14. November 2008 - 3:09 / Archiv / Malerei 

Alles was der spanische Künstler Pepe España, der die letzten dreieinhalb Jahrzehnte seines Lebens in der Schweiz verbracht hat, geschaffen hat, wurzelt in der spanischen Kultur. Von 9. bis 16. September 08 zeigt die Foundation "pepeespaña" im Von Rütte-Gut in Sutz-Lattrigen am Bieler See unter dem Titel "Color y Expresion - Ausstellung seiner letzten Werke 2005 – 07" jene Arbeiten von Pepe España, die in den zwei letzten Jahren vor seinem Tod entstanden sind.

In der akademischen Tradition gilt die Zeichnung als Grundlage der Malerei. Erst der sichere Zeichner darf sich ans Malen wagen. Es gibt unzählige Traktate, die sich mit der Frage beschäftigt haben, was nun wichtiger sei, die Zeichnung oder die Farbe. Pepe España hat sich in solche Diskurse nie eingemischt. Sie interessierten ihn nicht. "Für mich ist Kunst Leben – und Leben Kunst" bilanzierte er 1999 in schlichter Kürze. In der Praxis seiner Arbeit gab er aber auf das Problem des Primats von Malerei oder Zeichnung sehr wohl eine Antwort. Das Malen und das Zeichnen haben den selben Stellenwert, sagen seine Bilder. Sie sind sich ebenbürtig und ergänzen sich gegenseitig so gut, dass sie sich in jeder Arbeit zusammen zu einem Ganzen fügen können. Die harmonische Koexistenz von Zeichnung und Farbe gehört zu den Charakteristka der Kunst Pepe Españas bis in die Mitte der 1990er Jahre.

Ab diesem Zeitpunkt bringt er mit den Vertikalen und Horizontalen wieder Elemente ins Bild, die er fast vierzig Jahre lang nicht mehr verwendet hat. Damals waren die geometrischen Elemente symbolhaft für die moderne, uns umgebende Dingwelt verstanden, wurde in sachlichem, nüchternen Duktus ein Zustand der Entfremdung dargestellt. Nun aber bildeten die präzise gemalten Waagrechten und Senkrechten harmonische Ergänzungen zu den realistisch gezeichneten Partien. Die Geometrie ist normalerweise die Sprache der Konstruktivisten, also einer meist sehr strengen, puristischen Kunst, die mit Nachdruck darauf Wert legt, dass sie mit dem Mimetischen, dem Abbildenden rein gar nichts zu tun hat. (Deshalb haben Theo van Doesburg und Max Bill sie auch als "Konkrete Kunst" bezeichnet, den Begriff "abstrakte Kunst" mochten sie nicht, denn schliesslich sei jede figurative Kunst in einem gewissen Mass abstrakt.)

Zwischen den reinen Geometrikern und den figurativen oder abstrahierenden Künstlern spielten sich in Mitte des 20. Jahrhunderts – zumindest in Mitteleuropa – erbitterte Kämpfe ab, entwickelte sich ein Stellungskrieg, der aus Distanz an die vehementen, mit Waffengewalt geführten Auseinandersetzungen zwischen Protestanten und Katholiken erinnert. Der Konflikt ist unterdessen offiziell beigelegt, die Wortführer sind längst zu Grabe getragen. Aber unterschwellig lebt der Konflikt weiter: in den Augen vieler lässt sich Geometrie und Figuration sowenig zusammen bringen wie Wasser und Feuer.

Pepe España ist Spanier genug geblieben, um sich aus solchen Kämpfen herauszuhalten. Wohin ideologische Rechthaberei führen kann, hat er am eigenen Leib erfahren. Als Kind erlebte er den spanischen Bürgerkrieg und später Francos Diktatur. Die biomorphe Form und die konstruierte können sich sehr wohl zu einer Einheit fügen. Peter Killer


Pepe España - Color y Expresion
So 9. bis So 16. November 2008
Von Rütte-Gut, Sutz-Lattrigen (CH)

Öffnungszeiten:

So 9. November 11 - 17 Uhr, anschliessend Konzert
Montag bis Freitag 16 - 19 Uhr
Sa 15. November 14 - 18 Uhr, anschliessend Konzert
Finissage: So 16. November, 11 Uhr mit Konzert



  •  9. November 2008 16. November 2008 /
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