6. März 2020 - 20:57 / Martina Pfeifer Steiner / Musik 

Wer wagt, gewinnt nicht immer. Orfeo ist erfolgsverwöhnt, bezaubert die Hirten und Nymphen, die ihn preisen, überlistet den Fährmann der Toten, überquert mit dessen Barke den Styx, überzeugt mit seinem betörenden Gesang auch Plutos Gattin Prosperina und könnte seine Eurydike aus der Unterwelt ins Licht führen. Aber er hat kein Vertrauen. Er verliert. "Doch während ich singe, ach, ich Armer, wer versichert mir, dass sie mir folgt?"

Claudio Monteverdis "L'Orfeo" gilt als erste Oper in der Musikhistorie. Obgleich – das Wort Oper wurde vor 1650 für musiktheatralische Stücke noch nicht verwendet. Eine "favola in musica" wurde am 24. Februar 1607 in Mantua uraufgeführt. Erinnern wir uns an die Anfänge des Feldkirch Festivals – dem Vorgänger-Event der Montforter Zwischentöne – als der damalige Festivalleiter Thomas Hengelbrock "L´Orfeo" szenisch unter der Regie des folgenden Festivalleiters Philippe Arlaud, mit seinem Balthasar-Neumann Ensemble und Chor 2002 zur Aufführung im alten Montforthaus brachte? Wir waren damals schon begeistert.

Hans-Joachim Gögl und Folkert Uhde schlagen mit Konzept, Kuration und Formatentwicklung eines Monteverdi-Stücks als "L´Orfeo – Aufbruch ins Unmögliche" einen neuen Weg ein. Sie kürzen das Werk um ein Drittel, überschreiben die Szenen mit Inhaltsangaben, schaffen mit Licht intensive Stimmungen und lassen Reimer Gronemeyer – ehemaliger Pastor und Professor für Soziologie an der Universität Gießen – in direkte Resonanz auf die Musik treten. Die Anknüpfungspunkte funktionieren: Wie umgehen mit der Katastrophe zwischen Verzweiflung und Auflehnung? Wie überschreitet man Grenzen, dringt zu dem für unmöglich Gehaltenen vor? Und was kommt nach dem endgültigen Scheitern?

Das Ensemble Concerto Stella Matutina unter der Leitung von Thomas Platzgummer, in sehr kleiner, doch umso eindringlicheren Besetzung, musiziert hervorragend. Ebenso Jakob Pilgram als Orpheus, Tanja Vogrin, anfangs mit Harfe als Musica und dann Euridice, Julia Böhme, Roman Melish, Jaromir Nosek. Obwohl – nur die Aufzählung dieser schönen Stimmen für alte Musik wird in keiner Weise dem Gebotenen gerecht.
(Martina Pfeifer Steiner)

"L’Orfeo – Aufbruch ins Unmögliche" wurde dieser Tage im Montforthaus Feldkirch aufgeführt. Musik aus Monteverdis Oper und Reflexionen des Theologen Reimer Gronemeyer trafen dabei aufeinander. Es spielte das Ensemble Concerto Stella Matutina unter der Leitung von Thomas Platzgummer.



Das Concerto Stella Matutina unter der Leitung von Thomas Platzgummer (Matthias Rhomberg)
Das Concerto Stella Matutina unter der Leitung von Thomas Platzgummer (Matthias Rhomberg)
Das Concerto Stella Matutina unter der Leitung von Thomas Platzgummer (Matthias Rhomberg)
Das Concerto Stella Matutina unter der Leitung von Thomas Platzgummer (Matthias Rhomberg)