22. September 2009 - 3:21 / Archiv / Malerei 

David Hockney (geb. 1937) zählt zu den eigenwilligsten und vielseitigsten Künstlern seiner Generation. In England aufgewachsen, verbrachte er doch die meiste Zeit seines Lebens in den USA, wo seine Karriere im Umfeld der Pop-Kunst begann.

Sein eigener Stil ist eng mit seinem Domizil in Los Angeles verbunden, wo ihn sowohl die Luxus-Villen mit ihren glitzernden Swimmingpools, als auch die Weite der Westküste zu höchst poetischen Werken inspirierten - deren schönem Schein man jedoch nie ganz zu trauen wagt. So fand er eindringliche Chiffren eines kalifornischen Lebensgefühls, dessen naive Heiterkeit nur dazu dient, die Einsamkeit und Langeweile der pretty people von L.A. zu verbergen.

Wer glaubt, mit diesen Bildern Hockneys Kunst zu kennen, wird wieder einmal mehr eines Besseren belehrt. Entgegen früheren Beteuerungen ist er in seine Heimat in Yorkshire zurückgekehrt. Das, was er früher als kleinkariert abtat, findet er jetzt aufregend und genauester Betrachtung wert: die Sandbucht von Bridlington, golden gefärbte Getreidefelder, gelb leuchtender Raps, Hügelkuppen und enge Täler.

Dem Zauber der englischen Landschaft erlegen gelingen ihm Darstellungen, die das Gesehene mit dem Gefühlten und Erinnerten verschmelzen. Durch den häufigen Wechsel zwischen Nah- und Fernsicht ergibt sich eine unwirklich anmutende Realität, die durch die großen, oftmals aus mehreren gleichgroßen Tafeln zusammengesetzten Formate umso eindringlicher wirkt. Der Betrachter fühlt sich fast versucht, selbst im Bildgeschehen umherzuwandern.

Manche Landschaftsmotive werden auch in Serien interpretiert, um den Wechsel von Tages- und Jahreszeit berücksichtigen zu können. Doch auch dabei steht nicht die wirklichkeitsgetreue Dokumentation im Vordergrund, sondern die künstlerische Verwandlung, die stets auch Unsagbares, Zauberhaftes enthält.

Mit über 70 gemalten, gezeichneten oder am Computer erstellten, von Hockney eigens für die Ausstellung ausgewählten Landschaftsszenen lädt die Kunsthalle Würth zu einem Durchstreifen der Woldgate Woods in East Yorkshire ein, wie sie in dieser Form nur Hockney erlebt hat. Eines jedenfalls ist gewiss: der Besucher wird nach dem Rundgang durch die Ausstellung selbst die heimische Landschaft ganz neu erleben.


David Hockney. Nur Natur
27. April bis 27. September 2009

Kunsthalle Würth
Lange Straße 35
D 74523 Schwäbisch Hall
T 0049 (0)791 94-6720
F 0049 (0)791 94-67255

Öffnungszeiten:
Täglich 10 - 18 Uhr



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Landstraße nach Thwing, Frühlingsende, 2006. Öl auf sechs Leinwänden, je 91,5 x 122 cm, 183 x 366 cm gesamt. © David Hockney; Foto: Richard Schmidt
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Winter Tunnel mit Schnee, März, 2006. Öl auf Leinwand, 91,5 x 122 cm. © David Hockney; Foto: Richard Schmidt
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Vom Weg abgekommen, 2008. Öl auf Leinwand, 152,5 x 122 cm. © David Hockney; Foto: Richard Schmidt