23. März 2021 - 11:48 / Ausstellung / Gegenwartskunst 
24. März 2021 6. Juni 2021

Die Ausstellung "Transformation und Wiederkehr" im Lentos betrachtet Radikale Nationalismen im Spiegel zeitgenössischer Kunst. Die versammelten Werke von 14 Künstlerinnen und Künstlern, darunter Monica Bonvicini, Henrike Naumann oder Ines Doujak, reinszinieren und dekonstruieren grundlegenden faschistoide Mechanismen.

Das Jahr 1945 bezeichnet das Ende des zweiten Weltkrieges und der nationalsozialistischen Herrschaft. Ideen und Weltanschauung bleiben aber auch nach dieser Zäsur in unterschiedlichen Zusammenhängen wirksam. Nationalistische und rechtsextreme politische Strömungen beziehen sich direkt oder indirekt auf die Geisteshaltung des Faschismus und Nationalsozialismus. Dieser Wiederkehr rechtsextremer Positionen im Politischen entspricht eine gleichzeitige kritische Repräsentation des Faschismus in der bildenden Kunst und der Literatur. Ästhetische Versatzstücke dieser Weltanschauung werden auch immer wieder durch die Populärkultur angeeignet. Sowohl im Feld des Imaginären als auch in dem des Realen spiegeln sich diese Erscheinungen wider. Die Ausstellung versammelt künstlerische Positionen und Strategien einer Auseinandersetzung mit den Phänomenen Faschismus und Nationalsozialismus. Sie reichen von Aneignung und mimetischer Subversion bis hin zur analytischen Betrachtung, Re-inszenierung und Dekonstruktion faschistoider Mechanismen, wie der Fetischisierung von Autoritäten oder obsessiven Untergangsphantasien.

Ein Aspekt des Ausstellungsprojektes ist die These des Psychoanalytikers Wilhelm Reich, nach der Faschismus ein originär sexualisiertes politisches Feld mit daraus resultierenden prekären Geschlechtsidentitäten sei. Daraus ergibt sich die Fragestellung wie dieses politische System, trotz (oder gerade wegen?) seines real reaktionären Charakters, eine kontinuierliche Projektionsfläche transgressiver Phantasien werden konnte. Schlussendlich soll diese Ausstellung auch einen Blick darauf werfen, welche künstlerischen Strategien dazu geeignet sind, aktuelle totalitäre und rechtsextreme Entwicklungen zu visualisieren.

Zu sehen sind Werke von 14 KünstlerInnnen die die Thematik aus unterschiedlichen Perspektiven untersuchen. Annika Larsson nimmt die gesellschaftlichen Mechanismen von Dominanz und Unterwerfung, Kontrolle und Machtlosigkeit unter die Lupe. Dies kommt in ihrer Videoarbeit "Dog" (2001) zu Tage: Zwei Männer im Anzug. Einer hält einen Hund an einer Metallkette, und genau darauf fällt unser Blick. Ähnliches wird auch durch Monica Bonvicinis Serie von Bronzeskulpturen namens "Belt Exercise" (2018), sichtbar. Die Skulpturen sind im Zuge ihrer Performance im Münchner Herkulessaal 2016 entstanden. Die Gürtel sind dabei assoziativ aufgeladene Objekte. Sie verweisen auf männlich besetzte Autorität und auf Disziplinarmaßnahmen. Henrike Naumann hingegen untersucht die Spuren der sozialen, politischen und ökonomischen Transformation der DDR und vor allem die rechtsextremen Entwicklungen ihrer alten Heimat. Dabei spielt sie mit der vertrauten Neunzigerjahre-Ästhetik und nationalistischer Symbolik, wie sie sich in Alltagsdingen zeigen. So wird in der Arbeit "M40B3" (2019) ein dekonstruierter Bauhaus-Stuhl zu einem Schussapparat. Markus Proschek, der gemeinsam mit Lentos Direktorin Hemma Schmutz die Schau kuratiert hat, ist ebenfalls mit einer künstlerischen Arbeit vertreten. In "Laminat" (Opfer) (2019) inszeniert der Künstler Geschichte analog als Schichtungen.

Verschiedene Bedeutungsebenen, so der Bezug auf ein nationalsozialistisches Gemälde und das Logo der Identitären Bewegung, werden in Trompe-l'œil Technik als Lagen von abgerissenen Plakaten dargestellt. Proschek unterzieht in der Doppelrolle als Künstler und Kurator das eigene Werk hier einer genauen Befragung: Die Quellen der Motive und Bezugsmaterialen für das Gemälde werden offengelegt. Ein feines Gewebe von verschiedenen Bezügen, dass sich durch die gesamte Ausstellung zieht.

Künstlerinnen und Künstler: Monica Bonvicini Keren Cytter Martin Dammann Ines Doujak Riccardo Giacconi Erez Israeli Franz Kapfer Laibach Annika Larsson Henrike Naumann Markus Proschek Roee Rosen Dennis Rudolph Christina Werner

Transformation und Wiederkehr
Radikale Nationalismen im Spiegel der zeitgenössischen Kunst
24. März bis 6. Juni 2021

Lentos Kunstmuseum Linz
Ernst-Koref-Promenade 1
A - 4020 Linz

W: http://www.lentos.at/

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  •  24. März 2021 6. Juni 2021 /
Annika Larsson, Dog, video still, 2001 © Annika Larsson
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Herbert Bayer, Vasenol, Werbeplakat, um 1930,  Lentos Kunstmuseum Linz © Bildrecht Wien, 2021
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Ines Doujak,  o. T., 2007  © Ines Doujak
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Henrike Naumann, M40B3 (Bauhausjahr), 2019, Mixed Media Installation, Installationsansicht, 4. Berliner Herbstsalon, Gorki Theater Berlin 2019, Foto: Ladislav Zajac, Courtesy the artist and KOW Berlin / Madrid
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Markus Proschek, Laminat (Opfer), 2019, Courtesy: Markus Proschek/SVIT Gallery Prague
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Martin Dammann, Soldier Studies, 2007, Sammlung Martin Dammann, Foto-Reproduktion Martin Dammann
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Christina Werner, Neues Europa #3, 2013, Leihgabe der Künstlerin © Bildrecht Wien, 2021 und Christina Werner
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