal, und versinkt beinahe in Zärtlichkeiten, bevor sie wieder in eine düstere, rachsüchtige Stimmung verfällt. "Elektra" ist reich instrumentiert. Mit 111 Musikern verlangt sie ein noch größeres Orchester als "Salome". Aber die Musik gegenüber der "Salome" ist härter, herber, dissonanter; sie enthält polytonale Passagen und gewaltige Klangblöcke wie aus Granit. Nach der "Elektra" konnte die Symphonieoper keine weitere Steigerung erfahren.

Am 25. Januar 1909 wurde schließlich die Oper, wie bereits Salome vier Jahre zuvor, in Dresden uraufgeführt. Richard Strauss schreibt in seinen Erinnerungen: "Der Erfolg der Premiere war, was ich, wie gewöhnlich, erst nachträglich erfuhr, ein anständiger Achtungserfolg. Angelo Neumann telegrafierte nach Prag sogar "Durchfall"! Jetzt gilt vielen "Elektra" als Höhepunkt meines Schaffens! Andere stimmen für "Die Frau ohne Schatten"! Das große Publikum schwört auf den "Rosenkavalier". Man muß zufrieden sein, als deutscher Komponist es so weit gebracht zu haben." Unmittelbar nach der Uraufführung setzte das Werk seinen Siegeszug um den Erdball fort. Nach dem Erscheinen des "Rosenkavaliers" und nach dem ersten Weltkrieg wurde es etwas ruhiger um das Werk. Heute ist "Elektra" ein fester Bestandteil des Repertoires der Opernhäuser.

"Elektra" ist das radikalste Musiktheater von Richard Strauss – kompromisslos, wild und expressionistisch. Ein riesiger Orchesterapparat produziert rauschhafte Klänge an den äussersten Grenzen der Harmonik. Der Stoff ist archaisch: Für den Mord an ihrem Vater Agamemnon will Elektra sich gemeinsam mit ihrem Bruder Orest an ihrer Mutter Klytämnestra rächen. Sie selbst lebt ausserhalb des Palastes bei den Hunden und ersehnt die Rückkehr Orests. Endlich erscheint er und bringt Klytämnestra und ihren Geliebten Aegisth um. Elektra beginnt einen ekstatischen Freudentanz, auf dessen Höhepunkt sie tot zusammenbricht.

Elektra von Richard Strauss
Premiere: Sa 23. Januar 2010, 20 Uhr

Weitere Vorstellungen:
26.01.2010, 19.30 Uhr
29.01.2010, 19.30 Uhr
31.01.2010, 20.00 Uhr
05.02.2010, 19.00 Uhr
07.02.2010, 14.00 Uhr
10.02.2010, 19.00 Uhr
14.02.2010, 19.30 Uhr

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