Parastou Forouhar – „Written Room“

Parastou Forouhar zählt zu den wichtigsten Stimmen der internationalen Gegenwartskunst. In ihren Werken verbindet die iranisch-deutsche Künstlerin ihre persönlichen Erfahrungen als Exilantin mit einer künstlerischen Ausdrucksweise, die über geografische und kulturelle Grenzen hinausreicht. Seit 1995 realisiert sie ihre Installation „Written Room” in wechselnden Versionen weltweit, unter anderem in der Queensland Art Gallery in Brisbane, im Institut des Cultures d’Islam in Paris, in der Villa Massimo in Rom, im Mattress Factory Art Museum in Pittsburgh sowie bei der International Sumuk Biennale Mokpo in Korea.

2026 wird die eindrucksvolle Rauminstallation erstmals in Österreich gezeigt. In aufwändiger Handarbeit überzieht Forouhar den vollständig weiß gestrichenen Ausstellungsraum mit Textsplittern und Wortfragmenten in persischer Schrift. Mit schwarzer Farbe gemalt, fließen diese über Boden und Wände, folgen dem geschwungenen Duktus der Kalligrafie und ergeben ein ornamentales Bild, das den gesamten Raum durchzieht.

Die Fragmentierung des Geschriebenen ist eine bewusste künstlerische Strategie: Sprache erscheint nicht mehr als zusammenhängendes System, sondern wird in ihre Bestandteile zerlegt. Wörter lösen sich in Silben und Zeichen auf und bleiben als Spuren von Sprache zurück. So wird Lesbarkeit unterlaufen – selbst für Persischsprechende. Anstelle von Bedeutung vermittelt die Schrift nun Rhythmus, Wiederholung und Musikalität. Gerade darin entfaltet die Arbeit ihre Wirkung: Die Fremdheit der Schrift verbindet sich mit ihrer bewegten, das Auge anziehenden Form. Es entsteht ein „Schriftraum“, der das Fremde nicht ausblendet, sondern ästhetisch transformiert und so Begegnung ermöglicht – als Angebot zur übersprachlichen Verständigung.

In „Written Room“ spiegelt sich Forouhars eigene Erfahrung wider, denn die Schriftzeichen lassen sich zugleich als tiefgründiges Sinnbild für Sprachverlust und kulturelle Entfremdung begreifen. Seit mehr als 30 Jahren lebt die 1962 im Iran geborene Künstlerin in Deutschland. Der Verlust ihrer Muttersprache und ihrer Heimat schwingt als schmerzlicher, persönlicher Hintergrund in ihrer Arbeit mit. Der Ausstellungsraum wird so zu einem Erinnerungsraum – eine stille Hommage an die Sprache ihrer Kindheit, deren Zeichen sie festzuhalten versucht, obwohl sie zunehmend verblassen.

Written Room
bis 10.01.2027