19. März 2012 - 1:31 / Ausstellung 
18. Dezember 2011 25. März 2012

Zum Jahresende werden in der Sammlung Falckenberg poetisch-surrealistisch anmutende Bilder der amerikanischen Malerin Ena Swansea und subversiv-hintergründige Werke des in Berlin lebenden finnischen Künstlers Robert Lucander gezeigt. Der Titel der Ausstellung spielt auf den gleichnamigen Horror-Klassiker von Alfred Hitchcock an und lässt an die Entgleisungen von Schizophrenen, Psychopaten oder anderer psychisch Kranker denken.

"Psycho" bedeutet im Griechischen "Seele". Der Begriff der Geisteskrankheit leitet sich von der Vorstellung ab, dass der Mensch am Geist erkranken kann. Umgangssprachlich wird mit "Psycho" eine psychisch erkrankte, häufig verhaltensauffällige und zu aggressivem Verhalten neigende Person bezeichnet, die ihre Umwelt verstört und bedroht. In der Psychoanalyse werden tiefenpsychologische Traumata und Verhaltensstörungen behandelt. Der Begriff weckt die Erwartung von Kunst, die das Nichtkonforme, Verrückte und dadurch Bedrohliche oder Unheimliche zum Thema hat.

Die Gemälde von Ena Swansea (geboren 1965 in North Carolina) handeln von Träumen und Affekten und zeugen von einer Faszination für das Rätselhafte und die Kraft der Phantasie. Man kann die Bilder als Ausdruck von unterbewussten und irrationalen Wünschen und Ängsten aus den Tiefen der Erinnerung lesen. Ihre flüchtig anmutenden "Traumbilder" vermitteln sich dem Betrachter in der non-verbalen Form und sinnlichen Unmittelbarkeit der Malerei. In Form der klassischen Genres des Porträts, des Gruppenbildes und der Landschaftsmalerei bringt Swansea ihre intimen Gefühle zum Ausdruck. Ihre Malerei dient der Selbstvergewisserung und entspringt dem Bedürfnis nach der Auseinandersetzung mit der eigenen Befindlichkeit und den persönlichen Ängsten und Traumata und hält gleichzeitig der Gesellschaft einen Spiegel vor.

Das Hauptinteresse des in Berlin lebenden Robert Lucander (geboren 1962) gilt ebenfalls dem Porträt und Gesellschaftsbild, allerdings nicht im traditionellen Sinn. Weder geht es ihm inhaltlich um das Erfassen des Wesens der abgebildeten Person, noch formal um den klassisch malerischen Prozess der Realitätsabbildung. Im Gegensatz zum suggestiven Illusionismus Ena Swanseas steht bei Robert Lucanders Werken das verwendete Material und die bildkünstlerische Technik selbst im Vordergrund. So scheinen sich die Bilder und Montagen des finnischen Künstlers unmittelbar aus dem Bildträger selbst, der Maserung und den Astlöchern des hölzernen Bildträgers herauszuschälen.

Lucander bedient sich der Bildwelt der Magazine und der Werbung, zerlegt die bunte Medienwelt in Fragmente und setzt sie durch Reduktion, Übermalung, Montage, Spiegelungen und Vervielfältigung zu eigenen Bild-Aussagen zusammen, die nur auf den ersten Blick oberflächig und harmlos wirken. Alltägliche Pressemeldungen und Zeitungsbilder benutzt der Künstler für seine subversiv-humorvollen Studien menschlicher Gesten und Grimassen und deckt die gesellschaftlichen Abgründe hinter der Welt der schönen Bilder auf.

Sowohl der ephemer-psychologische Charakter der Gemälde Ena Swanseas als auch das analytisch Fragmentarische und die mediale Entfremdung, die sich in den Werken von Robert Lucander manifestiert, führen bei aller Verschiedenheit zur Irritation des Betrachters. Beide Künstler verunsichern unsere Sehgewohnheit, erzeugen ein subtiles Unbehagen und entlarven wahlweise die eigene oder gesellschaftliche Wirklichkeit als "ver-rückt".

Katalog: Dirk Luckow (Hg.): "Psycho". Mit einer Einleitung von Dirk Luckow sowie Texten von Harald Falckenberg, Belinda Grace Gardner und Miriam Schoofs. 56 Seiten. Snoeck: Köln 2011. 14,80 Euro.

Psycho - Ena Swansea & Robert Lucander
18. Dezember 2011 bis 25. März 2012

Sammlung Falckenberg
Wilstorfer Straße 71, Tor 2
D 21073 Hamburg - Harburg
T 0049 (0)40 32506762

Ein Besuch der Sammlung Falckenberg ist nur innerhalb von Führungen möglich. Diese finden mittwochs und donnerstags um 18 Uhr, freitags um 17 Uhr sowie samstags und sonntags um 11 und 15 Uhr statt. Eine Anmeldung ist erforderlich und kann telefonisch oder über die Internetseite der Sammlung Falckenberg vorgenommen werden. Gruppen-Sonderführungen sind täglich nach Absprache möglich.

Deichtorhallen Hamburg
Deichtorstraße 1-2
D - 20095 Hamburg

W: http://www.deichtorhallen.de/

weitere Beiträge zu dieser Adresse



  •  18. Dezember 2011 25. März 2012 /
18385-1838501.jpg
Ena Swansea: big ocean, 2005. Grafit und Öl auf Leinwand. 266,7 x 381 cm; Courtesy Assante Collection, CH. © Ena Swansea
18385-1838502.jpg
Ena Swansea: devil on the road, 2005. 182,9 x 243,8 cm; Courtesy Sammlung Falckenberg. © Ena Swansea
18385-1838503.jpg
Ena Swansea: gay wedding 2, 2005. 182,9 x 213,4 cm; Courtesy Sammlung Falckenberg. © Ena Swansea
18385-1838504.jpg
Robert Lucander: Der Mann, sagt einer, der leidet wirklich (Helmut Kohl), 2000. 100 x 70 cm; Courtesy CFA, Claudia Tetzner, Düsseldorf. © Robert Lucander
18385-1838505.jpg
Gefährlich und angriffslustig, 2003. 140 x 100 cm; Courtesy Sammlung Falckenberg. © Robert Lucander