Mit etwa 350 Schwarz-Weiß- und Farbphotographien, teilweise als signierte vintage prints, wird den "bad boys" des Mediums Photographie erstmals in Deutschland eine umfangreiche Präsentation gewidmet. Mit Erich Salomon, Weegee, Ron Galella, Edward Quinn, Daniel Angeli, Tazio Secchiaroli, Jean Pigozzi sowie Helmut Newton werden Vorläufer wie Hauptvertreter der "klassischen" Zeit der Paparazzi-Photographie präsentiert. Gleichzeitig wird das Phänomen künstlerisch kommentiert und paraphrasiert.
So wird anhand von Schnappschüssen aus sechs Dekaden die Geschichte dieser Art von Prominentenphotographie, die mit exklusiven Berichten über den Jetset immer wieder für Auflagensteigerungen der Yellow Press sorgte, illustriert und medienreflexiv untersucht. Vielleicht begann alles mit Erich Salomon in den 1930er Jahren, der sich als ausgebildeter Jurist und photographischer Autodidakt Zugang zu politischen Veranstaltungen verschaffte und vermutlich als erster unerkannt in Gerichten photographierte, was damals (wie auch heute) verboten war. Gelegentlich wurde er "erwischt", aber kaum behelligt.
Der Begriff "Paparazzi" geht zurück auf den Film "La Dolce Vita" (1960) von Federico Fellini. Der Regisseur verlieh hier dem Photographen Tazio Secchiaroli, der später zu seinem Set-Photographen avancierte, den Namen Paparazzo. Secchiaroli machte seinem Namen alle Ehre: gemeinsam mit Kollegen lauerte er seit 1960 meist abends oder nachts in der Via Veneto in Rom prominenten Opfern auf. In Südfrankreich, insbesondere an der Côte d´Azur, waren Edward Quinn und Daniel Angeli etwas später mit Teleobjektiven aktiv. In den USA, vor allem in New York und Los Angeles, genießt Ron Galella als Paparazzo seit den 1960er Jahren Kultstatus und hat viele nachfolgende Photographen indirekt oder als Mentor geprägt.
Die aktuelle Ausstellung konzentriert sich in erster Linie auf Prominentenporträts der 1960er und 1970er Jahre sowie – der Intention der Paparazzi folgend – auf die Entmythisierung der Stars im Alltagsleben. So begegnen wie Alain Delon und Prinz Charles, Mick Jagger und Woody Allen, Sophia Loren, Grace Kelly und Brigitte Bardot auf Partys, auf der Straße oder am Strand. Meist sind diese Bilder aus sicherer Entfernung entstanden. Die meisten Stars wurden überrascht. Ihre Bilder sind gewissermaßen "geraubt".
Ganz anders erscheinen die Stars auf den Photos des ebenfalls titelgebenden Photographen Jean Pigozzi, der aufgrund seines gesellschaftlichen Standes einen intensiven, mitunter intimen Zugang zu den Schönen und Reichen genießt, den viele Paparazzi sich wünschen würden. So entstehen seit den 1970er Jahren unmittelbare Prominentenporträts an privaten Orten. In seiner Serie "Pigozzi & Co" zeigt sich der Photograph Kopf an Kopf mit einer prominenten Persönlichkeit. Er inszeniert sich selbst als Freund und Fan, führt den Celebrity-Bildhunger ad absurdum und bedient ihn zugleich, wenn er diese Aufnahmen in Büchern oder – wie hier in der Ausstellung – veröffentlicht.
Helmut Newton hat Salomon und Weegee, die durchaus als Vorläufer der Paparazzi gelten können, geschätzt und die Paparazzi selbst aufgrund ihrer hartnäckigen wie geschäftstüchtigen Art geachtet. Seitdem Newton "La Dolce Vita", den Film von Federico Fellini mit Anita Ekberg in der Titelrolle, gesehen hatte, interessierte er sich für das Phänomen der Paparazzi, schrieb Helmut Newton in seiner Autobiographie. 1970 reiste er nach Rom, um dort mit "echten" Paparazzi zusammenzuarbeiten. Für einen Auftrag der Modezeitschrift "Linea Italiana" engagierte er sie, mit seinen Modellen vor seiner Kamera zu posieren. Die Paparazzi sollten bei Newtons ungewöhnlicher Versuchsanordnung das Modell so behandeln als sei es eine berühmte Person. In den 1980er und 1990er Jahren hat er die Paparazzi wieder ins Visier genommen – und diese ihn, als Helmut Newton auf dem Filmfestival von Cannes mit seinen Modellen an der Croisette arbeitete.
Mit "Pigozzi and the Paparazzi" lädt die Helmut Newton Foundation (HNF) dazu ein, alle Facetten des Genres Paparazzi-Photographie Revue passieren zu lassen. Ganz im Sinne Helmut Newtons liefert auch diese neue Ausstellungsproduktion der HNF kontroverse Inhalte und knüpft gleichzeitig an "Men, War & Peace" und "Wanted" an.
Pigozzi and the Paparazzi
20. Juni bis 16. November 2008
Eröffnung: 19. Juni 08, 18 Uhr