Peter Kogler – Alphabet City

Für die Ausstellung „Alphabet City” im Francisco Carolinum Linz dient das Fotoarchiv des Künstlers als Ausgangspunkt. Die Fotografien entstanden 1985 während eines Aufenthalts in New York, einer Zeit, die Koglers weitere künstlerische Entwicklung maßgeblich prägte. Mit seiner Minox-Kamera hielt er das urbane Umfeld sowie die pulsierende Kunst- und Musikszene der Stadt in einem Moment tiefgreifender gesellschaftlicher und technologischer Umbrüche fest.

Die Ausstellung verwebt diese frühen fotografischen Aufnahmen mit raumgreifenden Tapeteninstallationen und stellt sowohl die medialen Bedingungen der 1980er-Jahre als auch deren gegenwärtige Lesbarkeit zur Diskussion. Im Zentrum stehen die originalen Kartonstücke aus seiner Ausstellung in der Galerie Gracie Mansion im East Village. Ergänzt wird die Schau durch Arbeiten, die vor 1985 entstanden sind, sowie durch Werke, die danach unter dem Einfluss seiner Zeit in den USA entwickelt wurden.

Persönliche Erinnerungen an Begegnungen mit Künstlern wie Donald Baechler oder David Wojnarowicz sowie Eindrücke aus Clubs wie der Danceteria oder dem Palladium fließen als dokumentarischer Subtext in die Vitrinen ein. Diese werden mit Artefakten aus dieser Zeit ergänzt, wie beispielsweise der Zeitschrift East Village Eye.

In dieser spannungsvollen Überlagerung von Archivmaterial, Mustern und Medienreflexion wird Koglers Werk als kontinuierlicher Dialog zwischen analoger Erinnerung und digitaler Konstruktion erlebbar.

Peter Kogler (* 1959 in Innsbruck) gilt als eine der zentralen Figuren der Medienkunst seit den 1980er-Jahren. Sein Werk verbindet die Felder der digitalen Bildproduktion, der architektonischen Raumgestaltung und serieller Reproduktionslogik. Seit mehr als vier Jahrzehnten untersucht Kogler das Zusammenspiel von Motiv, Medium und Raum und entwickelte dabei eine Arbeitsweise, die sowohl konzeptuell als auch formal stringent strukturiert ist.

Schon früh galt sein Interesse der Zeichnung. Ab Beginn der 1980er-Jahre entstanden Kartonobjekte, deren Oberflächen mit Kohlezeichnungen überzogen waren. Diese skulpturalen Arbeiten zitierten Architektur, waren zugleich Zeichnung und Objekt, Fläche und Raum. Sie sind das Ergebnis einer Auseinandersetzung mit dem expressionistischen Film der 1920er-Jahre (z. B. Fritz Lang, Robert Wiene) sowie mit Science-Fiction-Filmen. Diese Objekte wiesen bereits eine modulare Logik auf, die später in seinen großformatigen Installationen von zentraler Bedeutung wurde.

Ab 1984 begann Kogler, mit Grafikprogrammen zu arbeiten. Er nutzte die neue Technik nicht illustrativ, sondern formal. Seine ersten digital erzeugten Siebdruck-Porträts zeigte er 1984 auf der Messe in Basel, 1985 in der Gracie Mansion Gallery in New York und 1986 auf der Biennale in Venedig in der Aperto-Sektion. Damit zählte Kogler zu den ersten Künstlern, die das Potenzial des Computers als bildgenerierendes Werkzeug konsequent in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellten.

Ab den frühen 2000er-Jahren ermöglichten neue digitale Druckverfahren erstmals Großformate ohne modulare Systeme. Kogler nutzte diese Entwicklung, um sein Vokabular zu erweitern. Es entstanden immer komplexere Raumarbeiten, wie etwa beim Hauptbahnhof Graz (2003).

Auch zahlreiche Projekte im öffentlichen Raum wurden umgesetzt, bei denen Kogler verschiedene Materialien und Techniken – von Glas bis zu LED-Lichtflächen – einsetzte, beispielsweise für das Rathaus Innsbruck (2002), das Schauspielhaus Frankfurt (2002), das Flughafen-Parkhaus Wien (2005), die Fassade des CeMM in Wien (2010), die U-Bahn-Station Karlsplatz in Wien (2011/12) oder eine U-Bahn-Station in Neapel (2024).

Peter Kogler. Alphabet City
Bis 8. Februar 2026