Pablo Picasso (1881–1973) hat die Kunst des 20. Jahrhunderts wie kaum ein anderer revolutioniert. Die Sonderausstellung im Cavazzen Museum in Lindau zeigt über 90 Arbeiten des Künstlers – Zeichnungen und Keramiken aus all seinen Schaffensphasen: von frühen Skizzen und Werken aus der Blauen Periode über die radikale Formauflösung des Kubismus bis hin zu den kostbaren Keramiken.
„Wie andere Tagebuch schreiben, so zeichne ich“, sagte Picasso selbst über sein Experimentieren mit Bleistift oder Kreide. In der Ausstellung wird somit Strich für Strich das künstlerische Denken des Meisters sichtbar – mit einer frappierenden Sicherheit in Linie und Form sowie seiner Unmittelbarkeit. Dabei treten die Zeichnungen mit Picassos Keramiken in Dialog: Vasen, Schalen und Gefäße, die vor allem im südfranzösischen Vallauris von Hand geformt, bemalt und schließlich im Feuer gebrannt wurden.
Mit den Zeichnungen und Keramiken begegnen sich zwei Ausdrucksformen und Welten des Künstlers: Hier das skizzenhafte Herangehen an ein Thema, dort das Formen mit erdigem Ton. Auf beiden Seiten: Picasso, der nicht einfach abbildet, sondern verwandelt, ja neu erschafft.
Kuratiert wird die Ausstellung von Prof. Dr. Roland Doschka und Dr. Sophie Sümmermann. Es ist bereits die dritte Picasso-Ausstellung, die der Experte für Lindau entwickelt hat. Seine Erfahrung, seine Freundschaft zu Jacqueline Picasso, der verstorbenen Ehefrau des Künstlers, und sein hervorragendes Netzwerk werden durch die Expertise und den neuen Blick von Dr. Sophie Sümmermann ergänzt. Die Kunstwissenschaftlerin hat im Jahr 2024 die erfolgreiche Christo-und-Jeanne-Claude-Ausstellung in Lindau kuratiert.
Die Ausstellung nimmt die Besucherinnen und Besucher mit in die Welt des jungen Spaniers Pablo Ruiz y Picasso. Er lernt den Umgang mit Bleistift und Pastellkreide von seinem Vater, einem Zeichenlehrer. Er bricht nach Paris auf und wird im Künstlerviertel Montmartre heimisch. Er verleiht seiner Faszination für den Stierkampf Ausdruck und malt immer wieder die Frauen, die ihn begleiten, unterstützen, faszinieren und inspirieren.
In seiner zweiten Lebenshälfte findet Picasso zur Keramik: Seit 1947 arbeitet er im südfranzösischen Vallauris und entdeckt das vielgestaltig formbare und zugleich dauerhafte Material. In der Beschäftigung mit dem Werkstoff Ton findet er eine neue Möglichkeit, schöpferisch tätig zu sein: Formen entstehen, werden verändert, bemalt und im Brennvorgang dauerhaft fixiert. Seine Leidenschaft für die Keramik war auch ein schöpferisches Aufbäumen gegen den Tod, ein Versuch, der Vergänglichkeit etwas entgegenzusetzen.
Das letzte Kabinett der Ausstellung ist der berühmten Friedenstaube gewidmet: Die gezeichnete Taube begegnet hier einer von Picasso handgeformten Keramik-Taube – ein Werk, das durch seine Seltenheit und schlichte Schönheit besticht. Nur wenige dieser Tauben existieren weltweit. Das Motiv der Taube wurde als Friedenssymbol weltberühmt.
Picasso.Handmade – Zeichnungen und Keramiken
Bis 01.11.2026