Nie endgültig! – Das Museum im Wandel

Die Ausstellung „Nie endgültig!” widmet sich dem Wandel des Museums moderner Kunst (mumok) in Wien während der Direktion von Dieter Ronte (1979 bis 1989). Exemplarische Einblicke in die Heterogenität der Sammlungserweiterungen werden mit kulturpolitischen Parametern und programmatischen Entscheidungen dieses Jahrzehnts in Beziehung gesetzt. Es war eine Zeit, in der die Grundsteine für Kollaborationen mit Sammler:innen gelegt und durch strategische Erwerbungen Sammlungsschwerpunkte für die folgenden Jahrzehnte vorbereitet wurden.

„Nie endgültig“ – diese von der damaligen Wissenschaftsministerin Hertha Firnberg geprägte Formel definiert das mumok bis heute als dynamischen Ort des Wandels. Dieser Programmatik folgend versteht sich das Projekt weniger als klassische Ausstellung, sondern vielmehr als Plattform für kollektives Forschen, Lernen und Hinterfragen. Entsprechend gliedern sich die Räumlichkeiten in einen Studienraum mit der Sammlungsausstellung und Archivmaterialien aus den 1980er Jahren sowie einen Projektraum für wechselnde Begegnungen mit der mumok-Sammlung. Darüber hinaus gibt es ein umfangreiches Diskussions- und Vortragsprogramm.

Die Werkauswahl im Studienraum zeigt Kunstwerke, die zwischen 1979 und 1989 in das Museum kamen. Die Anordnung der Werke orientiert sich dabei weitgehend an der Struktur der Bestände: Den Auftakt macht eine exemplarische Auswahl jener Werke, die 1979 als Leihgaben der Sammlung Peter und Irene Ludwig ihren Weg nach Wien fanden. Es folgen Arbeiten aus der im Jahr zuvor erworbenen Sammlung von Wolfgang Hahn und anschließend Ankäufe von Dieter Ronte aus den 1980er-Jahren.
Das Zentrum des Studienraums bilden interaktiv gestaltete Ausstellungsmöbel. Sie laden dazu ein, sich niederzulassen und selbstständig in den Archivmaterialien, Katalogen, Korrespondenzen, Zeitungsartikeln sowie dem Audio- und Videomaterial zur Geschichte des Hauses aus den 1980er-Jahren zu recherchieren.
Die historischen Dokumente machen nachvollziehbar, wie intensiv damals um die Sammlungspolitik gerungen wurde. Zugleich wird sichtbar, wie das Museum sich stets als lebendiger Ort der Debatte und Reflexion versteht.

Für das heutige mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien markiert der 26. April 1979 einen Meilenstein: Die Sammlungen des ehemaligen 20er Hauses wurden durch umfangreiche und kunsthistorisch maßgebliche Dauerleihgaben des Ehepaars Peter und Irene Ludwig aus Aachen erweitert. Es handelte sich dabei um einen sammlungspolitischen Zuwachs, der eine Vergrößerung der musealen Ausstellungsflächen bedingte. Zusätzlich zum 20er Haus eröffnete in der Folge das Museum moderner Kunst im Palais Liechtenstein. Die intensive Netzwerkarbeit des Künstlerhauspräsidenten Hans Mayr seit Mitte der 1970er-Jahre und die strategische Diplomatie von Hermann Fillitz (Ordinarius für Kunstgeschichte an der Universität Wien) trugen mit dieser Erweiterung kulturpolitische Früchte. Die nahezu 200 Leihgaben bedeuteten nicht nur eine Ergänzung des Bestands, sondern setzten auch neue Schwerpunkte innerhalb der Sammlung. So kamen Werke der Pop-Art und des Fotorealismus ans Haus, die durch den vorangegangenen Erwerb der Sammlung von Wolfgang Hahn mit ihrem Fokus auf dem Nouveau Réalisme ergänzt wurden.
1981 folgte mit der Gründung der Österreichischen Ludwig-Stiftung durch die damalige Wissenschaftsministerin Hertha Firnberg und das Ehepaar Ludwig ein weiterer großer Schritt. Ein Großteil der bisherigen Leihgaben ging damit in den Besitz der Stiftung über und konnte als Dauerleihgabe in der Sammlung verankert werden. Im Gegenzug verpflichtete sich die Republik Österreich zu einer jährlichen, wertgesicherten Zahlung an die Stiftung. Dadurch war die Stiftung in der Lage, in den Folgejahren bedeutende Kunstwerke zu erwerben, die die internen Ankaufsbudgets bei Weitem überstiegen.

Die Ausstellung „Nie endgültig!” Das Museum im Wandel reiht sich in eine Serie von Präsentationen ein, die die Sammlungspolitik des Hauses seit seiner Entstehung aufarbeiten. Nachdem bereits Ausstellungen über den Gründungsdirektor Werner Hofmann (1962 bis 1969) und die Ära von Alfred Schmeller (1969 bis 1979) gezeigt wurden, widmet sich die aktuelle Ausstellung nun der Direktion von Dieter Ronte (1979 bis 1989).

Künstler:innen der Ausstellung: Eva Aeppli, Kiyoshi Awazu, Alice Aycock, Robert Bechtle, Joseph Beuys, Christian Boltanski, Marcel Broodthaers, Günter Brus, Carlos Cruz-Diez, Giorgio de Chirico, Inge Dick, Don Eddy, Loys Egg, Richard Estes. , Suzan Etkin, VALIE EXPORT, Trude Fleischmann, Helen Frankenthaler, Birgitta Fritz, Gilbert & George, Nancy Graves, Johannes Itten, Isolde Maria Joham, Hildegard Joos, Martha Jungwirth, Wassily Kandinsky, , Paul Klee, Per Kirkeby, Kurt Kocherscheidt, Brigitte Kowanz, Richard Kriesche, František Kupka, Maria Lassnig, Agnes Martin, Hermann Nitsch, Friederike Pezold, Janis Provisor, Arnulf Rainer, Mimmo Rotella, , Niki de Saint Phalle, Rudolf Schwarzkogler, Rudolf Schwarzkogler/Walter Kindler, Daniel Spoerri, Rini Tandon, Sidney Tillim, Oswald Tschirtner, Cy Twombly, Günther Uecker, Ursula und Lois Weinberger.

Nie endgültig!
Das Museum im Wandel
Bis 12. April 2026