Otto Waalkes trifft auf die Meisterwerke der Albertina

Er zählt zu den bekanntesten Comedy-Größen des deutschsprachigen Raums. Und das nicht erst seit gestern. Generationen haben über seinen Wortwitz und seine musikalischen Parodien gelacht. Seine legendären Filme, seine unvergesslichen Fernsehauftritte, seine Songs und Verse sind aus der Popkultur nicht mehr wegzudenken. Auch mit seinen Ottifanten erobert er seit Jahrzehnten die Herzen von Jung und Alt.

Als Maler lässt er seine Kultfigur durch die Kunstgeschichte spazieren. Während seiner Zeit in der Künstler-WG mit Udo Lindenberg, Marius Müller-Westernhagen u. a. studierte er an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Die Albertina und ihre Sammlung faszinieren ihn seit jeher. Nun hat er mit einer Intervention in den Habsburgischen Prunkräumen sein Ziel erreicht: Zum 250-jährigen Jubiläum seiner Gründung lädt das Museum ihn ein, ausgewählte Meisterwerke der grafischen Sammlung neu zu sehen und zu kommentieren – natürlich nicht ohne Augenzwinkern. So erhält Egon Schieles Schwägerin Adele unverhofft ein neues Schoßtier, das schimmernde Gefieder von Albrecht Dürers berühmter Blauracke harmoniert mit Ottos charakteristischer Flügelkappe und ein geschäftiger Ottifant rückt dem berühmten Rasenstück des Nürnberger Meisters gefährlich nahe – er ist mit dem Rasenmäher da.

„Otto meets Albertina” lädt dazu ein, die großen Namen der Kunstgeschichte durch Ottos Augen neu zu entdecken: Parodistische Aneignung wird dabei zur ehrlichsten Form der Huldigung. In einer Präsentation in den Habsburgischen Prunkräumen trifft Otto Waalkes auf bekannte Meisterwerke der Albertina – in einem Dialog der außerfriesischen Art.

Zwei Beispiele der Intervention

Albrecht Dürer, Der Flügel einer Blauracke, um 1500 & Otto Waalkes, Der ostfriesische Götterbote, 2025

Der Flügel einer Blauracke von Albrecht Dürer ist fast zu schön, um wahr zu sein. Aber es gibt sie tatsächlich, wenn auch selten. In Deutschland gilt die Blauracke als ausgestorben, in Österreich sollen noch einige Paare brüten.

Ihren Namen verdankt sie wohl ihrem Ruf »Rack-rack«, wie bei vielen Vögeln eine lautmalerische Namensgebung, man denke an den Kuckuck. Bei Säugetieren ist das anders, nur Kinder nennen den Hund »Wauwau« und die Kuh »Muhmuh«. Dürers Darstellung jedoch hat nichts Kindliches. Während Picasso das Malen wie ein Kind erst erlernen wollte, ist es Otto Waalkes gelungen, das Erwachsenwerden zu vermeiden. Auf seinem siebten Album stellte er sich als »Der ostfriesische Götterbote« vor und klebte sich zwei silberne Flügel an seine Kappe. Um aus dem Botschafter der guten Laune einen Vertreter der bildenden Kunst zu machen, dafür eignen sich die Flügel einer Blauracke vorzüglich.

Albrecht Dürer, Das große Rasenstück, 1503 & Otto Waalkes, Final Cut, 2026

Dürers großes Rasenstück ist in Gefahr – doch sind das nicht alle Kunstwerke? Viele sind zerstört worden: Beuys’ Fettecke wurde entsorgt und ein Banksy Graffito in Melbourne übermalt. Auch Unfälle durch Besucherinnen und Besucher sind keine Seltenheit.

Das große Rasenstück ist ein zeitloses Meisterwerk; Vater: Dürer, Mutter: Natur, Beweis für die Achtsamkeit des einen und die Schönheit der anderen; naturbelassen, nachhaltig und regional ist es 100 % Bio. Während Dürer die Kunst in der Natur verortete, sehen Ordnungsliebhaberinnen und liebhaber eher kurz getrimmte Golfgreens als ihr Ideal. Der Feind lauert überall – in diesem Fall ist es ein harmlos wirkender Rasenmähmann, der zu den Klängen von Reinhard Meys Protestsong Irgendein Depp mäht irgendwo immer an sein Vernichtungswerk geht.

Otto meets Albertina
3.6.2026 – 10.1.2027