In Österreich wird jede dritte Frau im Laufe ihres Lebens körperlich und/oder sexuell misshandelt. "Perfect Match", das neueste Stück der Vorarlberger Tänzerin und Choreografin Silvia Salzmann, handelt davon. Ein Boxring im Atrium des Vorarlberg Museums dient als Kulisse für die interdisziplinäre Performance. Dort findet nach der Uraufführung am 6. März auch die vom ifs konzipierte Gesprächsreihe "Klartext im Ring" zu verschiedenen Aspekten häuslicher Gewalt statt.
Die Performance zeigt, wie schnell Beziehungen kippen, vertraute Räume brüchig werden können und wie schwer es ist, Partnerschaften zu verlassen. Die Bühne von Roland Adlassnigg ist ein instabiler Boxring. In diesem fragilen Setting treffen Tanz und Livemusik körperlich intensiv aufeinander. Möbel rutschen, wanken, kippen. Balance geht verloren. Nähe wird gefährlich.
Das ifs Gewaltpräventionsprojekt StoP ist Kooperationspartner dieses künstlerischen Projekts. „Die Produktion macht Gewalt an Frauen sichtbar und ermöglicht niederschwellige, emotionale Zugänge zu diesem Thema. Uns bietet sich die Möglichkeit, mit neuen Zielgruppen ins Gespräch zu kommen“, sagt Nikola Furtenbach, Leiterin von StoP Vorarlberg. Silvia Salzmann sieht in „Perfect Match“ mehr als „nur“ eine Aufführung. „Die künstlerisch-soziale Initiative, die in Bregenz ihren Anfang nimmt und in weiteren Städten gezeigt wird, soll zur Brücke für gesellschaftliche Reflexion und Veränderung werden.“
In Expert:innengesprächen im Boxring werden verschiedene Aspekte häuslicher Gewalt beleuchtet: Gewalt an Frauen, Kindern und – worüber wenig gesprochen wird – an älteren Menschen. Es geht auch um Zivilcourage: Wie verhalte ich mich, wenn ich entsprechende Beobachtungen mache? Wie schreite ich ein, ohne mich selbst zu gefährden? Die Gespräche öffnen den Raum für Austausch, Fragen und Reflexion. Um die Inhalte möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen, wird „Klartext im Ring“ live im Internet übertragen. Abschließend dokumentiert ein künstlerisches Video von Sarah Mistura die gewonnenen Erkenntnisse und trägt diese weiter. Für Schulen sind Workshops und eine Aufführung geplant.
Mit: Silvia Salzmann und Sebastien Kapps (Choreografie, Tanz), Amir Wahba (Perkussion), Carles Muñoz Camarero (Cello, Gesang), Roland Adlassnigg (Bühne), Matthias Zuggal (Licht), Sarah Mistura OG (Video).
Perfect Match
Performance von Silvia Salzmann zum Thema häusliche Gewalt
6.–29. März, Atrium Vorarlberg Museum
„Der Ring“ – Rauminstallation von Roland Adlassnigg
Freitag, 6. März, 19:00 Uhr
Perfect Match – Uraufführung
Weitere Aufführungen: 27. März, 08:15 Uhr (für Schulen), 27. März, 19:00 Uhr
Mittwoch, 11. März, 19:00 Uhr
Klartext im Ring I: Häusliche Gewalt gegen junge Frauen und minderjährige Kinder
mit Elisabeth Gruber-Vögel (Leiterin der ifs Frauennotwohnung) und Alexander Wachter (Mitarbeiter der ifs Kinderschutzstelle)
Mittwoch, 18. März, 19:00 Uhr
Klartext im Ring II: Gewalt gegen ältere Menschen im häuslichen Kontext
mit Angelika Wehinger (Leiterin des Gewaltschutzzentrums Vorarlberg der ifs Frauenberatungsstelle bei sexueller Gewalt) und Mario Enzinger (Leiter der ifs Gewaltberatung und der ifs Beratungsstelle bei Gewaltprävention)
Mittwoch, 25. März, 19:00 Uhr
Klartext im Ring III: Zivilcourage – können wir als Gesellschaft etwas verändern?
Mit Gert Gröchenig (Sicherheitskoordinator der Landespolizeidirektion Vorarlberg), Nikola Furtenbach (Leiterin des ifs-Gewaltpräventionsprojekts „StoP – Stadt(teile) ohne Partnergewalt”) und Andrea Mähr (Gewinnerin des Sicherheitspreises für couragiertes Handeln für ihr mutiges Einschreiten im öffentlichen Raum).
Anmeldung bzw. nähere Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen finden Sie unter: vorarlbergmuseum.at/veranstaltungen