„Pling!” – Design hören

Design kann man auch hören. Das Hören rückt zwar immer stärker in den Fokus des Designs, beschränkt sich dabei jedoch nicht auf den Gehörsinn. Denn wir hören auch mit den Augen und sehen mit den Ohren. Die Ausstellung zeigt anhand von Projekten aus den Bereichen Design, Architektur, Forschung und Kunst, wie diese beiden Sinne zusammenwirken, wie das Hören ein breiteres Verständnis von Gestaltung ermöglicht und neue Zugänge zu unserer gestalteten Umwelt eröffnet.

Seit jeher werden Klänge genutzt, um auf etwas aufmerksam zu machen. Die Welt ist voller akustischer Signale, von denen wir viele jeden Tag hören. Eine schrille Sirene aktiviert den Körper, Alarme steuern Menschen und kontrollieren Verhalten. In sieben Kapiteln geht die Ausstellung dem Klang auf die Spur – vom Lärm über die Erforschung akustischer Phänomene bis hin zum Wohlklang. Dabei wird auch die Frage aufgeworfen, was in den oft als selbstverständlich wahrgenommenen Schallwellen steckt.

„In einer Zeit, in der digitale Interfaces unseren Alltag prägen, Produkte zunehmend automatisiert kommunizieren und Städte immer dichter werden, spielt die akustische Qualität von Räumen und Objekten eine entscheidende Rolle. Design steht heute mehr denn je vor der Aufgabe, Klang bewusst zu gestalten – als Teil von User Experience, räumlicher Orientierung und gesellschaftlicher Teilhabe. Design nutzt dabei Erkenntnisse aus Architektur, Kunst und Forschung", sagt Meret Ernst, Kuratorin.

Denn bevor Klang gestaltet werden kann, muss verstanden werden, was wir überhaupt hören – und was wir überhören. Mit dieser Thematik befassen sich Disziplinen wie Bioakustik, Sound Studies und künstlerische Forschung. Sie erforschen, was Ton, Klang oder Lärm ist und welche gesellschaftlichen Bedeutungen sie tragen. Was empfinden wir als angenehm, was als störend? Was laut und chaotisch klingt, belastet, und zu viel Lärm macht krank. Lärmschutz ist daher nicht nur eine technische, sondern auch eine gesellschaftliche und gestalterische Aufgabe. In der Architektur, im Städtebau und in der Raumplanung spielt die Akustik deshalb eine zentrale Rolle. Sie bildet die Grundlage dafür, dass das Zusammenleben in verdichteten Lebensräumen funktioniert.

Designer:innen entwerfen mit dem Hörsinn und für das Hören. Das Produktdesign – vom Musikinstrument über das Abspielgerät bis zum Hörgerät – zeigt, wie etwas klingt. Für Menschen mit Wahrnehmungs- oder motorischen Einschränkungen schafft inklusives Design neue Zugänge zur Welt. In der Ausstellung werden spekulative Ansätze präsentiert, die überraschende Wege für höreingeschränkte Menschen aufzeigen. Dazu gehören ein sprachgesteuerter Notruf ebenso wie ein zweiteiliger Stereo-Lautsprecher für das Heimkino, der eine bessere Sprachverständlichkeit ermöglichen soll. Eine weitere Arbeit befasst sich mit der Frage, wie die Formfindung im Austausch mit Menschen, die die Welt nicht sehen, aber intensiv hören können, profitieren kann.

Zugleich gestaltet Design auch die „Tonspur” von Objekten, die gar nicht klingen: die Identität einer Firma, das Signal einer Verkehrsampel oder das Klicken eines mechanischen Verschlusses. Smartphones und Computer fordern auch akustisch unsere stete Aufmerksamkeit. Umgekehrt verschwindet vieles, was Schallwellen erzeugt, sang- und klanglos, weil es gedämpft, reguliert oder von neuer Technologie überlagert wird. Schließlich ermöglicht und verbessert Engineering das Hören und sorgt dafür, dass akustische Reize in der richtigen Dosierung an unsere Ohren und in unsere Körper gelangen.

Pling! Design hören
22. Mai 2026 – 20. September 2026
Meret Ernst, Kuratorin, Museum für Gestaltung Zürich