Mi, 17.04.2019 / Musik 

Der in 1928 in St. Pölten geborene österreichische Pianist und Komponist Jörg Demus ist am Dienstag im Alter von 90 Jahren gestorben. Demus zählt zu jener österreichischen Pianistengeneration, die sich nach 1945 in die oberste Liga der internationalen Konzertstars spielte.

Demus erhielt bereits im Alter von sechs Jahren den ersten Klavierunterricht und wurde mit elf Jahren zur Wiener Musikakademie zugelassen, wo er bis 1945 Orgel, Klavier, Komposition (Musik) und Orchesterleitung studierte. Seinen ersten Klavierabend gab er 1943 im Brahms-Saal des Wiener Musikvereins. 1950 startete er in London seine internationale Karriere. 1951–53 wechselte er zu Yves Nat nach Paris und anschließend zu Walter Gieseking nach Saarbrücken. Im Jahr 1956 erhielt er eine der bedeutendsten Auszeichnungen für Pianisten, nämlich den Ersten Preis des Internationalen Klavierwettbewerbs Ferruccio Busoni in Bozen, 1970 erhielt er den Jakob Prandtauer-Preis für Wissenschaft und Kunst der Stadt St. Pölten.

Demus genoss als großer Musiker und Lehrer weltweite Anerkennung, und er machte sich besonders durch sein Engagement für die Renaissance der Hammerflügel verdient, die er trotz aller technischen Unzulänglichkeiten alter Originalinstrumente bei vielen Aufnahmen einsetzte und damit ein hohes Maß an Authentizität erreichte. Demus spielte häufig Werke der Romantik, er trat auch als Liedbegleiter und mit Kammermusik-Ensembles und beispielsweise mit der Cellistin Maria Kliegel auf.

Das oberste Motto von ihm war bei seinen Auftritten stets der "Dienst am Werk", wovon auch Hunderte Schallplatten- und CD-Aufnahmen zeugen, die Demus in seiner langen Laufbahn einspielte. Freunde des Pioniers der historischen Aufführungspraxis konnten den Pianisten noch im Jahr 2018 in Konzerten erleben.
Über längere Zeit arbeitete Jörg Demus an einer CD-Produktion mit dem Titel "Die Geschichte des Klaviers", welche am Ende 100 vollbespielte CDs umfassen sollte.

Neben seiner aktiven Musikerkarriere unterrichtete der Ausnahmepianist auch an Musikhochschulen in Wien und Stuttgart und publizierte eine Reihe von musiktheoretischen Aufsätzen und Büchern, darunter "Abenteuer der Interpretation" (1967) und "Die Klaviersonaten von Ludwig van Beethoven" (1970).



Jörg Demus (links) mit Manfred Jahn und Werner Bartschi (Bild: konzertagentur Jahn)
Jörg Demus (links) mit Manfred Jahn und Werner Bartschi (Bild: konzertagentur Jahn)