Pablo Picasso und der Schweizer Sammler Georges Bloch

Der Schweizer Sammler Georges Bloch bewunderte Picassos Grafik, erwarb sie und gab als exzellenter Kenner das vierbändige Werkverzeichnis seiner Druckgrafik heraus. Der Künstler wiederum schätzte sein Fachwissen und ihre Freundschaft. Die Ausstellung in der Graphischen Sammlung der ETH Zürich zeichnet diese einzigartige Beziehung nach, die außerhalb von Fachkreisen wenig bekannt ist.

Picasso (1881–1973) war ein überaus produktiver Künstler. Zeit seines Lebens schuf er nicht nur zahlreiche Gemälde, Skulpturen, Keramiken und Objekte, sondern auch über 2.000 druckgrafische Werke. Der Schweizer Sammler Georges Bloch (1901–1984) besaß fast alle diese Drucke. Nachdem er Picasso 1953 persönlich kennengelernt hatte, besuchte er ihn regelmäßig in Südfrankreich und baute seine Sammlung kontinuierlich aus. Der Künstler schätzte Blochs Fachkenntnisse und sein geübtes Auge in Bezug auf seine Drucke und deren Zustand außerordentlich. Er widmete ihm einige seiner Blätter. Da Picasso wusste, dass der Sammler die offiziell herausgegebenen Grafiken größtenteils bereits besaß, waren es jeweils Unikate, von Hand überarbeitete Blätter oder seltene Zustände, auf die er eigenhändig eine Widmung schrieb. „Pour mon ami Bloch“ oder „Pour Monsieur Bloch son ami Picasso“ ist bis heute auf den Werken zu lesen. Umgekehrt motivierte Bloch den Künstler zuweilen zu experimentellen Arbeiten. So fertigte Picasso etwa nach einem Treffen mit seinem Freund von drei bereits bestehenden Linolplatten Frottagen an. Dabei übertrug er die Oberflächenstruktur der Platten durch Abreiben mit einem Stift auf ein aufgelegtes Blatt.

Ab 1972 schenkte Bloch eine repräsentative Auswahl von über 500 druckgraphischen Blättern der Gottfried Keller-Stiftung mit der Auflage, sie auf acht Museen in der Schweiz zu verteilen. Eine dieser Institutionen ist die Graphische Sammlung der ETH Zürich. Diese kommt nun mit Freude Blochs Bedingung nach, in regelmäßigen Abständen eine Ausstellung zu seiner Donation umzusetzen. In der Ausstellung sind alle Schaffensphasen vertreten, von der Blauen Periode bis hin zum Spätwerk. Die Werke zeigen eine faszinierende Stilvielfalt. Dabei wird deutlich, dass Picasso die verschiedenen Drucktechniken meisterhaft beherrschte. Durch seine zum Teil eigenwillige und innovative Verwendung kam er oft zu erstaunlichen Bildlösungen.

Zudem verstand es Picasso, die Betrachter immer wieder herauszufordern und neue Sichtweisen auf bekannte Themen zu eröffnen. Ein typisches Beispiel dafür ist „Salomé” von 1905, in der Picasso das biblische Motiv neu deutet und die Tochter der Herodias ganz unkonventionell als unbekleidete Akrobatin darstellt. Die Werke aus den späten 1910er- und 1920er-Jahren zeigen besonders deutlich, dass sich der Künstler nach dem Kubismus wieder der Figuration zuwandte und sich von der römischen und griechischen Antike inspirieren ließ. Weitere ausgestellte Grafiken belegen seine Auseinandersetzung mit Künstlern wie Rembrandt (1606–1669), Diego Velázquez (1599–1660), Jean-Auguste-Dominique Ingres (1780–1867) oder Gustave Courbet (1819–1877). Bekanntlich haben ihn auch seine oft wechselnden Partnerinnen zu seinen Werken inspiriert, wie einige Porträts in der Ausstellung belegen.

Picasso | Bloch. Eine einzigartige Freundschaft
20. August bis 9. November 2025