Origen gastiert in der Bündner Hauptstadt und bespielt den hohen Rittersaal des Bischöflichen Schlosses. Ende Oktober wird aller Seelen gedacht und vom Abschiednehmen erzählt. Ein Totentanz entfesselt sich in kurzen, zutiefst menschlichen Sequenzen zu Shostakovichs Klavierminiaturen und schafft ein zeitgenössisches Pendant zur berühmten, 500-jährigen Darstellung in den Gewölben des Domschatzmuseums.
Der klassische Totentanz bringt alle zu Grabe. Der personifizierte Tod geistert durch das Land der Lebenden und bringt die Menschen zu Fall: den Bettler, die Königin, den Kaufmann, den Papst, das Kind. Unausweichlich, unverständlich, unverhandelbar, scheinbar beliebig. – Was aber, wenn der Mensch des Menschen Tod ist? Wenn der Kriegstreiber junges Leben opfert? Wenn der Staatschef die Entwicklungshilfe absetzt? Wenn der Bergsteiger den Seilkameraden in den Abgrund reißt? Wenn die Krankenpflegerin zum Kissen greift, der Therapeut den Brückensprung in Kauf nimmt, die Autofahrerin in die Fußgängerzone rast? Wir alle sind potentielle Praktikanten von Gevatter Tod, wir spielen Schicksal, unentwegt. Die ganze Schuld an den Mythos zu delegieren, greift zu kurz.
Es ist Zeit, den Totentanz neu zu denken: Mit den Tanzenden Borja Bermudez, Adrien Borruat, Nicolas Gläsmann, Júlia Martí-Gasull, Bonnie Paskas, Alex Vazquez Gala und der Pianistin Alena Sojer zu Shostakovichs Klängen. Text und Regie von Giovanni Netzer; Kostüme von Martin Leuthold.
Totentanz
Uraufführung: Donnerstag, 23. Oktober 2025
19.30 Uhr im Rittersaal, Bischöfliches Schloss, Chur
Weitere Aufführungen: 25, 26 Oktober und 7, 8, 9 November 2025