Der im Dezember 2025 eröffnete „curious – creative space Lech“ versteht sich als kuratierter Ort für zeitgenössische Kunst, Design und interdisziplinäre Formate. Er hat sich zum Ziel gesetzt, internationale und regionale Positionen mit dem alpinen Kontext zu verbinden und Kunst als räumliche und sinnliche Erfahrung zugänglich zu machen. Ab Donnerstag, dem 29. Januar, präsentiert er in einer Gruppenausstellung fünf internationale künstlerische Positionen, die sich mit dem Thema Wahrnehmung auseinandersetzen und an der Schnittstelle von Malerei, Skulptur, Licht und Raum operieren.
Im Zentrum der Gruppenausstellung steht die Frage, wie Wahrnehmung funktioniert, wie sie sich verändert und wie Kunst diesen Prozess räumlich und sinnlich erfahrbar machen kann. Mit Heinrich Bobst, Christian Herdeg, Sun Rae Kim, Dirk Salz und Martha Scheeren sind Künstler:innen aus der Schweiz, Deutschland, Korea und den Niederlanden vertreten. Licht, Farbe und Material werden dabei als eigenständige, wirksame Größen verstanden, deren Bedeutung erst im Akt des Sehens entsteht. Die gezeigten Arbeiten verzichten auf erzählerische Inhalte und richten den Fokus auf das Sehen selbst als zeitlichen, körperlichen und situativen Prozess. Wahrnehmung wird dabei als etwas Zeitgebundenes und Instabiles erfahrbar, das sich im Zusammenspiel von Kunst, Raum und Betrachtenden immer wieder neu formiert. So verändern viele der Werke ihre Erscheinung mit dem Blickwinkel oder der Annäherung, fordern Bewegung und Aufmerksamkeit und machen Sehen zu einer körperlichen Erfahrung.
Gemeinsam formulieren die fünf Positionen eine Haltung der Verlangsamung. „Point of Perception” richtet sich gegen schnelle Zuschreibungen und visuelle Überreizung und lädt stattdessen zu einem bewussten, konzentrierten Sehen ein. Die Ausstellung versteht Wahrnehmung nicht als passive Aufnahme, sondern als aktiven Dialog zwischen Kunstwerk, Raum und Betrachter:in. „Point of Perception“ fordert kein Lesen, sondern ein Sich-Einlassen, kein Verstehen im narrativen Sinn, sondern ein aufmerksames Wahrnehmen“, so Kuratorin Helena Ponier.
Heinrich Bobst (* 1946, CH) arbeitet an der Schnittstelle von Skulptur, Raum und Wahrnehmung. Seine Werke zeichnen sich durch eine klare, konstruktive Formensprache aus, in der Material, Licht und Farbe in ein spannungsreiches Wechselverhältnis treten. Häufig verwendet er industrielle Materialien wie Metallprofile und Acrylglas, deren Oberflächen Licht reflektieren, brechen oder farblich modulieren. Bobst versteht Skulptur nicht als statisches Objekt, sondern als räumliche Situation, die sich je nach Standpunkt und Lichteinfall verändert. Er lebt und arbeitet in der Schweiz.
Christian Herdeg (* 1942 in der Schweiz) zählt zu den Pionieren der Lichtkunst in Mitteleuropa. Seit den späten 1960er-Jahren arbeitet er mit lichtkinetischen Installationen und setzt sich in seinen Arbeiten mit Neon- und Argonröhren mit der Frage auseinander, was Licht ist und was es vermag, insbesondere auch in der Interaktion mit unterschiedlichen Farbflächen. Seine Arbeiten sind international in öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten.
Sun Rae Kim (* 1966 in Korea) arbeitet mit alltäglichen und industriellen Materialien wie PVC, Gummi, Holz, Stoff und Fäden und formt daraus haptische, teils skulpturale Objekte. Kim beschäftigt sich mit der sinnlichen und körperlichen Erfahrung von Form, Farbe und Struktur. Oft erinnern ihre organischen Gebilde an Seerosen oder fantastische Lebensformen und schaffen so eine spielerische Verbindung zwischen Natur und Kunst. Kim lebt und arbeitet in Hannover.
Dirk Salz (* 1962, Deutschland) bewegt sich zwischen Malerei und Skulptur. Seine präzise aufgebauten Farbraumkonstruktionen aus mehreren übereinander liegenden Schichten von pigmentierten Harzen treten in einen Dialog mit Licht, Raum und Betrachtern. Die zunächst homogen wirkenden Oberflächen offenbaren erst in unmittelbarer Nähe multiple Ebenen und Überlagerungen, deren gestalterischer Minimalismus eine maximale Sogwirkung entfaltet. Salz lebt und arbeitet in Deutschland.
Martha Scheeren (* 1958 in den Niederlanden) widmet sich in ihrer Malerei der konzentrierten Erforschung von Farbe, Struktur und Wahrnehmung. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch eine reduzierte, präzise Bildsprache aus, in der Farbe nicht als expressives Mittel, sondern als eigenständiges, wirkungsvolles Phänomen erscheint. Schichtungen, subtile Tonabstufungen und eine klare formale Ordnung bestimmen ihre Bildwelten und erzeugen eine stille, zugleich intensive visuelle Präsenz. Scheeren lebt und arbeitet in den Niederlanden.
"Point of Perception"
bringt internationale Kunst nach Lech.
Eröffnung: 29.01.2026, 16:00–20:00 Uhr
Ausstellungszeitraum: 29.01.–22.02.2026
Öffnungszeiten: Mo–Sa 10:00–19:00 Uhr, So 12:00–19:00 Uhr
In Kooperation mit der c.art Galerie, der Galerie am Lindenplatz und dem Studio Ponier.