21. Februar 2009 - 2:25 / Ausstellung / Archiv 
20. November 2008 1. März 2009

Die Sammlung Stoffel zählt zu den bedeutendsten Zugewinnen in der Erwerbungsgeschichte der Sammlung Moderner Kunst in der Pinakothek der Moderne. Erstmals werden große Teile dieser glanzvollen Sammlung in einer umfangreichen Ausstellung präsentiert. Mit Passion, Konsequenz und Gespür für das Spezifische des jeweiligen Künstlers baute das Ehepaar Michael und Eleonore Stoffel (2005 und 2007 verstorben) seit den 1970er Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine herausragende Sammlung auf.

Der Sammlungskosmos zeigt wichtige Entwicklungen deutscher und amerikanischer Kunst in den 60er bis 90er Jahre des 20. Jahrhunderts auf: Positionen einer neuen Malerei werden durch so unterschiedliche Künstler wie Gerhard Richter, Sigmar Polke und Jörg Immendorff repräsentiert, dessen ironisch subversive frühe "Lidl" Arbeiten hervorzuheben sind.

Künstler wie A.R. Penck sowie Markus Lüpertz und Günter Förg, prägen die Sammlung Stoffel mit umfangreichen Werkkomplexen. Arbeiten der "Neuen Wilden" (u. a. von Albert und Markus Oehlen, Martin Kippenberger, Walter Dahn und Jiri Georg Dokoupil) ergänzen den deutschen Schwerpunkt. Sie alle erweitern substantiell die bereits in der Pinakothek der Moderne vorhandenen Werkbestände, die durch die Sammlung SKH Herzog Franz von Bayern, PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne sowie gezielte eigene Erwerbungen aufgebaut werden konnten.

Einen neuen Akzent von besonderer Bedeutung setzen die Bilder, Objekte und Rauminstallationen von Rosemarie Trockel, die sich in unterschiedlichsten Medien mit der Beziehung zwischen den Geschlechtern, der Relation Mensch und Natur sowie allgemeinen Wahrnehmungsphänomenen auseinandersetzt. Einen Grundpfeiler des amerikanischen Teils der Sammlung bildet neben Carroll Dunham und Terry Winters David Salle, der mit unterschiedlichen Stilmitteln, Zitaten und gestisch spontanen Elementen, collageartige Bildwelten schafft.

Besonderen Raum nehmen die Installationen von Mike Kelley ein, einem Künstler, dessen Inspirationsquellen abseits von allem Anerkannten, am unteren Rand des sozialen Gefüges liegen. Eine weitere Facette der Sammlung Stoffel zeigen die ebenso subtilen wie provokativen Gemälde der Südafrikanerin Marlene Dumas Obwohl thematisch und stilistisch sehr unterschiedlich, lassen sich dennoch verbindende Elemente innerhalb der Sammlung Stoffel feststellen: einerseits geht es um die Auseinandersetzung mit der Malerei und ihrer radikalen Infragestellung unter veränderten historischen Bedingungen, andererseits um die Erweiterung formaler Mittel in installativen Prozessen und Bildfindungen. Auffallend ist darüber hinaus die besondere Sensibilität für gesellschaftspolitische Fragestellungen.

Nach dem Tod von Michael Stoffel im Juni 2005 setze seine Frau Eleonore, die 2007 verstarb, alle Kräfte daran, das gemeinsame Mäzenatentum fortzuführen und die Zukunft der Sammlung in der vorgesehenen Weise zu sichern. Die Gemälde und Installationen gelangten an die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. In Absprache mit diesen konnte für die Plastiken weiterhin der Skulpturenpark in Köln gesichert werden. Der begleitende Katalog widmet sich mit einleitenden Aufsätzen, einer reich bebilderten Präsentation und Erläuterungen der Werke ausführlich der Geschichte und dem Profil der Sammlung. Katalog wie Ausstellung verstehen sich damit auch als Hommage an ein außergewöhnliches Sammlerpaar.


Passioniert Provokativ – Die Sammlung Stoffel
20. November 2008 bis 1. März 2009

Pinakothek der Moderne
Kunstareal, Barer Str. 40
D - 80799 München

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Markus Lüpertz, Helme sinkend (dithyrambisch I), 1970. Leimfarbe auf Leinwand, 260 x 450 cm. © Sammlung Stoffel / Pinakothek der Moderne
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Jörg Immendorff, Für alle Lieben in der Welt, 1966. Öl auf Holz, Papier in Klarsichthülle, Geschenkband, 147 x 182 cm. © Sammlung Stoffel / Pinakothek der Moderne
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Georg Baselitz, Bildacht, 1991. Öl auf Leinwand, 284 x 458 cm. © Sammlung Stoffel / Pinakothek der Moderne
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Sigmar Polke, Neid und Habgier, 1984. Acryl, Lack und Blattgold auf Leinwand, 259 x 200 cm. © Sammlung Stoffel / Pinakothek der Moderne