Nach 25 Jahren kehrt der Schweizer Künstler Olaf Breuning mit der Ausstellung „Humans” ins Museum zu Allerheiligen Schaffhausen zurück. Es ist die erste große Präsentation des international erfolgreichen Künstlers, der in Upstate New York lebt, seit mehr als zehn Jahren in der Schweiz. Im Fokus stehen künstliche Intelligenz, die Klimakrise und menschliche Widersprüche. Mit viel Humor und bildstark stellt Breuning die Frage, was vom Menschen bleibt, wenn Technik, Konsum und Krisen unser Leben prägen.
Olaf Breuning (* 1970 in Schaffhausen) gelang früh der internationale Durchbruch. In seinem Werk bewegt er sich spielerisch zwischen Zeichnung, Fotografie, Video, Skulptur und Installation. In seiner bewusst reduzierten und unmittelbar lesbaren Bildsprache verbindet er Humor mit präziser Beobachtung und macht gesellschaftliche Gegenwartsthemen auf überraschende Weise zugänglich.
In der Ausstellung „Humans” untersucht Breuning das Erwachsenwerden, das Mannsein heute und menschliche Verhaltensweisen in all ihrer Ambivalenz – zwischen Neugier und Naivität, Fortschritt und Verantwortungslosigkeit, Ernsthaftigkeit und Absurdität.
Gleichzeitig greift die Ausstellung zentrale gesellschaftliche Herausforderungen unserer Gegenwart auf: die ökologische Krise, den Ressourcenverbrauch und die zunehmende Präsenz künstlicher Intelligenz. Breuning fragt, inwiefern die neue Technologie bereits unser Denken und Handeln prägt und ob wir ihr überhaupt noch Widerstand entgegensetzen können.
Ein Großteil der gezeigten Werke entsteht eigens für die Ausstellung. Dazu gehören 60 neue Zeichnungen, zwei raumgreifende Installationen sowie Videoarbeiten.
In „20 mm” ist ein kleiner bronzener Affe auf einem Marmorsockel zu sehen, der ein 300 Meter langes Seil hält. Dieses steht für die 4,5 Milliarden Jahre Erdgeschichte, seine vergoldete Spitze für die kurze Zeit menschlicher Existenz. Zugleich verweist die Installation auf eine Konstante im Œuvre von Olaf Breuning: Der Affe taucht seit Beginn seiner künstlerischen Arbeit immer wieder auf, fungiert als Spiegel menschlichen Verhaltens oder bricht mit stereotypen Erwartungen und Zuschreibungen der „Spezies Mensch” an die „Natur”.
„Out of Balance” besteht aus einem unübersichtlichen Hügel ineinander verschlungener Ritter auf Rollschuhen. Die Installation wird so zum Bild für Machtverlust, Scheitern und ein aus dem Gleichgewicht geratenes System. Die Ritter stehen für das Eingeständnis einer Niederlage, vor der auch die stärkste Rüstung keinen ausreichenden Schutz bietet.
Zeichnungen gehören seit jeher zu Breunings Werk. Oftmals bilden sie den Ausgangspunkt für Werke, die der Künstler später in anderen Medien weiterentwickelt. Die neuen kleinformatigen Schwarz-Weiß-Arbeiten zeigen skurrile Szenen aus dem Alltag von Menschen, Tieren und dem Planeten. Pointiert verdichten sich darin die großen und kleinen Dramen unserer Zeit.
Olaf Breunings frühere Videoarbeiten entstanden mithilfe aufwändiger Settings voller Requisiten und Menschen. Seine jüngsten Videos, die erstmals im Ausstellungskontext gezeigt werden, sind hingegen mit künstlicher Intelligenz erzeugt. Indem der Künstler sich selbst als Vorlage für verschiedene Charaktere verwendet, befragt er nicht nur die Rolle der KI in der Kunst, sondern auch den gesellschaftlichen Beitrag, den Kunst und Kunstschaffende in einer politisch, sozial und wirtschaftlich angespannten Weltlage leisten können.
Breunings jüngste Arbeiten wirken ernster und nachdenklicher als seine früheren Werke. Die Zeit der lauten, provokativen Ironie ist einer leiseren, doppelbödigen Haltung gewichen. Zwar bleibt sein humorvoller Blick erhalten, doch rücken existenzielle Fragen, Ernüchterung und eine gewisse Melancholie stärker in den Vordergrund. Schonungslos legt er menschliche Schwächen, Widersprüche und Dummheiten offen, ohne dabei die Lust am Komischen zu verlieren.
So entsteht ein eindringlicher Kosmos, der gleichermaßen zum Lachen wie zum Nachdenken anregt. Die Ausstellung lädt das Publikum ein, eigene Schlüsse zu ziehen: zwischen Zuversicht und Zweifel, zwischen Weltuntergangsstimmung und Hoffnung auf Veränderung.
Olaf Breuning. Humans
bis 27.09.2026