15. Oktober 2009 - 5:00 / Walter Gasperi / DVD Tipp
logo dvdtipp

Spätestens seit Donna Cross´ Weltbestseller "Die Päpstin" ist die Geschichte von der jungen Nonne, die der Legende nach im 9. Jahrhundert als Mann verkleidet zum Papst aufstieg, weit bekannt. Eine Verfilmung konnte da nicht ausbleiben. Übersehen sollte man dabei aber nicht, dass Michael Anderson schon 1972 mit Starbesetzung diesen Stoff für die Leinwand adaptierte.

Als Tochter eines Mönchs zieht Johanna durch die Lande. Darauf, dass solches im 9. Jahrhundert kein Sonderfall war, haben Vorspanntitel hingewiesen. Das blonde Mädchen ist nicht nur bildhübsch, sondern auch gebildet und kann – in der damaligen Zeit zumal für eine Frau – die Ausnahme sogar lesen. Bald stirbt die Mutter, nach einem Zeitsprung auch der Vater und nach einer Vergewaltigung flüchtet Johanna in ein Frauenkloster.

Wegen ihrer Bildung wird sie dort sehr geschätzt und soll bald mit einem Mönch ein Psalmenbuch abschreiben und illustrieren. Im Zuge von Auseinandersetzungen um die Königsherrschaft kommt es aber zu einem brutalen Überfall von Heiden auf das Kloster. Johanna und ihr Freund können flüchten, doch sie muss sich als Mann verkleiden und steigt als Mönch in der kirchlichen Hierarchie auf, bis sie nach Rom kommt und Papst wird.

Bezweifelt wird von Historikern der Realitätsgehalt dieser Geschichte und die Päpstin Johanna wird als fiktive Gestalt eingestuft. Doch aus der Geschichte ließe sich rein erzählerisch und filmisch dennoch einiges machen. Doch Michael Anderson blendet die Belastung, die die Verdrängung der eigenen Identität für Johanna bedeuten muss, weitgehend aus, und auch ein Bild der Zeit, der Lebensumstände, der kirchlichen und politischen Situation zeichnet er nicht, verankert die Geschichte kaum in einem historisch-gesellschaftlichen Umfeld. Stecken bleibt der Film so in einer oberflächlichen Schilderung des Lebensweges Johannas, im Abhaken einzelner Stationen.

Vertieft wird hier nichts, der 1972 – und auch heute noch – aktuelle Diskurs über die Rolle der Frau in der Katholischen Kirche, wird nicht konsequent geführt, der Machtkampf zwischen Kirche und Kaiser bleibt auf die historische Komponente reduziert und auch mit dem möglichen Bezug und der Analogie zum jugendlichen Aufbruch der 68er Generation, mit dem zum Beispiel Franco Zeffirelli in seinem ebenfalls 1972 gedrehten "Brother Sun, Sister Moon" die Rebellion des Franz von Assisi gleichsetzte, arbeitet Anderson nicht.

Die Besetzung mit Liv Ullmann, Maximilian Schell, Trevor Howard, Olivia de Havilland und Franco Nero ist zweifellos glanzvoll. Doch wenn man den Schauspielern keinen Raum einräumt ihre Figuren zu modellieren und ihnen Tiefe zu verleihen, nützt das nichts. So bleibt "Papst Johanna", zwar durchaus solides, geradlinig erzähltes und unterhaltsames, aber eben auch biederes und recht flaches Ausstattungskino vom Aufstieg (und schließlich auch Fall) einer ehrgeizigen selbstbewussten jungen Frau mit viel Handlung, aber insgesamt doch viel zu wenig Tiefe.



9781-9781papstjohanna.jpg
9781-9781papstjohannascsz03.jpg
9781-9781papstjohannascsz07.jpg