15. Dezember 2019 - 10:13 / Film / Retrospektive 
18. Dezember 2019 22. Dezember 2019

Er galt als einer der großen Stars des deutschsprachigen Kabaretts, mit seinem komischen Talent prägte er einige Höhepunkte des Tonfilms der 1930er-Jahre. 1933 musste der gebürtige Wiener aus seiner Wahlheimat Berlin nach Österreich emigrieren, wo er noch einen letzten Auftritt im "unerwünschten" Film "Katharina, die Letzte" hatte. 1938 kam er ins KZ Dachau, in Buchenwald fand er am 10. Dezember 1938 den Tod.

Paul Morgan, der große österreichisch-jüdische Komiker, ist heute praktisch vergessen. Das Filmarchiv Austria hat nun seinen Nachlass übernommen, darunter auch Briefe aus dem KZ. Ein Teil ist in der neuen Ausstellung "Unerwünschtes Kino" zu sehen, mit einer kleinen Retrospektive soll sein Schaffen zudem wieder auf die Leinwand finden.

Paul Morgan wird am 1. Oktober 1886 als Paul Morgenstern in Wien geboren. Bereits als Gymnasiast hat er den Wunsch, Schauspieler zu werden. 1908 erhält er ein erstes Engagement am Theater in der Josefstadt, 1914 übernimmt er als Nachfolger von Fritz Grünbaum die Conférence am Wiener Kabarett Simplicissimus. Im Film ist er ab 1910 tätig, tritt während des Ersten Weltkrieges im Kabarett auf und schreibt seine ersten komischen Bücher. 1917 erhält er ein Engagement am Berliner Lessingtheater und tritt in Filmen von Fritz Lang, Ernst Lubitsch und Richard Oswald auf.

Gemeinsam mit Kurt Robitschek leitet Morgan mit dem Kabarett der Komiker eine der renommiertesten Kleinkunstbühnen der deutschen Reichshauptstadt. Daneben intensiviert er seine Arbeit für das Kino, bis 1933 spielt er in über 50 Filmen mit. 1930 erhält Morgan ein Engagement in Hollywood und wirkt an deutschsprachigen Versionen amerikanischer Filme mit. Er bleibt dort ein ganzes Jahr und freundet sich mit Marlene Dietrich und Buster Keaton an, mit dem er in dem Film "Wir schalten um auf Hollywood" (deutschsprachige Version von "The Hollywood Revue Of" 1929) zu sehen ist. In diesem filmhistorischen Kuriosum gibt Morgan einen Reporter, der mit einem optisch-akustischen Taschensender, quasi einer Vorform des Fernsehens, aus Hollywood berichtet, ohne ein Wort Englisch zu verstehen. Nach Berlin zurückgekehrt, filmt er wieder, gilt im Kabarett als der Conférencier seiner Zeit.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wird Paul Morgan von heute auf morgen arbeitslos. Er muss die Stadt, die ihm zur zweiten Heimat geworden ist, verlassen und kehrt nach Wien zurück. Hier findet er kaum noch Arbeit in seinem Metier. 1936 erhält er in der deutschsprachigen Emigrantenfilmproduktion "Katharina die Letzte" nur noch eine kleine Nebenrolle.

Bereits eine Woche nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich wird Paul Morgan festgenommen. Schon sehr früh hat sich der kritische Kabarettist bei den Nationalsozialisten unbeliebt gemacht. Nach einige Wochen in Wiener Gefängnissen, bringt man ihn im Mai 1938 ins KZ Dachau, von dort im September nach Buchenwald. Seine Frau besorgt Visa und Arbeitsmöglichkeiten für drei Länder, Morgan hofft auf seine Entlassung, um emigrieren zu können. Es kommt nicht mehr dazu. Am 10. Dezember 1938 stirbt er nach stundenlangen Quälereien an Entkräftung im Konzentrationslager.

Filmliste
Arm wie eine Kirchenmaus (Richard Oswald, D 1931)
Familientag im Hause Prellstein (Hans Steinhoff, D 1927)
Das Kabinett des Doktor Larifari (Robert Wohlmut, D 1930)
Wien, du Stadt der Lieder (Richard Oswald, D 1930)
Wir schalten um auf Hollywood (Frank Reicher, US 1931)

Retrospektive Paul Morgan
18. bis 22. Dezember 2019
Kurator: Florian Widegger

Metrokino Wien
Johannesgasse 4
A - 1010 Wien

W: http://www.filmarchiv.at/

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  •  18. Dezember 2019 22. Dezember 2019 /
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Familientag im Hause Prellstein (Hans Steinhoff, D 1927)
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Wien, du Stadt der Lieder (Richard Oswald, D 1930)
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Wir schalten um auf Hollywood (Frank Reicher, US 1931)
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Paul Morgan
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