11. Juni 2021 - 9:30 / Ausstellung / Gegenwartskunst 
11. Juni 2021 31. Juli 2021

In "puzzled", der neuen Ausstellung des Kunstraum Niederoesterreich, kuratiert von der künstlerischen Leiterin Katharina Brandl, kommen mit Susanna Flock und Xénia Laffely zwei Künstlerinnen zusammen, die sich der Schnittstelle zwischen Analog und Digital mit unterschiedlichen kreativen Zugängen nähern.

Spätestens seit viele von uns im letzten Jahr vermehrt Erfahrungen mit Homeoffice gemacht haben, dürfte klar sein: Im 21. Jahrhundert gibt es keine Trennung zwischen analoger und digitaler Welt. Begriffe wie "digital detox", also der bewusste Verzicht auf Internetdienstleistungen, sind in aller Munde. Länger als einen Tag ist ein "digital detox" jedoch kaum zu bewältigen, sofern man nicht allein im Wald lebt. Unser aller Leben spielt sich längst genauso im digitalen wie im vermeintlich "realen", analogen Raum ab. Doch was ist eigentlich mit den Zonen des Übergangs von Analog zu Digital? Gibt es ein Niemandsland zwischen den – verschwommen anmutenden – Grenzübergängen?

Die österreichische Künstlerin Susanna Flock beschäftigt sich in ihrer künstlerischen Praxis unter anderem damit, wie die Digitalisierung die Lebensbedingungen der Menschen verändert hat. Flock arbeitet mit Text, Sound, Fotografie, Grafik, Installation und vor allem Video, welches zentral in ihrer künstlerischen Praxis ist. In "puzzled" ist sie mit drei Videoinstallationen und einer Serie von fünf Fotogrammen vertreten. Ein Beispiel für ihre Auseinandersetzung mit der Schnittstelle von analog und digital ist die Videoarbeit "I don’t exist yet" (2019). Darin untersucht sie, welche Techniken hinter perfekt animierten digitalen Bildern stehen, die durch Computer Generated Imagery (CGI) angereichert werden. Flock interessiert sich für die Platzhalterobjekte, also für Objekte, die normalerweise nicht sichtbar sind, und eröffnet dadurch einen Blick auf die Rückseite digitaler Bilder. Synthetisch zusammengesetzte Körper finden sich auch in Flocks neuester Arbeit, der Mehrkanal-Videoinstallation "Building AI out of Clay" (2021), in der uns ein Frankenstein-ähnliches Wesen begegnet. In die Welt geworfen, ohne seinesgleichen, versucht es, sich mithilfe seines Smartphones zu orientieren. "Building AI out of Clay" sowie die Videoarbeit "Mukbang" (2021), die sich mit dem gleichnamigen Internet-Phänomen auseinandersetzt, werden in dieser Ausstellung erstmals gezeigt.

Ideen aus Mary Shelleys Frankenstein scheinen auch durch die Arbeiten der in Montreal lebenden Schweizer Künstlerin Xénia Laffely zu geistern. Laffely baut Brücken zwischen der analogen und der digitalen Welt, indem sie mittels Photoshop Bilder gestaltet, die aus unterschiedlichen Versatzstücken ihres Archivs bestehen. So werden beispielsweise Selfies mit Instagramfiltern, Schnappschüsse oder Screenshots miteinander vermischt. Diese digital neu entstandenen Bilder übersetzt Laffely anschließend in Textil, wobei sie nicht nur den Bildinhalt, sondern auch die Eigenschaft der Software, die Informationen in Ebenen zu strukturieren, übernimmt. Das Ergebnis sind großformatige textile Arbeiten, bestickt und verquiltet, wie "J’ai la gueule tordue" (2019), die ganz klar eine digitale Ästhetik aufweisen, oder die Textilpolster-Serie "Foam" (2020-21), in der uns mithilfe von Instagramfiltern veränderte, fantastisch anmutende Gesichter entgegenblicken. Laffelys Arbeiten werden im Rahmen von "puzzled" zum ersten Mal in Österreich gezeigt.

