25. Oktober 2016 - 2:50 / Ausstellung / Archiv 
7. Juli 2016 30. Oktober 2016

Wie kam Paul Klee vom Zeichnen zum Malen? Sein viel zitierter Eintrag im Tagebuch von 1914 "Die Farbe hat mich. (…) Ich bin Maler" drückt mit gewissem Stolz eine persönliche Entwicklung aus. Wie spannend und experimentell dieser Prozess verlief, lässt sich in der Ausstellung "Paul Klee. Ich bin Maler" in einem grossen Bogen nachvollziehen: von Klees ersten Versuchen mit Öl zu malen, während seiner Lehrjahre in München bis zu den grandiosen Gemälden seiner letzten Schaffenszeit.

Klee war gegenüber seinen frühen malerischen Versuchen sehr kritisch eingestellt. Im Tagebuch bezeichnete er seine ersten Ölbilder als "Sicher sehr am Anfang, oder vor dem Anfang!" und in einem Brief an seinen Schulfreund Hans Bloesch die Malerei als "ölriechende Pinselgöttin", die er bloss umarme, weil sie eben seine Frau sei. Wie experimentell und eigenwillig sich Klee von der "ölriechenden Pinselgöttin" verabschiedete und dabei doch zum Maler wurde, zeigt sein umwerfendes Werk der Hinterglasbilder, das zwischen 1905 und 1912 entstand.

Für Klees "Durchbruch zur Farbe" aber ist die Begegnung mit der expressiven Koloristik der Gemälde Kandinskys entscheidend; im Gegensatz zu ihm aber nicht im Medium der Ölfarbe, sondern in der Aquarellmalerei. Diese Befreiung der Palette führt Klee nicht nur zu seinen farbenfrohen, lichten Aquarellen der Tunisreise, sondern zu abstrakten Farbkompositionen, die ihre Präsenz aus dem Dialog virtuos gesetzter Farbkontraste beziehen. Erst nach dem ersten Weltkrieg findet Klee auch endgültig den Weg zur Ölmalerei. In Werken, die das Bild als Fenster, Architektur oder imaginäre Landschaft thematisieren, erschafft er abstrakte Bildweiten, die den Blick in imaginäre Welten öffnen.

In den zehn Jahren seines Schaffens am Bauhaus in Weimar und Dessau zieht Klee als Maler thematisch und formal alle Register - von gleichsam asketisch abstrakten Kompositionen und geometrischen Formspielen bis hin zu Bilderfindungen von nicht selten surreal anmutender Phantastik. Klee war aber nicht nur in seiner Bildsprache ein künstlerischer Visionär, sondern auch in der innovativen Verwendung der künstlerischen Mittel. So kombinierte er Öl-, Wasser- oder Temperafarben in unkonventionellen Mischungen, verwendete als Bildträger alle Arten von Textilien, von Baumwollstoffen über Seide bis hin zu Jute, und grundierte seine Bilder mit Materialien wie Gips, Kreide oder gar Sand.

Sinnlich nachvollziehen lässt sich dieser materielle Aspekt von Klees Kunst in der Ausstellung nicht nur in seinen Bildern, sondern auch anhand der umfangreichen Hinterlassenschaft in seinem Atelier, die nicht nur Farbmittel, Pigmente und Pinsel umfasst, sondern eine grosse Auswahl origineller, selbstgebastelter Malutensilien und -gefässe. Ausserdem lässt sich in der Ausstellung die Entwicklung von Klees malerischem Spätwerk facettenreich nachvollziehen, die von einem tiefgreifenden Wandel seiner Bildsprache geprägt ist: wie Klee auf sein eigenes Werk zurückblickt und gleichzeitig wieder bei Null beginnt, sich von allen formalen und systematischen Fesseln befreit und sich in der spontanen Gestik seiner Malerei auf das Wagnis eines Kontrollverlusts einlässt.


Paul Klee. Ich bin Maler
7. Juli bis 30. Oktober 2016

Zentrum Paul Klee
Monument im Fruchtland 3
CH - 3000 Bern

T: 0041 (0)31 35901-01
F: 0041 (0)31 35901-02
E: kontakt@zpk.org
W: http://www.zpk.org/

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