Das Wiener Aktionismus Museum widmet sich ab dem 10. September 2026 einem anspruchsvollen Projekt: Es zeigt eine Ausstellung des künstlerischen Schaffens von Otto Muehl. Über 150 seiner Gemälde, Objekte, Filme und Druckgrafiken werden präsentiert und zur Diskussion gestellt.
Sechs Kapitel zeichnen Mühls künstlerische Entwicklung von den frühen 1960er Jahren bis zu seiner Verhaftung und Verurteilung im Jahr 1990 nach. Von der aktionistischen Malerei und der Destruktion des Tafelbildes über ausgewählte Aktionen aus der Kernzeit des Wiener Aktionismus bis zur umfangreichen Serie der Politikerporträts – von Ho Chi Minh und Konrad Adenauer über Charles de Gaulle und Mosche Dajan bis zu Mao Tse-tung und Prinz Charles – bilden Muehls Schaffensjahre vor der Kommune den ersten und umfangreichsten Teil der Ausstellung.
Ein eigenes Kapitel widmet sich der Gründung der Kommune, ihrer Entwicklung am Friedrichshof, ihren gesellschaftlichen und sozialtheoretischen Hintergründen sowie dem Scheitern des Kommune-Projekts nach der Verurteilung von Otto Muehl wegen sexuellen Missbrauchs von Unmündigen und Minderjährigen.
In der Ausstellung werden keine Werke gezeigt, auf denen Missbrauchsopfer zu sehen sind. Ebenso werden keine Arbeiten aus der Werkserie „Unfälle im Haushalt” präsentiert, die im Rahmen der Fotoselbstdarstellungsaktionen entstanden sind. Für sämtliche ausgestellten Werke, auf denen Personen erkennbar sein könnten, wurden die Einwilligungen der Abgebildeten zur Präsentation eingeholt. Aus den beiden Jahrzehnten der Kommune werden in der Ausstellung zwei Zyklen im Mittelpunkt stehen: Mühls Rückkehr zur Malerei und seine Auseinandersetzung mit dem Neo-Expressionismus der Neuen Wilden zu Beginn der 1980er Jahre sowie – im Gegensatz dazu – zwei späte Serien, in denen formal die lineare Zeichnung dominiert. Inhaltlich stehen in diesen beiden Zyklen die Ruhe und Schönheit der Parndorfer Heide der aus den Fugen geratenen, taumelnden Welt gegenüber. Sie sind Ausdruck des Verlusts von trügerischer Stabilität und Sicherheit – sowohl biografisch als auch gesellschaftlich.
„Otto Muehl zu zeigen, ist für mich nach 40 Jahren als Ausstellungsmacher, Direktor des Kunstforums und Generaldirektor der Albertina eine große Herausforderung. Die Abwägung zwischen ästhetischen, kunsthistorischen Fragen und Fragen nach den Folgen eines Lebens am Abgrund ist ein Balanceakt und beeinflusst nicht zuletzt die aktuelle Bewertung der Kunst des einflussreichen Aktionisten. Diese Ausstellung hat vorrangig das Ziel, die Besucher:innen des Wiener Aktionismus Museums zu ermächtigen, sich ein eigenes Urteil über die Kunst Otto Muehls zu bilden.” Prof. Dr. Klaus Albrecht Schröder, Direktor des Wiener Aktionismus Museums
Otto Muehl: Kunst am Abgrund
10. September 2026 – 10. Jänner 2027