Die österreichische Künstlerin Susanna Flock studierte Bildende Kunst im Bereich Experimentelle Gestaltung an der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz sowie Video und Videoinstallation an der Akademie der bildenden Künste in Wien. In ihren künstlerischen und filmischen Arbeiten fokussiert sie auf die Beziehung des menschlichen Körpers zu seiner technologisch geprägten Umgebung. Zuletzt wurde sie mit der "Pixel, Bytes and Film Residency" (2020), dem Viktor-Fogarassy-Preis (2019) und dem Österreichischen Start-Stipendium für Medienkunst (2018) ausgezeichnet. Ihre Arbeiten wurden bei Filmfestivals und Ausstellungen gezeigt. Ihre letzte Einzelausstellung fand 2020 unter dem Titel "Try to change the angle of the sun" in der Titanik Gallery in Turku (FI) statt. 2020 nahm sie außerdem mit einer Videoinstallation an der Gruppenausstellung "Stormy Weather" im Kunstraum Niederoesterreich teil. Susanna Flock lebt und arbeitet in Wien.

Xénia Laffely ist eine Schweizer Künstlerin und Designerin, die seit 2019 in Montreal (CA) lebt und arbeitet. Sie studierte Modedesign an der Haute école d'art et de design – Genève sowie französische Literatur und Kunstgeschichte an der Universität Lausanne. Seit 2017 zeichnet sich ihre künstlerische Praxis durch die Übersetzung von digitalen Bildern in Textilen und Keramik aus. In ihren Arbeiten verbindet sie die traditionelle Sprache der Quilt- und Patchworkarbeit mit der zeitgenössischen Ästhetik digital zirkulierender Bilder und schafft so hybride Werke, die Hierarchien zwischen Kunst, Design und Handwerk in Frage stellen. 2018 war sie eine der Gewinnerinnen der Swiss Design Awards für ihre Serie von 12 bestickten Decken, eine persönliche feministische Genealogie, die in mehreren Einzel- und Gruppenausstellungen in Europa gezeigt wurde. 2020 stand sie auf der Shortlist der Swiss Art Awards.

puzzled
Susanna Flock & Xénia Laffely
Kuratorin:KatharinaBrandl
11. Juni 2021 bis 31. Juli 2021

Kunstraum Niederösterreich
Herrengasse 13
A - 1014 Wien

W: http://www.kunstraum.net/

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  •  11. Juni 2021 31. Juli 2021 /
Susanna Flock: I don’t exist yet (2020), Digitalvideo in Farbe, 16:9 © Susanna Flock
Susanna Flock: I don’t exist yet (2020), Digitalvideo in Farbe, 16:9 © Susanna Flock
Susanna Flock: Mukbang (2021), Zwei-Kanal Videoinstallation ©Susanna Flock: Mukbang (2021), Zwei-Kanal Videoinstallation © Susanna Flock Susanna Flock
Susanna Flock: Mukbang (2021), Zwei-Kanal Videoinstallation © Susanna Flock
Xénia Laffely: J’ai la gueule tordue (2019). Mehrere Lagen von bedrucktem Satin und gestepptem Samt, 160 x180 © Xénia Laffely, Foto: © Myriam Ziehli
Xénia Laffely: J’ai la gueule tordue (2019). Mehrere Lagen von bedrucktem Satin und gestepptem Samt, 160 x180 © Xénia Laffely, Foto: © Myriam Ziehli
I am trying to reach you with my tongue, 2020 (l.), From beneath you it devours, 2020 (r.), Pölster mit Stickerei © Xénia Laffely
I am trying to reach you with my tongue, 2020 (l.), From beneath you it devours, 2020 (r.), Pölster mit Stickerei © Xénia Laffely