Orakel – zwischen Vogelflug, Götterzeichen und künstlicher Intelligenz

Das Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen widmet sich dem uralten menschlichen Wunsch, die Zukunft vorherzusagen, Unsicherheiten zu deuten und Orientierung zu finden. Die Ausstellung spannt den Bogen von antiken Orakeln und Naturbeobachtungen über persönliche Zukunftsdeutungen bis hin zu den Algorithmen unserer Gegenwart. Dabei wird eine zeitlose Frage gestellt: Wem vertrauen wir, wenn wir etwas über unsere Zukunft erfahren wollen?

Den Anfang macht eine Zeichnung der Schaffhauser Künstlerin Caroline Mezger (1787–1843). Sie zeigt eine Frau, die aus dem Fenster in eine unbekannte Zukunft blickt. Das Werk steht sinnbildlich für den menschlichen Wunsch, über den Horizont des Bekannten hinauszublicken.

Von dort aus führt die Ausstellung im Oberlichtsaal des Museums durch fünf Themenbereiche. Gemälde, Grafiken, Skulpturen, naturhistorische und kulturhistorische Exponate veranschaulichen, wie Menschen seit Jahrtausenden Zeichen in der Natur lesen, göttliche Botschaften deuten und im eigenen Spiegelbild oder in den Linien ihrer Hände nach Antworten suchen. «Ob wir den Flug der Vögel beobachten, Karten legen oder Algorithmen befragen, das Bedürfnis bleibt das gleich: Wir suchen nach Zeichen, die uns helfen, mit unserer Zukunft umzugehen und vertrauen dabei den unterschiedlichsten Stimmen», erklärt Ausstellungskuratorin Victoria Humphrey.

Zu den Höhepunkten der Ausstellung zählen Werke zahlreicher bildender Künstlerinnen und Künstler wie Félix Vallotton, Rémy Markovitsch und Anna Meyer, aber auch ein Himmelsglobus aus dem Jahr 1750, eine antike Bronze des Gottes Apollon, präkolumbische Spiegel aus der Schaffhauser Antikensammlung Ebnöther sowie historische Wahrsagekarten und eine Orakelpuppe. Einige der gezeigten Werke verlassen erstmals die Depots und gelangen in die Ausstellungsräume.

Zum Schluss führt die Ausstellung zu den modernen Orakeln unserer Zeit. Werke verschiedener zeitgenössischer Künstler:innen setzen sich mit Prognosen, Technik und Zukunftsbildern auseinander. Zwei eigens für die Ausstellung entwickelte KI-Installationen laden die Besucher dazu ein, mit künstlicher Intelligenz in einen Dialog zu treten – sei es, um Fragen an die Zukunft zu stellen oder selbst von der KI befragt zu werden.

Die Ausstellung verbindet historische Objekte, naturwissenschaftliche Erkenntnisse, künstlerische Positionen und aktuelle Technologien zu einer interdisziplinären Schau über den zeitlosen Wunsch des Menschen, im Ungewissen Orientierung zu finden – vom Himmelsglobus bis zur künstlichen Intelligenz.

Orakel. Kaleidoskop der Zukunft
29.8.2026 - 10.1.2027